home Welterfahrung Ins südliche Afrika Von Kenia nach Tanzania

Von Kenia nach Tanzania

26.07.2016 - 21.08.2016

Zurück zu Hause

Das Tor zur Jungle Junction in Nairobi öffnet sich und Alexander, der uns vom Flughafen abgeholt hat, fährt uns auf die Wiese direkt vor Benito. Eine Staubschicht liegt auf unserem Expeditionsmobil. Sonst sieht alles genau so aus, wie vor vier Monaten, als wir ihn verlassen haben. Die blaue Abdeckplane scheint unversehrt. Aber ist innen auch alles ok? Ist jemand eingebrochen oder alles verschimmelt?

Ein wenig hektisch lösen wir die Verschnürung und öffnen die Türe. Ich steige über den Reifen ein und freue mich:

>>Alles Bestens, es ist trocken und riecht gut. Niemand war drinnen. Sieht genauso aus, wie wir ihn verlassen haben.<<

Auch Silvia freut sich:

>>Jetzt kann man wirklich sagen, dass unsere Rückkehr perfekt verlaufen ist. Alles hat gepasst. Jetzt kann es losgehen, hinunter ins südliche Afrika<<

Wir sind zurück zu Hause. Oder haben wir gerade das Zuhause zurückgelassen? Eigentlich beides. Jedenfalls erfolgt die Umstellung auf das andere Zuhause mittlerweile ziemlich schnell.


Ist innen auch alles ok?

Am Unimog von Mathias muss noch geschweißt werden

Diesmal wollen wir ja von Kenia aus bis nach Namibia reisen und uns dafür ungefähr ein halbes Jahr Zeit lassen. Doch bevor es richtig losgehen kann, müssen wir noch einige Vorbereitungen und kleine Reparaturen erledigen. Ein wenig länger als geplant, dauert es den gebrochenen Rahmen von Mathias Unimog zu schweißen. Zur Erinnerung: Mit dem Tegernseer Mathias sind wir längere Zeit auf unserer Ostafrikarunde unterwegs gewesen. Es ist der Typ der zu den Schimpansen hochgeklettert ist und auf den Gorilla-Silberrücken in dessen Nest gewartet hat. Ein wenig verrückt eben, doch wir freuen uns, dass wir wieder ein Stück gemeinsam fahren werden.

Nach einer Woche ist alles erledigt und zusammen mit Mathias verlassen wir nun wohl endgültig Nairobi.

Zu Gast bei den Maasai

Nach der langen Pause freut sich Benito wieder Asphalt unter seinen Rädern zu haben. Klaglos ist er angesprungen und rollt nun mit uns in Richtung Kilimanjaro zum Amboseli Nationalpark. Es ist karg und trocken mit Akazienbüschen, die Temperaturen liegen im angenehmen Bereich. Erfreulicherweise ist es hier dünn besiedelt, nur Maasai hüten ihre Rinderherden. Das letzte Stück zum Amboseli-Park ist eine wenig befahrene Wellblechpiste. Wir sichten erste Antilopen und schlagen kurz vor der Parkgrenze ein Bushcamp auf.

>>Toll, das ist Afrika, so wie ich es liebe!<<

Grillen zirpen, auf dem Grill brutzeln saftige Steaks, in der Ferne wiehern Zebras, eine Hyäne ist zu hören. Sonst ist es still. Kein künstliches Licht weit und breit, nur die Milchtrasse über dem afrikanischen Himmel sorgt für diffuses Licht.


Raus aus Nairobi

Bushcamp beim Amboseli Nationalpark

Elefanten in malerischer Kulisse vor dem Kilimanjaro. Jeder Ostafrikareisende kennt diese Bilder, die alle im Amboseli Nationalpark aufgenommen wurden. Wir erleben den Park erst mal anders: Der Kilimanjaro ist in Wolken gehüllt und statt Elefanten sehen wir massenweise Rinder, die von den Massai illegal in den Park getrieben werden. Die Sorge um die Wildtiere Afrikas vermiest uns erst mal den Aufenthalt. Die Ranger sind untätig und zucken mit der Schulter:

>>Der Park ist eben nicht eingezäunt.<<


Die Maasai treiben völlig unbehelligt…

… riesige Viehherden in den Park

Auch der Campingplatz entspricht so gar nicht unseren Erwartungen, er ist einfach lieblos an den Rand des Parks gequetscht. Beim Nachmittags-Gamedrive, im Kerngebiet des Parks, beobachten wir Elefanten, Büffel, Giraffen und Zebras. Sie halten sich an den Seen mit den Sumpfgürteln auf, wo sie reichlich Wasser und Nahrung finden. Nun sind wir doch ein wenig versöhnt. Mit all den Tierbeobachtungen haben wir die Zeit vergessen und müssen uns nun beeilen, das Camp rechtzeitig zu erreichen, denn nach Sonnenuntergang darf sich niemand mehr im Park sein. Dennoch halten wir bei drei aufgeregt winkenden Maasai, von denen einer englisch spricht:

>>Sucht ihr eine Campingmöglichkeit? Ihr könnt bei uns im Dorf übernachten. Das liegt außerhalb des Parks und ihr lernt so auch noch die Maasaikultur kennen!<<

Angesichts des hässlichen, offiziellen Campingplatzes fällt uns die Entscheidung nicht schwer. Wir verhandeln einen Preis und parken kurze Zeit später neben dem Dorf, das von einem Dornenwall umgeben ist. Eigentlich hätten WIR Geld für unser Bleiben verlangen müssen, denn unsere Wohnmobile sind die Attraktion. Ungeniert benutzt man unsere Stühle und holt alle weiteren verfügbaren Sitzgelegenheiten, um uns bequem betrachten zu können. Die Maasai sind fasziniert von unserem Gaskocher. Sie staunen, dass wir Wasser und sogar eine Toilette in unseren rollenden Hütten haben. Im Gegenzug können wir ungestört beobachten und fotografieren, wie das Vieh in die Boma getrieben wird. Frauen holen Wasser und die Kinder spielen oder winken uns zu. Die letzten Sonnenstrahlen scheinen fahl durch den von den Rindern aufgewirbelten Staub und sorgen so für eine unvergessliche Stimmung. Sogar der Kilimandscharo mit seinen Schneekappen zeigt sich hinter dem Dorf. Ein paar der Maasai sprechen englisch und so ergibt sich ein überaus interessanter Abend. Bei heißer, gezuckerter Maasaimilch erzählen wir uns gegenseitig von unserem Alltag, der so völlig unterschiedlich ist.


Stellplatz bei der Maasai Boma

Eigentlich hätten WIR Eintritt verlangen sollen

Ganz früh am nächsten Morgen, noch bevor der Rinder wieder auf die (illegalen) Weiden getrieben werden, verlassen wir das Maasaidorf. Das war schon ein besonderes Erlebnis. Zum Frühstück sind wir wieder zurück im Park. Während wir das Marmeladenbrot schmieren, können wir aus nächster Nähe eine Elefantenherde beobachten. Ein Ambiente, das nicht mal eine Luxuslodge bieten kann! Ein mächtiger Elefantenbulle kommt direkt auf uns zu. Silvia hält die Kaffeetassen fest, während ich ins Führerhaus springe und den Motor starte. Im letzten Moment überlegt es sich der Bulle doch noch anders und wendet sich einem Kleinbus zu. Der tritt auch gleich den Rückzug an, wird aber noch ein lange vom Elefanten verfolgt.


Morgenstimmung im Amboseli Park

Beobachtung beim Frühstück

Um den Kilimandscharo

Rund um den Kilimandscharo gibt es reichlich Wasser, der Boden ist fruchtbar. Der Berg selbst hüllt seinen Gipfel in dicke Wolken. Auf einer kleinen Holperpiste fahren wir durch dicht besiedeltes Agrarland in Richtung tansanischer Grenze. Der angepeilte Übernachtungsplatz am Lake Chala ist für uns nicht zugänglich, da der Pfad dorthin zu felsig und steil für unsere Fahrzeuge ist. Deshalb entschließen wir uns, statt dessen zum Lake Jipe an die Grenze des Tsavo Nationalparks zu fahren. Eine Entscheidung, die wir nicht bereuen werden. Schon der Weg dorthin, vorbei an mächtigen Baobabbäumen, ist ein Erlebnis. Die Piste endet an einer kleine Lodge mit Campingmöglichkeit. Die Lage am See und Nationalpark ist genial. Und keine Touris weit und breit.

>>Karibu<<

Herzlich werden wir empfangen und parken auf der Wiese ein. Wir sehen viele Tiere, vor allem Elefanten. In der Lodge bleiben wir die einzigen Gäste, trotzdem wird abends ein Lagerfeuer entzündet. In der Ferne ist das Brüllen eines Löwen zu hören. Moses, der Maasai, erzählt stolz, schon einen Löwen mit seinem Speer getötet zu haben. Ein Ritual, welches den Maasai, unabhängig vom Vermögen, den Zugang zu Frauen garantiert. Ob er denn Angst gehabt hätte, frage ich Moses.

>>No, no a lion is nothing for a Maasai.<<

Er gibt aber zu, dass es mittlerweile schwierig ist, einen Löwen zu erlegen. Die sind selten geworden und auch die Ranger machen immer mehr Probleme.


Ein schönes Motiv am Lake Jipe:

Der Glanzstar

Der Grenzübertritt von Kenia nach Tanzania bei Taveta ist problemlos. Bei der letzten Einreise nach Tanzania hatten wir vergeblich dafür gekämpft, eine offizielle Importerlaubnis für unser Fahrzeug für mehr als zwei Wochen zu erhalten. Diesmal dürften wir mit dem Fahrzeug über ein Jahr bleiben. Deutlich billiger ist es nun auch. Die findige Dame hat uns einfach als „Mobile Equipment“ und nicht als „Truck“ eingestuft.

Unser erstes Ziel in Tanzania ist die Kleinstadt Moshi. Hier dreht sich alles um den Kilimandscharo Tourismus. Bergsteiger aus aller Welt starten von hier die Besteigung des 5895 m hohen Gipfels. Die humpelnden Touristengruppen sind schon oben gewesen, die blassen haben den mehrtägigen Anstieg noch vor sich. Wir kaufen in Moshi im Supermarkt Lebensmittel ein. Viel interessanter und deutlich billiger ist aber der lebhafte Einheimischen-Markt.


Lebendig und günstig:

Der Markt in Moshi

Auf der Suche nach dem Usambaraveilchen

Zwischen Moshi und dem Indischen Ozean liegen die Usambara Berge. Die Heimat das Usamabara-Veilchens? Ob dies wirklich zutrifft, das wollen wir während der nächsten Tage rausfinden. Für die Anreise wählen wir nicht den direkten Weg über die Teerstrasse, sondern den auf einer kleinen Piste, die am unbekannten Mkomazi Nationalpark vorbeiführt. Wir rütteln nochmals durch trockene, rote Savannenlandschaft mit schönen Baobab Bäumen und stolzen Maasai. Auf der engen Piste schrabben wir an den spitzen Dornen der Akazienbäume entlang. Viele neue und tiefe Kratzer im Lack und an den Fenstern sind die Folge, aber das ist eben Afrika.


Rote Erde mit Baobab

Vor uns die Usambara Berge

In einem Dorf fragt uns der Lehrer, wo wir denn hin wollen. Wir deuten hinauf auf die steilen Felswände der Usambara Berge.

>>Oh, ihr kennt eine Abkürzung? Ich wusste gar nicht, dass man von hier auf die Berge hochfahren kann. Aber ihr könnt es ja mal versuchen.<<

Das macht uns doch ein wenig unsicher. Wir lassen die erste Piste nach oben rechts liegen und der zweite Aufstieg in die Berge erweist sich dann als weit weniger schwierig als gedacht. Auf relativ guter Piste schrauben wir uns höher und blicken hinunter auf die Savanne, in der wir heute Nacht gecampt haben. Oben auf 1800m erwarteten uns kühle Temperaturen und eine fruchtbare Landschaft mit ursprünglichen Dörfern und freundlich winkenden Kindern. Bei der Mambo-View-Inn führt man uns zu einem Stellplatz mit atemberaubender Aussicht. Die Felswände stürzen unter uns senkrecht hinunter. Das Problem: Es ziehen nun Wolken und dicke Nebelschwaden auf, die den Blick auf wenige Meter beschränken. Es wird ohne Sonne bitterkalt, so dass wir unsere dicken Jacken heraus kramen und am Abend nah an das wärmende Kaminfeuer in der Inn rücken.


Grandiose Aussicht aber…

… leider oft viel Nebel

Dieses wolkige Wetter hält auch während der nächsten Tage an, trotzdem unternehmen wir spannende Spaziergänge über Felder und Dörfer. Die Bewohner sind auffallend freundlich und zurückhaltend. Stets halten wir Ausschau nach dem Usambaraveilchen, bisher jedoch vergeblich.


Kleine Orte mit freundlichen Bewohnern

Beim Fußball muss die Neigung berechnet werden

Unsere nächste Station in den Usambara Bergen ist die Irente Farm. Auf den ersten Blick sieht es aus wie auf einer deutschen Alm. Kühe weiden auf saftigen Wiesen, Bienenstöcke stehen am Waldrand, Holzhäuser dienen als Lager und Ställe, Käse wird verkauft. Neben der Landwirtschaft dient mittlerweile der Tourismus als wichtigste Einnahmequelle. Auch wir genießen die Gastfreundschaft der deutschen Besitzerin, die abends ein tolles Menü im Farmhaus auftischt. So richtig im Kolonialstil. Die Farm liegt inmitten eines Biosphärenreservats mit großem Artenreichtum. Das sollte doch die Chancen auf eine Usambaraveilchensichtung erhöhen! Auf einem schönen Spaziergang sehen wir viele Blumen, aber keinen Hinweis auf das Veilchen. Wegen des erneut schlechten Wetters entscheiden wir uns schweren Herzens, die Suche abzubrechen.


Große Artenvielfalt …

… mit vielen Blumen, aber keine Usambaraveilchen

Hängematte oder doch Liegestuhl?

Diese Zeilen entstehen an der Peponi-Beach am Indischen Ozean. Ein herrlicher Ort zum Entspannen. Auf dem kleinen Campingplatz stehen wir direkt am Strand, inmitten von Kokospalmen und Baobab Bäumen. Von der Hängematte aus können wir die Segeldaus der Fischer beobachten. Einer der Fischer kommt jeden Tag und versorgt uns mit frischen Kalamari und sonstigen Fischen. Das Leben kann so einfach sein. Mal schauen, wann wir hier wieder loskommen.


Ein schöner Ort zum Entspannen:

Peponi Beach

Mehr...

Zu diesem Bericht gibt es »Bilder

Route, Länder, Karte zur Etappe »Ins südliche Afrika

Reiseberichte zur Etappe: Ins südliche Afrika


26.07.2016 - 21.08.2016
Von Kenia nach Tanzania


Wir kehren zurück nach Hause zu unserem Wohnmobil. Zu Gast bei den Maasai. Auf kleinen Straßen entlang des Kilimandscharo. Auf der Suche nach dem Usambaraveilchen. Peponi Beach: Hängematte oder doch Liegestuhl?


23.08.2016 - 06.09.2016
Tanzanias Küste


Mit der Dhau nach Sansibar. Südwärts entlang der Küste. Das Abschlachten der Elefanten. Nur bei Springflut geht’s nach Mosambik.


07.09.2016 - 29.09.2016
Mosambik


Dieseltank gegen Termitenhügel. Von der Polizei bestohlen. Dorfcamping. In der Wildnis des Niassa Reservats. Trubel am Malawisee. Eine Überraschung zum Abschied.


29.09.2016 - 01.11.2015
Von Malawi nach Sambia


Malawi: Tse Tse Fliegen bei 40 Grad. Holztransporte auf zwei Rädern. Urlaub im ‚Fat Monkeys‘.
Sambia: Trauernde Elefanten im South Luangwa. Die erste Reifenpanne. Das Treffen der Flughunde.


03.11.2016 - 22.11.2106
Von Sambia nach Namibia


Werkstattbesuch in Lusaka. Benitos Grenzen an der Leopard Hill Road. Mehrtägige Kanutour auf dem Sambesi. Die ausgetrockneten Victoriafälle. Elefantentreffen in Namibia.


28.11.2016 - 29.12.2016
Namibias Norden


Bei den Buschmännern. Goodbye und Hello im Etoscha. Löwenattacke auf Silvia. Im Land der Himbas. Auf der Suche nach den Wüstenelefanten. Etappenfinale in Namibia.