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Expeditionsmobil Benito

Mercedes Vario 815 DA

zul. Gesamtgewicht 7,5 to abgelastet auf 5,6 to
Zylinder 4
Hubraum 4300 ccm
Drehmoment 580 NM
Länge/Breite/Höhe 6,30/2,20/3,20
Verbrauch ~16 l /100 km
Allrad permanent
Sperren Längs + Hinterachse
Untersetzung ja

Auch wenn nicht auf jeder Etappe dabei: Basis für die Weltreise ist unser Wohnmobil, das sich bereits in Südamerika bewährt hat.

„Benito“ ist ein Mercedes Vario 815 DA mit Allradantrieb. Das Fahrzeug haben wir 2006 neu gekauft und die gebrauchte Woelcke Wohnkabine von unserem VW-LT aufsetzen lassen. Mehr Informationen hierzu sind im Transamerika-Abschnitt unserer Website zu finden.

Unsere Erfahrungen und Einschätzungen zu diesem Fahrzeug:

Fahrkomfort:
Der Vario ist ein ein eher rauer Geselle. Das Motorgeräusch in der Kabine ist laut, ohne aber unangenehm zu werden. Es knackt und vibriert immer irgendwo im Fahrerhaus, obwohl eigentlich alles solide verarbeitet ist. Die Federung passt zu diesen Eigenschaften, sie „ganz ok“, ohne aber wirklich komfortabel zu sein. In den ISRI Schwingsitzen reist man auch auf längeren Etappen bequem.

Bodenfreiheit:
Die Bodenfreiheit war bei uns nie ein Problem, aber da kommt es natürlich auf die Strecken an, die man fahren will. Am ehesten könnte ich mir vorstellen, dass es z.B. im Schlamm bei tiefen LKW-Spurrinnen zu Problemen kommt. Wir sind durchaus Pisten mit großen Steinen gefahren, aber da hat die Bodenfreiheit immer gereicht.

Zwillingsreifen
Ein paar Mal hatten wir einen Stein zwischen den Reifen. Das ist aber kein Problem, man muss halt gelegentlich kontrollieren und den Stein entfernen. Einer der größten Nachteile von Zwillingsreifen sind die Fahreigenschaften im Sand (man kann nicht genügend Luft ablassen und fährt eine breitere Spur). Für Sahara- Sandfahrer ist dies sicher ein Problem, aber wir waren angenehm überrascht und kamen mit reduziertem Luftdruck gut durch Weichsandfelder.
Dennoch haben wir für Afrika von der Fa. Paul in Passau Benito auf Einzelbereifung umrüsten lassen. Die Achslast hinten ist von 5,6 t auf 3,6 t gesunken, was für uns kein Problem ist. Damit die Reifen in der gleichen Spur laufen, haben wir uns für neue Felgen hinten entschieden.
Leider hat die Testfahrt nach Marokko ergeben, dass die Conti LCS Reifen nicht verschleißfest genug für unsere Afrikareise sind. Deshalb rüsten wir wieder auf die Michelin XZY auf den Ursprungsfelgen zurück, belassen es aber bei der Einzelbereifung.

Wendigkeit
In Gegenden wie Südamerika hat ein kleineres Fahrzeug wie der Vario einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem „richtigen“ LKW: Durch die kompakte Bauweise kommt man gut durch kleine Ortschaften, kann wackelige Brücken überqueren und tief hängende Felsen und Äste sind auch nicht so schnell ein Problem. Dies wiegt m. E. die etwas eingeschränkten Geländeeigenschaften mehr als auf.

Motor und Getriebe
Wir haben die längste Übersetzung gewählt, dies ist gerade beim 6-Gang Getriebe ok. Selbst ohne zugeschaltete Untersetzung hat der Vario mehr als genug Power. Der Dieselverbrauch liegt bei Langstrecke, maximal 90 km/h und wenig Gelände bei ca. 16 Liter.

Zuverlässigkeit
Damit hatten wir bisher  (72.000 KM) keinerlei Probleme. Ausnahme: Der (gesetzlich nicht benötigte) Fahrtenschreiber mußte durch ein Dummygerät ersetzt werden. Ärgerlich, denn die Kosten dafür betrugen ca. 600 €. Ursache war lt. Mercedes eine leere Pufferbatterie, die normalerweise im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Tachoeichung ausgetauscht wird. Als Wohnmobil unterliegt unser Fahrzeug dieser Verpflichtung nicht, deshalb hatten wir die Eichung auch nicht durchführen lassen. Der Fahrtenschreiber war nach Entleerung der Pufferbatterie unreparierbar defekt, was unserer Meinung nach schon ein starkes Stück ist.

Wartung
Lange Ölwechsel- und Inspektionsintervalle sowie die einfache und robuste Mechanik erlauben sorgenfreies Reisen, auch auf langen Touren.

Tank
Wir haben den schlecht verarbeiteten 90l Serientank durch einen 210l Kunststofftank ersetzt. Der ist original Mercedes, obwohl es lt. der Auskunft von mehreren Werkstätten  keinen Tank gibt! Wir haben ihn günstig gebraucht gekauft und selbst eingebaut. Das war ein wenig Gebastle mit der Aufhängung, weswegen ihn Mercedes wohl erst gar nicht einbaut.

Euro-Norm
Der aktuelle Vario (ab Mitte 2006) benötigt einen Zusatz (AdBlue) um die EURO 5 Norm zu erreichen. Diese Flüssigkeit ist  z. B. in Südamerika nur schwierig verfügbar. Man muss also entsprechende Mengen mitführen, bzw. sich erkundigen, ob man das Fahrzeug ohne Zusatz fahren kann. Unser Fahrzeug hat noch Euro 3 Norm, was zur Folge hat, dass wir in manchen Umweltzonen (z. B. München und Berlin) nicht mehr fahren dürfen (unglaublich eigentlich, das Fahrzeug ist Baujahr 2006!!!).

Wattiefe
Beim Vario kann die Wattiefe auf gut 50 cm erhöht werden. Hierfür ist die Höherlegung des Auspuffs, sowie die Verlegung diverser Entlüftungen und Filter notwendig.

Fazit:
Es ist halt leider so, das ideale Fahrzeug gibt es nicht und irgendwo muss man zwangsläufig Kompromisse eingehen. Für die Anforderungen unserer Weltreise ist dieses Fahrzeug mit der kompakten Kabine bestens geeignet.