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Nairobi bis Samburuland

09.12.2015 - 26.12.2015

Start der Etappe Ostafrikarunde

Das Offroad-Abenteuer beginnt in der Jungle Junction in Nairobi. Heftiger Regen hat den Abstellplatz von Chris so aufgeweicht, dass wir nicht mehr vom Fleck kommen. Ein Landrover zieht uns auf den befestigten Weg. Etwas peinlich. Doch die gleiche Schande widerfuhr gestern auch einem Unimog mit fetten Stollenreifen. Die Regenfälle machen uns Sorgen. Die kleine Regenzeit sollte eigentlich zu Ende sein. Doch die Leute sagen, heuer könnte ein El Ninjo Jahr sein und da sei alles anders? Das wäre schlecht für uns, denn viele der Pisten in Kenia und Uganda sind dann kaum befahrbar.

Bei unserer Ankunft am Nairobi International Airport vor ein paar Tagen, da hatten wir noch sonniges, sommerliches Wetter. Wir freuten uns dem grauen Nieselwetter in Deutschland entkommen zu sein. Unser Expeditionsmobil „Benito“ fanden wir in einem guten Zustand vor.

>>Super, alles passt. Jetzt kann die Etappe Ostafrikarunde beginnen!<<


Gerade angekommen

Vor dem Regen

Da wir besseres Wetter abwarten wollen, bleiben wir länger als geplant bei Chris in Nairobi. Langweilig wird es uns nicht, denn es sind viele Traveller da, so dass wir eifrig Reisetipps austauschen. Jeden Abend sitzen wir in größerer Runde zusammen. Bei „Tusker“ Bier werden alte und künftige Afrikaabenteuer diskutiert.

Ein Erlebnis ist der Besuch des Elefantenwaisenhauses, das dem Nairobi Nationalpark angeschlossen ist. Hier werden die jungen Elefanten aus ganz Kenia aufgezogen, denen ihre Mütter abhanden gekommen sind. Meist passiert das durch Wilderei. Zusammen mit etwa fünfzig anderen Besuchern erleben wir, wie diese drolligen Jungwaisen ihr Mittagessen mit der Flasche gereicht bekommen. Ein Ranger erzählt zu jedem Tier seine Geschichte, die oft traurig ist. Einige Elefanten haben immer noch schwere Verletzungen von den Schlingen der Wilderer. Die Waisen bleiben einige Jahre hier und werden auf ihre Wiederauswilderung vorbereitet.


Die Elefantenwaisen …

… von Nairobi

Ins Samburu Land

Nach über einer Woche in Nairobi quälen wir uns nun durch Staus aus der Großstadt. Nach ein paar Stunden ist es geschafft, die Besiedlung wird dünner und wir rollen ungehindert durch grünes Agrarland nördlich in Richtung Mt. Kenia. Der zweithöchste Berg Afrikas hüllt sich in dicke Wolken, aus denen es heftig zu regnen beginnt. Wir steuern eine Lodge an, in deren Garten wir bleiben. Das Wohnmobil verlassen wir wegen des Dauerregens nicht. Am nächsten Morgen überrascht uns strahlend blauer Himmel. Wir frühstücken draußen auf unseren Campingstühlen mit Blick auf die zackigen Gipfel des Mt. Kenia.


Raus aus Nairobi

Mt. Kenia

Wir fahren weiter nördlich in das Gebiet der Samburu, eines Stamms, der eng mit den Massai verwandt ist. In der hügeligen Landschaft dominieren nun Steppe und Akazienbäume. Am Straßenrand winken traditionell gekleidete Hirten. Unser Ziel ist das Samburu National Reserve, in dem wir ein paar Tage bleiben wollen. Am Gate blättern wir erst mal 400 Dollar für zwei Tage mit Camping hin. Happig! Doch dann haben wir den wenig besuchten Park beinahe für uns alleine. Auf den sandigen Pisten stoppen wir immer wieder, um Antilopen oder Warzenschweine zu beobachten. Durch die vielen Regenfälle ist der Park grün und einige der kleinen Pisten, vor allem in Flussnähe, verschlammt. Der Fluss, der Lebensader des Parks, führt viel schlammig braunes Wasser. An seinem Ufer rasten wir, trinken Kaffee und machen in der Ferne einige Elefanten aus. Plötzlich tauchen zwei Männer auf, die sich als Fahrer und Tourist aus Europa vorstellen:

>>Wir sind in einem Schlammloch festgefahren, könnt ihr uns bitte helfen? Wir sehen euch schon länger, nur hatten wir Angst, ihr beobachtet hier Löwen.<<

>>Nein, nein wir trinken nur Kaffee. Klar helfen wir euch!<<

Wir erinnern uns an dieses Schlammloch und folgen den beiden. Mit unserem Bergegurt ziehen wir den Toyota Landcruiser (ja, ja, angeblich ist was kaputt dran) aus der misslichen Situation.

Bei schönstem Licht können wir gegen Abend zahlreiche Elefanten beobachten.

>>Diese Erlebnisse wiegen den teuren Eintritt ganz klar auf!<<


Das sind Preise!

Die ersten Elefanten

Nach einigem Suchen finden wir das nicht eingezäunte Camp am Flussufer. Wir stehen unter riesigen Akazien. Zwei Wächter heißen uns willkommen und bringen uns Feuerholz. Als es dämmert, bruzzeln unsere Lammkoteletts auf der Glut. Bei einem Drink lauschen wir den Geräuschen des Buschs (leider sind keine Löwen zu hören) und freuen uns einfach, hier in dieser Wildnis sein zu dürfen.

Am nächsten Morgen verlassen wir schon in der Morgendämmerung unser Camp und fahren über den Fluss, wo wir eine Herde Impalas direkt neben der Straße entdecken. Wir halten an, bereiten hinten in der Kabine unser Frühstück zu und beobachten die friedlich grasende Herde und eine Gruppe vorbeiziehender Paviane. Schöner könnte es in keiner Luxuslodge sein!


Impala am Frühstücksplatz

Campingplatz unter Akazien

Beim anschließenden Gamedrive wären wir beinahe selbst nicht mehr aus einem Sumpfloch am Fluss gekommen. Mit allen Sperren befreien wir uns aber doch noch. Am späten Vormittag wird es zu heiß, so dass wir in unser schattiges Camp zurückkehren. Dort steht bereits der Toyota von Sonja und Norbert. Diese beiden Deutschen (sie sind die Organisatoren des bekannten Willys Treffen) haben wir in Nairobi kennengelernt und ein Treffen hier im Park vereinbart. Wir werden die nächsten Tage gemeinsam unterwegs sein.

Nach einer weiteren Nacht auf unserem Campsite verlassen wir den Park über das Westgate. Hier ist es so einsam, dass uns nicht mal ein Ranger kontrolliert. Wir warten bis Sonja und Norbert kommen und suchen gemeinsam einen Platz zum Übernachten. Einfach irgendwo hinter ein paar Akazienbüschen. Viele Tierspuren, auch die von Elefanten, sind zu sehen. Und dieser schöne Platz ist kostenlos! Dachten wir zumindest.


Bushcamping

Die Samburus wollen Geld

Gerade als wir am folgenden Morgen aufbrechen wollen, erscheint eine Gruppe Samburu. Die teils traditionell gekleideten Leute grüßen uns erst freundlich und machen dann aber schnell klar, was sie wollen: Geld. Ein gebildeter Mann, der gut englisch spricht, fordert 10 Dollar von jedem von uns.

>>Warum soll es denn hier etwas kosten zu übernachten, wir sind doch außerhalb des Parks?<<

>>Weil dies unser Land ist!<<

>>Aber dies ist doch kein Privatgelände!<<

>>Nein, aber Samburuland.<<

Wir überlegen, was wir tun sollen. Einfach losfahren? Die Gefahr gewaltsam gestoppt zu werden, wäre zu groß. Also treten wir in Verhandlungen und erreichen eine deutliche Reduzierung des ursprünglichen Preises (10$ für alle). Der gebildete Samburu macht uns unmissverständlich klar, dass er Muzungus (=Weisse) wie uns nicht hier haben will:

>> Ich bin AUSSCHLIESSLICH an Eurem Geld interessiert.<<

Nach dieser unangenehmen Begegnung fahren wir auf der kleinen Piste weiter durch ursprüngliche, afrikanische Buschlandschaft. Immer wieder passieren wir kleine Dörfer mit Rundhütten. Auf den blühenden Wiesen grasen Rinder, Ziegen und Kamele. Wir wählen eine kleine Seitenpiste, auf der keinerlei Reifenspuren zu sehen sind. Nach einigen Kilometern wissen wir auch warum: die betonierte Furt durch einen Fluss ist weg gespült. Fließendes Wasser und tiefer Sand machen für uns eine Durchquerung unmöglich. Der Toyota hätte es vielleicht mit Hilfe seiner Winde geschafft, aber wir haben keine Chance. Also kehren wir um und erreichen so über die Hauptpiste die Straße nach Maralal. Die ist sehr holprig und steinig, führt aber weiterhin durch tolle Landschaften. Nur ab und zu begegnet uns ein Auto.


Wilde Landschaften …

… und kleine Dörfer

Maralal ist die Hauptstadt der Samburu Region und liegt auf einem landwirtschaftlich intensiv genutztem Hochplatau. Auf 2000m ist es recht kühl. Gerade nach der tollen Anfahrt hätten es wir es uns hier etwas ursprünglicher vorgestellt. Zweifel kommen auf, ob dies hier die richtige Gegend für unser Kameltrecking ist?

Weihnachten am Ende der Welt

Die Camel-Club Lodge ist unsere Basis in Maralal. In diesem netten Städtchen erledigen wir unsere Weihnachtseinkäufe. Bier und Lebensmittel (unter anderem 2kg schönes Rinderfilet). Am Heiligen Abend fahren wir zusammen mit Sonja und Norbert noch ein wenig weiter nördlich bis Malaso. Dort befindet sich ein kleiner kommunaler Campingplatz, „Worlds End“ genannt. Von hier aus hat man einen grandiosen Ausblick hinunter auf den afrikanischen Grabenbruch. Die erwartete Einsamkeit finden wir jedoch auch hier nicht. Statt dessen kommen immer mehr traditionell gekleidete Samburus, vor allem Frauen, zu Fuß und mit Kleinbussen an. Wir erfahren, dass heute eine Kundgebung bzw. Feier der Frauen-Community ist. Vor dieser prächtigen Landschaft singen und tanzen die Frauen und haben auch nichts dagegen gefilmt zu werden. Silvia wird aufgefordert mit zu tanzen. Schließlich müssen wir alle vor die Gruppe treten und kurz erklären, wer wir sind. Danach gibt es ein Essen für alle, zu dem auch wir eingeladen sind.


Tanz der Samburu Frauen

Blick in den Grabenbruch

Nachmittags löst sich dann die Gemeinschaft auf. So, nun sollten wir langsam in eine besinnliche, weihnachtliche Stimmung kommen. Wegen eines starken, kalten Windes schlagen wir unser Lager neben einer Art Unterstand auf, in dessen Windschatten wir ein Lagerfeuer entzünden. Wir fordern die verbliebenen Leute auf, uns nun alleine zu lassen. Norbert kocht das Menü, das wir zu weihnachtlicher Musik verzehren. Neben uns sitzt der Wächter mit seinem Gewehr, der natürlich auch etwas von allem abkriegt. Früher als geplant beenden wir die Feier, da es empfindlich kalt wird und der Wind immer heftiger bläst.


Heiliger Abend …

… Feier mit Sonja und Norbert

Nach einer kleinen Wanderung entlang der Abbruchkante verlassen wir am 1. Weihnachtsfeiertag das Ende der Welt. Es wird unfreundlich und aus den dicken Wolken beginnt es zu regnen. Binnen weniger Minuten wird die kleine Lehmpiste glitschig. Benito driftet und droht in den Straßengraben zu rutschen. Nur mit ganz sanften Gasgeben kriege ich ihn wieder in die Spur. Die Reifen sind dick mit Lehm bedeckt. Norbert hat im Toyota ähnliche Probleme. Mit Allrad und im Schritttempo fahren wir extrem vorsichtig weiter, bis wir auf eine griffigere Piste erreichen. Nun kommt auch die Sonne wieder zum Vorschein und schon bald können wir wieder normal fahren.

Die Maralal Safari Lodge ist zwar im Moment geschlossen, doch für eine kleine „Camping Fee“ bei den Rangern können wir auf dem weitläufigen Platz bleiben. In dem kleinen Naturschutzgebiet leben Antilopen, Zebras und Warzenschweine. Die lassen sich aus nächster Nähe beobachten und kommen sogar auf den Campingplatz. Hier können wir dann Weihnachten doch noch ruhig ausklingen lassen.


Maralal Safari Lodge…

… die Zebras kommen auf den Campingplatz

 

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