Wien – Budapest

05.09.2011 - 11.09.2011

Kaiserliche Städte auf der Etappe Wien – Budapest

Die Radlerin Lydia haben wir auf dem Campingplatz in Wien kennengelernt. Sie hat schon ein paar Kilometer mehr geschafft als wir, denn sie ist am Donauursprung gestartet. Gemeinsam wollen wir die Strecke nach Bratislava radeln. Da dies nur gut 50 km sind, erreichen wir die Hauptstadt der Slowakei schon Mittags. Recht entspannt gelangen wir entlang der Donau ins Zentrum. Die Stadt macht einen sehr gepflegten Eindruck mit vielen schön renovierten Palais. Vom Sozialismus ist hier nicht mehr viel zu sehen. Nur  das günstige Hotel, das uns die Touristeninfo empfohlen hat, ist im Retro-Stil aufgemacht, in der Lobby steht ein Trabbi. Auch das Personal an der Rezeption scheint diesbezüglich geschult:


Hotel auf der Donau

Der Preis für das Zimmer ist fast doppelt so hoch wie in der Touristeninfo genannt. Als wir uns beschweren, antwortet der Rezeptionist:

>>Dieser Preis gilt nur bei Vorausbuchung<<

Ich schau auf ein Internetterminal und frage ob ich schnell online buchen kann?

>>Nein, das Terminal ist nur für Gäste<<

>>Oder soll ich zurück zur Touristinfo und von dort buchen?<<

>>Ja, das wäre eine Möglichkeit<<

Das Ganze wird uns zu blöd und wir suchen nach einer Alternative. Die haben wir auch bald gefunden: In einem zum Hotel umgebauten Donauschiff finden wir eine stimmungsvolle und preiswerte Unterkunft. Die Fahrräder bekommen sogar ein eigenes Zimmer.

Gemeinsam mit Lydia gehen wir Abends in eines der zahlreichen Restaurants, wo wir leckeres Essen bekommen. Bratislava ist wirklich eine angenehme Stadt.


Burg von Bratislava

Innenstadt Bratislava

Trotzdem radeln wir am folgenden Tag, nun wieder alleine, weiter in Richtung Ungarn. Ein kräftiger Rückenwind schiebt uns schnell zur Grenze und von dort erreichen wir über kleine Strassen Lipot. Dieser Ort ist vor allem wegen seines Thermalbads bekannt und das zu besuchen, wollen wir uns heute gönnen. Der riesige Parkplatz ist fast leer und verspricht ein ruhiges Badevergnügen. Schnell bauen wir unser Zelt am naheliegendem Campingplatz auf und entspannen dann unsere Muskeln in den angenehm temperierten Becken mit vielen Sprudeldüsen. Nach einem deftigen Abendessen fallen wir förmlich in unsere Schlafsäcke.


Unser Stadtführer in Tata

Das Radeln in Ungarn ist angenehm, meist geht es über wenig befahrene Landstraßen, nur hin und wieder mal über einen Hügel. Die Dörfer sind friedlich mit vielen Blumen, in den Gärten der einfachen Häuser wird intensiv Gemüse angebaut. Gelegentlich kommt uns sogar ein Pferdefuhrwerk entgegen. Radtouristen sind nun selten geworden, die meisten fahren doch nur bis Wien oder Bratislava. Die Einheimischen sind freundlich und viele sprechen Englisch oder Deutsch. In Tata spricht uns ein Mann auf Deutsch an, als er bemerkt, dass wir eine Unterkunft suchen. Er bringt uns zu einem schönen, preisgünstigen Hotel und bietet uns dann an, uns die Stadt zu zeigen.

>>Ich will auch kein Geld<<

sagt er, als er unser Zögern bemerkt.
Voller Stolz zeigt er uns seinen Heimatort  und erzählt interessante Dinge über die Lebensbedingungen in Ungarn. Nach einigem Überreden lässt er sich wenigstens auf ein Bier in einem Restaurant einladen.

Weiterhin ist es recht abwechslungsreich. Wir radeln über kleine Hügel mit Weinanbau, machen Station in Esztergom bei der mächtigen Kathedrale und nutzen eine kleine Fähre um auf die Donau zu überqueren. Bisher fuhren wir stets in östlicher Richtung. Jetzt aber, am malerischen Donauknie, kurz vor Budapest dreht die Donau in südliche Richtung, bis sie nach einigen hundert Kilometern Serbien und Kroatien erreicht. Aber so weit denken wir nicht voraus. Jetzt freuen wir uns, dass wir schon in den Außenbezirken von Budapest sind, wo wir ein paar Tage Pause machen wollen. Die Verkehrsführung ist für Radfahrer ziemlich verwirrend, deshalb freuen wir uns, dass uns eine Gruppe freundlicher ungarischer Mountainbiker in Richtung Zentrum lotst. Dann klingelt Silvias Handy, eine Nummer wird angezeigt, die nichts Gutes verheißt. Es gibt Probleme mit Silvias Vater, die aber vermutlich nicht so gravierend sind, dass wir hier abbrechen müssen. Beiden wird es uns erneut bewusst, dass es zu Beginn der Tour keineswegs sicher war, dass wir es bis Budapest schaffen.


Straßen und Wege über Dämme ..

…und durch kleine Dörfer

Vor der Touristeninfo fängt uns Melinda ab und zeigt uns Photos von ihrem Appartement, das sie an Touristen vermietet. Da uns die Bilder überzeugen, die Dame einen netten Eindruck macht und der Preis stimmt, schieben wir zusammen mit ihr unsere Räder in Richtung Parlament. Gleich dort ist die Wohnung in einem großen, gepflegten Gebäude. Ein wenig dunkel ist es, was bei der Hitze aber durchaus angenehm ist. Toll, so haben wir eine zentrale Wohnung gefunden und können auch mal selber ein Frühstück zubereiten.

Drei Nächte bleiben wir in unserem angenehmen Domizil. Eigentlich zu wenig, aber wir können die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchen und den ganz besonderen Flair abends an der Donau genießen. Am besten gefällt uns eine Kneipe direkt an der Donau, wo wir bei warmen Temperaturen ein kühles Bier trinken, beobachten wie der Mond über dem Parlament aufgeht, während sich die Lichter der Kettenbrücke im Fluss spiegeln.

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