Fernwanderweg E4 Peloponnes

28.04.2014 - 05.05.2014

Fernwanderweg E4 Peloponnes

Regentropfen fallen, dazu bläst ein kalter Wind. Wir pressen uns dicht an die Wand einer verschlossenen Kapelle, deren Dachüberstand zu klein ist. Deshalb versuchen wir uns mit einer Unterlegplane vor den Tropfen zu schützen. Was machen wir eigentlich hier? Vielleicht hätte ich doch auf Silvia hören sollen, die von der Idee einer einwöchigen Trekkingtour in den Bergen des Peloponnes nie so wirklich begeistert war? Heute morgen sind wir mit dem Bus nach Tripolis gefahren. Von dort hat uns ein Taxifahrer in das kleine Dorf Psili Vrisi gebracht. Bei dunklen Wolken sind wir los gewandert und haben beim Einsetzen des Regens diese Kapelle gefunden.

Zwei Stunden später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Der Regen hat aufgehört und wir sitzen als einzige Gäste in einer kleinen Dorftaverne bei einer Art Schweinebraten mit leckeren Kartoffeln. Acht Tage wollen wir auf einem Teilstück des Fernwanderwegs E4 unterwegs sein und dabei deutlich mehr als 100 km zurücklegen. In unseren Rucksäcken haben wir auch Zelt, Schlafsack und Kocher dabei um unabhängig von Gästezimmern zu sein. In dieser einsamen Gegend ist dies fast unabdingbar.


Begegnungen

Das erste Camp

Das Wetter bessert sich und wir wandern während der folgenden Tage durch eine Berg- und Hügellandschaft mit vielen Blumen. Da wir meist auf mindestens 800m unterwegs sind, erleben wir nochmals den Frühling, der unten am Meer langsam zu Ende geht. Die wenigen Menschen dieser Gegend leben vom Ertrag der Kastanien-, Kirsch- oder Olivenbäume und von Schaf- und Ziegenherden. Weite Landstriche sind aber Ödland mit Gestrüpp und dornigen Sträuchern.


Die Kastanienbäume treiben gerade aus

Versorgungsmöglichkeit

Schöne Plätze für unser Zelt zu finden, ist nicht schwierig und wir genießen das freie Leben. Gegen Abend jedoch wird es immer ziemlich frisch, oft weht ein kalter Wind. Deshalb kriechen wir schon früh in unsere Schlafsäcke. Die Augen fallen dann schnell zu, denn wandern macht müde. Wir achten darauf, das Zelt so aufzubauen, dass es von der Morgensonne beschienen wird. So trocknet der Morgentau am schnellsten ab. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen uns beim Frühstück, das meist aus Tee und Keksen besteht. Ein paar Mal übernachten wir auch in einem Gästezimmer, wo wir immer als erstes die heiße Dusche nutzen.


Omas urige Taverne

Ganz besonderes gut hat uns die Etappe am dritten Tag gefallen. Gegen Mittag erreichen wir Vresthena, einen verschlafenen Ort mit nur wenig Einwohnern. Die meisten Häuser sind verlassen, einige werden noch als Ferienwohnung genutzt. Kein Mensch ist in den engen Straßen unterwegs, doch die kleine, urige Taverne hat geöffnet. Eine alte Frau winkt uns herein und legt auf einen der Tische eine Papiertischdecke aus. Ein untrügliches Zeichen, dass es hier etwas zum Essen gibt. ¨Oma¨ spricht kein Wort englisch, doch die Zeichensprache und unser Wörterbuch helfen auch hier weiter. Sie hat heute Zicklein mit Kartoffeln im Angebot. Ganz nach unserem Geschmack. Eins muss man „Oma“ lassen: Kochen kann sie!
Bestens gelaunt wandern wir weiter. Der Weg führt hinunter in ein Flusstal mit riesigen Platanen. Ein Wildschwein mit Frischlingen schaut in unsere Richtung, stößt einen Warnlaut aus und verschwindet mit der quiekenden Kinderschar im dichten Busch. Kurz darauf hören wir ein leises Klingeln näher kommen. Eine große Ziegenherde kreuzt unseren Weg, die neugierigen Tiere folgen uns ein Stück. Dann ist es wieder ruhig, nur das Zirpen der Zikaden ist zu hören.

Bei diesem Abschnitt sind wir froh, neben den Bergschuhen auch die Trekking Sandalen dabei zu haben, denn immer wieder müssen wir einen Fluss überqueren.


Neugierige Ziegen

Flussdurchquerung

Etwa 60 Kilometer sind wir nun gewandert und immer noch gut drauf. Nur das Innenfutter meiner Bergstiefel ist durch gescheuert, so dass sich schon Blasen an der Ferse gebildet haben. Hoffentlich wird das nicht schlimmer, im Moment ist es noch gut auszuhalten.

Am 1. Mai, kurz vor Sparta, führt der Weg an einer Kapelle vorbei. Davor haben mehrere Familien ihre Grills angeheizt. Man winkt uns heran und bietet uns gegrilltes Fleisch sowie selbst gemachte Wurst und Wein an. Da die Tochter englisch spricht, ist diesmal sogar eine Unterhaltung möglich. Bevor wir zu sehr bedudelt sind, verabschieden wir uns von der freundlichen Familie und werden gleich von der nächsten eingeladen.

>>Nein, Danke. Wir haben gerade da drüben schon gegessen und getrunken<<

Mit dem Erreichen des Taygetos-Gebirges beginnt nun der landschaftlich spektakulärste Teil dieser Tour. Heute hat Silvia allerdings einen schlechten Tag erwischt, der lange und steile Anstieg bereitet ihr Probleme. Wir verlagern noch etwas Gepäck in meinen Rucksack, so können wir den Leistungsunterschied gut ausgleichen. Jetzt geht es gleich besser, doch nun zieht auf 1300m Höhe Nebel auf. Der noch schneebedeckte höchste Berg des Peloponnes, der Prof. Ilias verschwindet. Kommt nun ein Wetterumschwung? Glücklicherweise nein, schon bald reißt es wieder auf. Das Gebirgspanorama lässt uns die Anstrengungen des Aufstiegs endgültig vergessen.

Der Abstieg führt über anspruchsvolle Pfade. Dabei müssen Geröllhalden, umgestürzte Bäume und Leitern überwunden werden. Spannend, aber auch anstrengend. Wir spüren nun doch die Belastungen der letzten Tage. Müde erreichen wir Arna und sind froh, dort ein Zimmer zu bekommen, obwohl dieses feucht und etwas schmuddelig ist. In den kleinen Bergdörfern gibt es eben keine Alternativen und eine Dusche ist nach 2 Zeltnächten dringend notwendig.


Erst durch Nebel…

… dann tolle Ausblicke

Auf einem mystischen, uralten Kopfsteinpflasterweg in völliger Einsamkeit erfolgt der letzte Anstieg unseres E4-Abenteuers. Oben angekommen treffen wir auf ein Kloster in exponierter Lage mit fantastischer Aussicht, alle Finger des Peloponnes sind zu erkennen.

Nun müssen wir irgendwo eine Transportmöglichkeit zurück nach Hause finden. Busse gibt es hier nicht und auch trampen ist mangels Verkehr nicht möglich. Da trifft es sich gut, dass wir ein wenig unten, in einem kleinen Dorf, auf einen freundlichen, englisch sprechenden Mann treffen. Der greift zum Telefon und organisiert uns einen Pickup. Es ist geschafft!

Diese Trekking-Tour hat unsere Erwartungen sogar noch übertroffen (Silvia würde das aber nie zugeben). Neben den großartigen Berglandschaften waren es vor allem die netten Begegnungen mit den Einheimischen, warum uns die Wanderung so gut gefallen hat. Obwohl wir in einer sehr dünn besiedelten Gegend unterwegs waren, hatten wir in dieser einen Woche mehr Kontakte als in den sechs Wochen zuvor mit dem Wohnmobil.

Meine Bergschuhe haben auch durchgehalten und ich glaube, sie werden die nächste Tour (in Albanien?) auch noch überstehen.

Zu diesem Bericht gibt es auch Bilder und praktische Hinweise (siehe Seitenleiste).

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