Albanien

27.05.2014 - 15.06.2014

Wir überschreiten die Grenze über den kleinen Übergang bei Konitsa (Griechenland)  und befinden uns dann  im Süden von Albanien. Entlang der Küste fahren wir in wenigen Tagen in den Norden dieses relativ kleinen Landes. Dort befinden sich die Albanischen Alpen. Dieses wilde, ursprüngliche Gebirge ist ganz nach unserem Geschmack und wir schnüren wieder mal die Wanderstiefel.

Ankunft in Albanien

Vor einem Jahr hatten wir Gertrud und Stefan alias Magirus-Nomaden auf dem Därr-Treffen kennengelernt. Damals hatten wir lose vereinbart, ein Stück in Afrika gemeinsam zu fahren. Das hat jedoch nicht geklappt: wir sind gar nicht losgekommen und die Magirusnomaden nur bis in den Oman, weil die Saudis ihnen das Visum verweigert haben. Die Beiden haben die Türkei, den Iran und die Emirate bereist und befinden sich nun auf dem Heimweg. In Nordgriechenland, nahe der albanischen Grenze kreuzen sich nun unsere Wege doch noch. Wir treffen uns auf einer Wiese am Ufer eines Flusses. Mit dabei sind auch Rudi und Sylvia mit ihrem MB 609, die auch diesen schönen Platz entdeckt haben. Zusammen haben wir viel Spaß, grillen gemeinsam und wir erhalten die neuesten Infos für unsere nächste Etappe ab Herbst.

Mit drei Fahrzeugen reisen wir nach Albanien ein, um noch einen letzten gemeinsamen Tag bei den heißen Quellen von Banjas Benje verbringen. Die gute Laune lassen wir uns vom Regenwetter nicht verderben. Wir Männer liegen im etwa dreißig Grad warmen Wasser, trinken griechischen Wein, während eine Ziegenherde über die steinerne Türkenbrücke getrieben wird. So schön kann Reisen sein!


Weißwein bei Regen im heißen Pool

Die Magirusnomaden Gertrud und Stefan

Der erste Eindruck von Albanien ist positiv: Einsame Berglandschaften, freundlich winkende Menschen und ein für uns sehr günstiges Preisniveau. Als wir in Permet eine Sim-Karte für unseren Internetrouter suchen, hilft uns sofort ein englisch sprechender Albaner. Der will für seine Hilfe keine Gegenleistung, er freut sich einfach, wenn Touristen in sein Land kommen.

Nordwärts der Küste entlang

Auf der Höhe von Berat verlassen wir die Berge und fahren auf der gut ausgebauten Fernstraße die Küste nordwärts. Dieser Teil Albaniens gefällt uns nicht mehr ganz so gut. Hier ist es eben und das fruchtbare Land ist dicht besiedelt. Doch auch hier haben wir einige nette und interessante Orte gefunden:

Berat

Die Straße nach Berat ist in einem extrem schlechten Zustand: Vom Teer ist nicht mehr viel übrig und tiefe Schlaglöcher zwingen zur Slalomfahrt. Die ganze Gegend stinkt penetrant nach Öl. Alte Raffinerieanlagen aus der sozialistischen Zeit rosten vor sich hin, der Boden ist öldurchtränkt. Nur wenige Meter von dieser Hauptstraße entfernt befindet sich ein erstaunlich schöner und gut geführter Campingplatz. Schafe grasen gleich nebenan und Frösche quaken aus dem Entwässerungsgraben. Dieser Platz dient als Basis für die Besichtigung von Berat. Die Burghausener Inge und Sepp stehen ebenfalls hier, sie nehmen uns mit ihrem kompakten Wohnmobil mit ins Zentrum. Gemeinsam brechen wir zur Stadtbesichtigung auf. Vor allem die Burg auf einem Hügel über der Stadt ist wegen der gut erhaltenen Mauern und mehrerer Kirchen sehenswert. Von hier oben blicken wir auf die von Bergen umgebene Stadt mit ihren hoch aufragenden Plattenbauten, den historischen Steinhäusern, den Kirchen und Moscheen. Obwohl Berat schon als touristisch gilt, gibt es außer ein paar Verkaufsständen mit selbst gemachten Tischdecken und Wollsocken sonst kaum touristische Einrichtungen. Dafür können wir günstig zu Mittag essen. Gerade mal fünf Euro pro Person bezahlen wir für ein üppiges Mahl  mit Getränken in einem schönen Terrassen-Restaurant.

Kap Rhodon

Die nordalbanische Küste ist kaum frei zugänglich. Ganze Buchten sind in Privatbesitz und werden als Campingplatz oder Hotelanlage genutzt. Die Stadt Durres mit ihren Hochhäusern erinnert an das Rimini aus der 70’ger Jahren. In eleganten Restaurants sitzen Albaner, die es schon ¨geschafft¨ haben. Auf dem Boulevard parken neue Mercedes und Audis. Welch ein Unterschied zu den einfachen Häusern und klapprigen Mercedes außerhalb!

Doch Kap Rhodon ist anders, das weite Gelände befindet sich im Kirchenbesitz und darf deshalb nicht bebaut werden. Statt dessen grasen hier Kühe, Schafe und Pferde. Die ebenen Grasflächen eignen sich auch für einen Wohnmobilaufenthalt.

>>Kein Problem, hier könnt ihr mit dem Wohnmobil parken solange ihr wollt. Die Strandliegen könnt ihr benutzen und wenn ihr irgend etwas braucht, dann sagt mir einfach Bescheid. Morgen kann ich euch auch die Bunker aus der Hodscha-Zeit zeigen<<

Der nette Albaner hat in Deutschland gearbeitet und kümmert sich um den Strand. Er räumt den Müll weg, hilft beim Aufbau einer Strandkneipe im Bunker und kümmert sich um ausländische Motorrad- oder Wohnmobilfahrer. Unsere Vermutung dass er für seine Freundlichkeit Geld will, wird sich nicht bestätigen. Für eine freiwillige Aufmerksamkeit ist er dennoch dankbar. Als auch noch die Burghausener Inge und Sepp auftauchen (siehe oben) bleiben wir an diesem Platz wieder mal länger als geplant. Für unsere Verpflegung ist bestens gesorgt: Die Fischer verkaufen ihren Fang direkt ab Boot, unser albanischer Freund liefert das Feuerholz für den Grill und eine albanische Familie versorgt uns mit leckerem selbst gebackenen Kuchen. Eine Quelle mit frischem Wasser gibt es auch.

Kruje

Kruje ist ein Ausflugsort mit Touristenbasar, einem lauten Muezzin und ein paar historischen Bauwerken. Eigentlich nichts besonderes für uns, wäre da nicht der geniale ¨Kamping¨.

>>Ihr könnt euer Wohnmobil direkt neben dem historischen Turm abstellen und auch unser Bad benutzen. Bezahlt einfach was ihr wollt.<<

Der rührige ¨Campingplatzbesitzer¨ freut sich als wir

>>Ok, wir kommen<<

sagen. Natürlich machen wir vorher den Preis (5.-€ pro Nacht) aus. Er schickt uns seinen Bruder mit als wir losgehen um Benito zu holen. Wahrscheinlich hat er Angst, dass wir doch nicht kommen, denn der Weg hinauf ist schon abenteuerlich: Es geht durch den engen Basar. Touristen müssen sich gegen die Verkaufsstände pressen, damit wir vorbeikommen. Dann folgen steiles Kopfsteinpflaster, Spitzkehren und eine Engstelle durch einen Felsen. Für große Wohnmobile definitiv nicht zu empfehlen, doch Aussicht und Flair sind genial.

Kann dieser Platz eigentlich legal sein? Schließlich kann man ja auch nicht direkt neben dem Turm von Pisa campen! Doch zumindest die Polizei hat nichts dagegen, die hilft uns sogar beim Ausparken, als wir am nächsten Morgen diesen exklusiven Platz wieder verlassen.

Albanische Alpen

Die albanischen Alpen befinden sich ganz im Nordosten von Albanien. Es locken einsame, ursprüngliche Täler und bis zu 2700m hohe, zackige Berge. Hier setzen wir den Schwerpunkt unseres Albanienaufenthalts und planen eine Woche Wandern ein.

Ein wenig Bedenken haben wir wegen der Anfahrt ins Theth Tal, denn einige Reiseberichte beschreiben die Piste dorthin als eng und sehr schwierig zu befahren. Tatsächlich ist die Straße sehr rauh und ruppig, doch für ein Fahrzeug mit genügend Bodenfreiheit auch ohne Allrad (ein VW-Bus geht gerade so) problemlos zu befahren. Die Piste ist einspurig mit wenig Ausweichen und man ist froh, wenn niemand entgegen kommt und ein paar neue Kratzer an den Seiten sollten einen auch nicht stören.

Wegen der schlechten Verkehrsanbindung ist das Theth Tal recht ursprünglich geblieben, öffnet sich aber einem sanften Tourismus. Um etwas Geld im Ort zu lassen, übernachten wir ganz bewusst im Garten der Harusha Familie.


Ruppige Piste nach Theth

Im Garten der Harusha Familie

Viele kleine Bauernhöfe sind weiträumig über das von hohen, felsigen Berggipfeln umgebene Tal verteilt. Auf den Blumenwiesen grasen Schafe und Pferde, kleine Felder werden bestellt, überall sind glückliche Hühner und Schweine. Eine Idylle, wie sie in unseren Alpen kaum mehr zu finden ist.

Wir wandern durch das Tal, besichtigen den Blutracheturm und folgen dann einem Wegweiser zum Heimatmuseum. Dieses ist jedoch verschlossen, doch ein alter, zahnloser Mann deutet uns zu bleiben und schickt seine Enkelin los. Diese kommt nicht wie erwartet mit dem Schlüssel, sondern mit einer Brechstange zurück! Ohne auf unsere Proteste zu achten beginnt Opa mit aller Kraft das Schloss auf zu hebeln. Das wird uns nun doch zu viel und wir machen uns davon.


Idylle im Theth Tal

Der rabiate Opa vor dem Heimatmuseum

Eine Woche bleiben wir in den albanischen Alpen. Der Versuch den 2200m hohen Arapi zu besteigen scheitert, da reicht unsere Kondition einfach nicht, aber auch ohne den Gipfel ist das Bergwandern in der total einsamen, karstigen Felslandschaft ein besonderes Erlebnis.
Problemlos erreichen wir dagegen auf unserer Zweitageswanderung das benachbarte Valbone Tal. Vielleicht gibt uns ja der Grappa Kraft, den uns ein findiger Albaner in seinem ¨Kafe¨ anbietet. Kurz vor der Passhöhe hat er ein paar der mächtigen Buchen gefällt und mit Hilfe seiner Motorsäge die Bretter für das Kafe hergestellt. Mit seinem Pferd transportiert er die Getränke, vor allem Bier- und Coladosen, hoch. Als Kühlschrank dient eine Schüssel in die kaltes Quellwasser fließt. Ganz besonders stolz ist er aber auf seinen selbst gemachten Grappa. Den MÜSSEN wir einfach probieren, auch wenn es erst neun Uhr morgens ist (wir sind aber immerhin schon seit vier Stunden auf).

Hinweis: Zu diesem Bericht sind Bilder >>hier verfügbar


Wanderung vom Theth Tal ins..

… benachbarte Valbone Tal

Kühlschrank für Bier

Der Wirt ist stolz auf den selbst gebrannten Grappa

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