Griechenland Peloponnes

27.03.2014 - 25.04.2014

Griechenland – Der Peloponnes

Ganz im Süden des griechischen Festlands liegt die Halbinsel Peloponnes mit ihren drei Fingern und einem ‚Daumen‘. Schroffe Küsten, schneebedeckte Berge, weite Sandstrände, Olivenhaine und Orangenplantagen, antike Bauwerke und jede Menge Kirchen und Kapellen prägen diese Landschaft. Jetzt im Frühjahr blühen roter Mohn, gelber Ginster und viele uns unbekannte Blumenarten um die Wette. Schon bald stellen wir fest, in einem Paradies für Wohnmobile zu sein. Frei und unbehelligt können wir hier Übernachten, auch wenn es hier und da ein paar verbogene ¨Camping Verboten¨ Schilder aufgestellt sind. Die interessieren niemand, ebenso wenig wie die Verkehrsschilder auf der Straße. Für uns sehr angenehm, aber vielleicht auch ein Teil des griechischen Problems?

Wir beginnen die ¨Peloponnes Fingertour¨ mit dem westlichen Finger Messenien, es geht weiter in die ¨Mani¨ und schließlich nach Lakonien.

Um es vorweg zu nehmen, diese ersten Wochen verlaufen ausgesprochen ruhig und problemlos, so richtig schön zum Eingewöhnen.

Meer und Strände

Oben auf den Bergen des Peloponnes liegt noch Schnee, deshalb bleiben wir zunächst am Meer. Die zerklüftete Küstenlinie bietet genügend Möglichkeiten. Erschlossen ist diese durch kleine Straßen, auf denen es besonders in den Dörfern schon mal sehr eng werden kann. Da sind wir doch froh, dass Benito nicht noch breiter ist.

Im flachen Schwemmland werden Orangen und sonstiges Obst und Gemüse angebaut. Davor am Meer befinden sich weite Sandstrände, manchmal mit Hotels und Tavernen. Jedoch ist die Küste nie so zugebaut, wie wir es beispielsweise aus Spanien kennen.
Wenn jedoch die Berge bis ans Meer reichen, dann sind Badestände selten, dafür erleben wir spektakuläre Ausblicke aufs Wasser mit unglaublichen Blautönen. Die Abwechslung macht den Reiz dieser Küste aus, das gilt auch für die Stellplätze. Mal übernachten wir an einer Hafenmole, mal an einem Sandstrand, dann wieder oben auf einem Berg mit grandioser Aussicht. Das Tuckern der Fischerboote, die abends die Netze ausbringen und morgens wieder einholen, ist mittlerweile ein vertrautes Geräusch.
Zum Baden ist es noch zu kalt, nur einmal traut Silvia sich ins Meer.


Doch noch etwas kalt

Die Idylle trügt: Ein Dynamitfischer

Doch manchmal trügt die Idylle: Ich stehe neben dem Wohnmobil, das neben einer Taverne parkt und beobachte einen Fischer beim Einholen des Netzes. Plötzlich wirft er etwas ins Wasser, kurz darauf kracht eine Explosion. Ich kann es nicht fassen, der fischt ganz ungeniert mit Dynamit! Eine Stunde später hält ein Pickup an der Taverne und die Besitzerin ersteht eine Tüte voll kleiner Fische. Solche wie wir sie gestern zu Abend gegessen haben.

Reisebekanntschaften

Der Camper Herbert
Gleich am ersten Tag in Griechenland lernen wir den Münchner Herbert kennen. Auf den ersten Blick wirkt der ungefähr Siebzigjährige wie der typische Dauercamper.  Herbert hat den Winter alleine am Strand von Kalogria verbracht. Vom Besitzer der Taverne hat er Strom bekommen und durfte die Gefriertruhe nutzen. Im Gegenzug hat er nebenbei das Gebäude mit seinen beiden Hunden bewacht. Doch der erste Eindruck täuscht gewaltig: Herbert erzählt aus seinem früheren Leben, wo er unter anderem Lehrer in Russland war. Mit seiner vor einigen Jahren verstorbenen Frau hat er die ganze Welt bereist. Er interessiert sich sehr für unsere Reise und egal von wo wir erzählen, Herbert war schon dort.
Ich will wissen, wie lange er noch hier am Strand bleibt.

>>Nur noch ein paar Tage, dann besuche ich meinen Sohn in München. Da bleibe ich aber nicht lange, sondern fahre mit dem Wohnmobil zur meiner Datscha bei Moskau<<


Die ersten Fernreisenden

Kiki und Frank

Fernreisende
Wir treffen auch die ersten Fernreisenden, zum Beispiel Ruth und Walther, die gerade zu einer langen Tour nach Asien aufbrechen.
Ganz besonders interessant ist die Begegnung mit den Schweizern Gabriela und Ivo, die mit ihrem Allrad Mercedes Sprinter gerade aus Afrika zurückgekommen sind. Die Beiden erzählen nicht nur spannende Geschichten, sondern haben auch die neuesten Tipps für uns. Sie sind die Ostroute runter und wieder zurück gefahren, weil es ihnen so gut gefallen hat. Angenehm, dass Sie von den schönen Sachen berichten und nicht von Problemen.

Kiki und Frank
Auf der Fähre haben wir Kiki und Frank kennengelernt, die ein Haus bei Methoni gebaut haben. Die Beiden haben uns eingeladen, sie zu besuchen. Als wir in der Gegend sind, rufen wir an.

>>Ja klar, kommt, wir holen euch am Hafen ab.<<

Wir parken vor ihrem wunderschönen Haus.

>>Das sieht ja aus wie ein Traumhaus in einer der Auswandererserien, toll was ihr da geschaffen habt!<<

Zusammen verbringen wir einen schönen Abend mit viel Bier und Wein. Wir tauschen Lebensgeschichten aus und sind sind uns am Ende fast so vertraut wie langjährige Freunde. Uns verbindet die Verwirklichung unserer Träume, auch wenn diese unterschiedlich sind.

Peter und Eva im Landcruiser
Einige nette Abende am Lagerfeuer und gemeinsame Wanderungen verbringen wir mit den Münchner Landcruiser Fahrern Eva und Peter. Die beiden sind nun in Rente und genießen ihr neues Leben.

Und griechische Bekanntschaften?
Leider erweist es sich wieder einmal, dass es gerade als Wohnmobilist gar nicht so einfach ist mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Klar, ein paar Gespräche ergeben sich schon. Der Tavernenwirt erzählt von seiner Einschätzung von Griechenlands Krise (die Politik ist schuld) oder der ehemalige Gastarbeiter aus München sagt, wie froh er ist seine Rente von BMW zu beziehen. Tiefere Einblicke in das griechische Leben haben sich bisher aber nicht ergeben.

Antike Stätten

Wir besuchen die Ruinen von Olympia, wo schon 776 vor Christus die ersten sportliche Wettkämpfe stattfanden. Wie schon so oft, so zahlt sich auch diesmal das frühe Aufstehen aus. Außer ein paar Wärtern sind wir zunächst ganz alleine und erleben bei Vogelgezwitscher und Insektengesumme eine ganz besondere Atmosphäre.


Olympia

Olympia

Im angeschlossenen Museum steht eine wunderschöne Statue des Hermes. Da dieser Gott der Schutzpatron der Reisenden ist, wollen wir eine kleine Filmdoku drehen. Eine Aufseherin beobachtet uns dabei. Als ich mich vor die Statue stelle und gerade anfangen will zu sprechen, schreitet sie ein:

>>Kein Foto mit der Statue und Personen. Nur die Statue allein ist ok, aber nicht mit Personen<<

Ihr Blick macht klar, dass sie keinen Widerspruch duldet, auch wenn sie keine Erklärung für diese Regelung hat. Wir brechen die Aufnahme ab.
Silvia schüttelt nur noch den Kopf:

>>Solche Regelungen sind auch ein Teil des griechischen Problems!<<

Der Stellplatz in Messene liegt inmitten blühender Sträucher mit Blick sowohl auf die Berge als auch auf das Meer. Unweit von hier haben wir eine Schildkröte beobachtet, die Vögel zwitschern, über uns kreist ein Adler. Wieder mal ein Übernachtungsplatz, wie er idyllischer kaum sein könnte. Das Besondere diesmal: Unser Wohnmobil steht direkt neben der gut erhaltenen, antiken Stadtmauer.


Stellplatz an der antiken Stadtmauer

Ödipus by University of Peking

Am folgenden Morgen besuchen wir den Rest dieser weitläufigen, antiken Stätte. Zunächst sind wir ganz allein, doch dann sehen wir, wie sich in einem gut erhaltenen, kleinen Theater viele Menschen versammeln. Wir stellen fest, dass gerade ein Stück aufgeführt wird. Doch die Sprache ist nicht griechisch und die kostümierten Schauspieler sehen ziemlich asiatisch aus.
Eine Frau spricht uns an:

>>Sie können gerne auf der Tribüne Platz nehmen, wenn Sie wollen.<<

>>Was wird hier denn aufgeführt?<<

>>Die University of Peking spielt ¨Ödipus¨ im Rahmen der antiken Schauspielwochen<<

>>Ah, ja<<

Die Aufführung ist professionell und mit dramatischer Musik untermalt. Die Schauspieler sind mit vollem Einsatz bei der Sache. Ein wenig skurril ist das Ganze aber schon: Die Chinesen erobern nun auch noch Griechenlands antike Bühnen.

Höhlenentdeckung

Mit Taschenlampen im Rucksack wandern wir durch das Dorf Agios Dimitrios. Am Ortsausgang führt ein schmaler Pfad hinunter ans Meer zu einem Felsplateau. Dort beginnt gleich unser Höhlenabenteuer. Der Vorraum zur Höhle ist weit und großzügig, unsere Augen haben Zeit sich an das Halbdunkel zu gewöhnen. Ein geschmiedetes Eisentor liegt aus den Angeln gerissen auf dem Boden. Es sollte mal die Höhle vor Hobbyforschern wie uns schützen. Wir schalten die Lampen ein und kriechen durch nun enger werdende Gänge. Wir leuchten auf Stalagmiten, die teilweise leider zerstört wurden. An den Wänden hängen Fledermäuse, die sich von unserer Anwesenheit aber nicht stören lassen. Im Schein der Taschenlampe krabbeln riesige Spinnen. Wir schalten die Lampen aus um die absolute Finsternis zu erleben. Ohne Licht findet man hier nicht mehr heraus. Kilometerweit könnte man diese Höhle erforschen und sich durchaus verirren. Ich verspüre jedoch schon nach wenigen Metern eine gewisse Beklemmung und wir kehren um. Angenehm, das Tageslicht zu sehen und das azurblaue Meer!

In einigen Tagen später werden wir uns mit dem Boot durch die illuminierten Höhlengänge von Pirgos Dirou staken lassen. Dort wird es noch viel spektakulärer sein, doch in Erinnerung bleibt uns das völlig untouristische Höhlenabenteuer bei Agios Dimitrios.


Das Gatter der Höhle wurde entfernt

Eine Fledermaus

Der Besuch des Manidorfes Vathia

Eine Besonderheit der Mani sind mehrstöckige Wehrtürme, in denen die Bewohner früher Schutz vor Blutrache suchten. Ganze Dörfer bestehen aus diesen mächtigen Bauwerken. Auch moderne Ferienhäuser und Hotels entstehen in diesem Turmstil, was uns aber oft nicht so gefällt. Die alten Dörfer dagegen sind verlassen, die Bewohner nach Athen oder ins Ausland ausgewandert. Wir stoppen am Ortsrand des Dorfes Vathia.


Das Manidorf Vathia

Ein verlassenes Haus

>>Lass uns durch dieses besonders spektakuläre Manidorf gehen<<

Der Rundgang ist bedrückend. Die mächtigen Türme befinden sich in den unterschiedlichsten Verfallsstufen. Einige sind vollständig zusammengebrochen, andere sehen aus, als ob sie erst gestern verlassen worden wären. Wenige Gebäude wurden renoviert und werden nun als Ferienhaus genutzt. In der ehemaligen Dorftaverne sind die Türen offen. Auf dem Tresen stehen noch verschlossene Limonadenflaschen, im Nebenraum wäre der Kühlschrank einsatzbereit. Ein Fensterladen klappert im Wind. Im Gästezimmer werden die Betten nun von Katzen bewohnt. Wir schlendern durch das ganze Dorf, schauen in Räume, in denen die Tassen noch griffbereit in den Regalen hängen.

>>Wie ein Freilichtmuseum!<<

Doch aus einem der Häuser tönt der Fernseher, ein Hund kläfft, Hühner scharren im verwahrlosten Garten. Also lebt doch noch jemand hier!

Monemvasia


Monemvasia

Die Festung auf dem Fels von Monemvasia galt lange Zeit als uneinnehmbar. Obwohl sehr touristisch gefällt uns hier. Abseits der Hauptstraße gibt es in der Unterstadt viele schön renovierte Gebäude zu entdecken. Dazwischen auch Verfallenes und immer wieder kleine und große Kirchen. Oben in der Festung kann man zwischen den Ruinen eine ausgiebige Wanderung unternehmen. Ein riesiges Gelände. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen, denn jetzt Ende April haben wir den ersten sommerlichen Tag mit Temperaturen von 25°. Toll! Auch ein junges englisches Paar genießt unten in der Souvenirgasse die sommerliche Wärme. Er mit nacktem Oberkörper und Rucksack, sie mit Bauch frei und nur knapp bedecktem Hintern. Die Beiden bemerken nicht, wie sie sich zum Gespött der Griechen machen.

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