Oman rund um Muskat

04.01.2015 - 18.01.2015

Warten auf die Visa

Unsere Reise ist in einer entscheidenden Phase. Nur wenn wir die Sudan- und Saudi-Arabien Visa bekommen, können wir weiter nach Afrika. Wenn nicht, dann befinden wir uns in einer Sackgasse und müssen Benito teuer und mit einigem Risiko verschiffen oder nach Deutschland zurückfahren. Das Sudan Visum haben wir in Deutschland mit dem zweiten Reisepass beantragt. Seit Wochen warten wir darauf, dass es endlich ausgestellt wird (wir haben schon mehrfach gehört: heute wird es bearbeitet) und wir es in der DHL-Niederlassung in Muscat in Empfang nehmen können. Eine nervige Situation, die auch bedeutet, dass wir uns nicht allzu weit von der Hauptstadt Omans entfernen können. Glücklicherweise gibt dort viel zu sehen und zu erleben:

Etwa 200 km südlich von Muscat liegt das Städtchen Sur. Flair strahlt es, wie fast alle omanischen Orte, eher nicht aus. Die neuen Häuser sind im Einheits-Betonstil gebaut, große Moscheen und überdimensionierte Straßen wirken eher protzig. Dazwischen liegen die einfachen Wohnviertel der Inder, Pakistani und Bangladeschi (die als schlecht bezahlte Gastarbeiter hier sind).

Am Ufer der fjordartigen Bucht werden noch immer Dhaus  aus Holz mit traditionellen Methoden gebaut. In einer der Werften befindet sich gerade eins der Schiffe im Rohbau. Wir können auf das Gelände und beobachten, wie eifrig gesägt, gebohrt und gehämmert wird. Sogar die großen Nägel werden in Handarbeit hergestellt. Man sieht, wie fast überall im Oman, überwiegend Inder und Bangladeschi beim Arbeiten. Lediglich der Souvenirverkäufer im blütenweißen Gewand (die Werften sind ein Pflichtstopp bei jeder Omanrundreise) ist ein Omani.


Beim Bau einer Dhau …

… ist immer noch viel Handarbeit angesagt

Um den Übernachtungsplatz in Sur kümmert sich diesmal ein Taxifahrer, der uns anspricht. Er nennt uns eine Stelle am Strand bei einem Hotel, wo wir gut stehen können. Der Platz ist nicht schlecht. Am Abend überzeugt sich der nette Mann dann persönlich, ob wir seinem Rat gefolgt sind. Er besteht darauf, dass wir noch ein paar Meter weiter fahren, weil es da noch ruhiger wäre. Widerstand ist zwecklos. Auch wenn es uns der Platz neben einer Mauer und an einer Baustelle nicht so gefällt, wir parken ihm zuliebe um. Gleich am nächsten Morgen ist er wieder da und vergewissert sich, ob wir auch wirklich eine ruhige Nacht gehabt haben.

Die nächsten beiden Nächte verbringen wir aber dann doch lieber am Meer etwas weiter nördlich. Hier parken wir einsam am weißen Sandstrand. Da treffen fast zeitgleich zwei SMS ein:
Nr. 1: Berit und Andreas (MB 710, Silvester) sind heute abend im Wadi Suwayh, nur wenige KM von hier.
Nr. 2: Marianne und Uli (Iveco, erstmals im Iran getroffen) sind gerade in Muscat eingetroffen und stehen dort in einer schönen Bucht.
Außerdem stehen wir in Mailkontakt mit den Schweizern Susann und Hans-Peter, die Richtung Muscat unterwegs sind.
Just in diesem Moment rollt neben uns ein Pickup mit deutschem Kennzeichen und Aufsetzkabine an den Strand. Isabella und Peter, die wir schon seit unserer Panamericana-Tour kennen, haben nur wenige Kilometer weiter nördlich übernachtet. Unglaublich, da ist man wochenlang alleine und nun das! Ok, jetzt müssen wir ganz systematisch vorgehen.

Erst mal ratschen wir natürlich mit Isabella und Peter. Wir tauschen Reisetipps aus, dann trennen sich unsere Wege auch schon wieder, da wir in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind.


Peter und Isabella im ‚Pimobil‘

Beim Wandern mit Berit und Andreas

Später treffen wir dann Andreas und Berit im Wadi Suwayh. Wieder wird es ein schöner Abend mit Lagerfeuer und (fast) Vollmond. Am nächsten Tag wandern wir gemeinsam das Tal entlang bis zu natürlichen Pools, in deren klaren, frischen Wasser man herrlich baden kann. Gerne wären wir noch länger geblieben, doch schon steht der nächste „Termin“ an:

In Al Boustane bei Muscat warten Marianne und Uli auf uns. Einen Abend lang erzählen wir uns die neuesten Reiseerlebnisse. Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam im Iveco zur Stadtbesichtigung: Yachthafen, pittoreskes Fischerdörfchen, Präsidentenpalast, Weihrauchmonument. Omans Hauptstadt Muscat gefällt uns, sie strahlt sogar ein wenig Flair aus. Als wir zum Parkplatz zurückkommen, steht noch ein weiteres Fernreisefahrzeug da. Es sind die Schweizer Susann und Hans-Peter (Landrover, mehrere Treffen im Iran). Wir feiern das Wiedersehen, natürlich unter den neugierigen Blicken der einheimischen Besucher.


Treffen in Muscat mit …

… (v.l. n.r.) Uli, Marianne, Susann, Hans-Peter

Zu sechst bleiben wir zwei Tage zusammen und ziehen auf einen Parkplatz am Strand im Stadtteil Quorum um. Der ist nun eine gute Ausgangsbasis für die Besichtigung weiterer Sehenswürdigkeiten, wie den Souk und den prächtigen Opernbau. Vor allem eignet er sich bestens zum gemütlichen Zusammensitzen.


Muscat: Basar …

… und Opernbau

Bei so viel Geselligkeit vergeht unsere Wartezeit wie im Fluge. Und morgen, da sollen unsere Reisepässe mit dem Sudanvisum per DHL eintreffen. Beim Abschied wünschen uns die anderen viel Glück mit dem Saudi-Arabien Visum und das werden wir auch gebrauchen…

Enttäuschung und neue Reisepläne

Silvia kommt aus der DHL-Niederlassung beim Muscat International Airport und winkt mit den gerade angekommenen „zweiten“ Reisepässen.

>>Die Visa sind drin. Wir haben drei Wochen Zeit, um in den Sudan einzureisen und können vier Wochen bleiben!<<

Unsere Stimmung ist gut, endlich sind die Pässe da, auf die wir so lange warten mussten! Immer wieder wurden wir von der Sudanesischen Botschaft in Deutschland vertröstet. Es ist früher Vormittag, also noch Zeit genug, um die Botschaft von Saudi Arabien aufzusuchen. Bereits bei unserem ersten Muscataufenthalt  vor einigen Wochen haben wir bei der  Reiseagentur Nafco angefragt, welche die komplette saudische Visabwicklung übernimmt. Dort hat man uns empfohlen, zunächst eine Art Bittschreiben zu verfassen und mit diesem zur Saudi-Botschaft zu gehen.

>>Sagt unbedingt, ihr wollt den Konsul persönlich sprechen. Wenn der Euch das Schreiben unterzeichnet, dann können wir das Visum in einem Tag für Euch besorgen. Insha’Allah.<<

Die Spannung ist nun groß, denn vielleicht entscheidet es sich in wenigen Minuten, ob wir weiter nach Afrika reisen können. Wir parken Benito vor der Botschaft, ziehen uns die besten Klamotten an, Silvia legt ihr Kopftuch an und marschieren dann mit unserem Schreiben zum Eingang. Ich winke beim Pförtner mit dem „Letter of Approval“ und bitte darum den Konsul sprechen zu dürfen. Der Pförtner berät sich mit Kollegen, telefoniert und wendet sich dann uns zu.

>>Nein, ihr dürft nicht eintreten. Für Visas ist nur die Agentur zuständig<<

Auf mein beharrliches Nachfragen kommt immerhin ein Mann aus der Botschaft und gibt mir gelangweilt die Hand. Er (anscheinend ein Omani) nimmt meinen Ausweis und das Schreiben und verschwindet wieder. Der Pförtner gebietet mir, draußen zu warten. Nach einer Weile kommt der Mann zurück und schüttelt mit dem Kopf. Er spricht kein Englisch, doch er telefoniert mit seinem Bruder, der übersetzt uns, was wir vermutet haben:

>>Ihr könnt den Konsul nicht sprechen<<

Die Konversation am Telefon ist schwierig. Ich frage den Bruder, was wir noch tun können und er empfiehlt zum Seiteneingang zu gehen. Vielleicht kann man dort was machen. Also gleich dort hin, wo ich einem weiteren (immerhin freundlichen) Pförtner unser Anliegen erkläre. Der telefoniert und schickt uns zum Haupteingang zurück. Dort lehnt man uns natürlich wieder ab und sagt, wir sollen Kontakt zur Agentur aufzunehmen. Unsere große Hoffnung der letzten Wochen platzt in diesen Minuten. Es wird uns wohl nicht gelingen, den Botschafter zu sprechen. Eigentlich hätten wir es ja ahnen können. Wir fahren zur Agentur, wo man uns gleich wiedererkennt und wir erzählen, dass es uns nicht gelungen ist, den Konsul zu sprechen. Man zuckt mit der Schulter und meint, man kann die Visa auch ohne „Letter of Approval“ beantragen. Kostet ja umgerechnet nur 20€ im Ablehnungsfall. Ein weiterer Versuch den Botschafter zu sprechen, würde wenig Sinn machen.

Wir lassen unsere Unterlagen in der Agentur und erfahren am nächsten Tag, was wir schon geahnt haben: Unsere Anträge wurden mit der Begründung „Transitvisa können nur in den Emiraten ausgestellt werden“ abgelehnt. Von anderen Reisenden wissen wir aber, dass es dort nahezu unmöglich geworden ist, ein Visum zu bekommen. Die einzige Chance sei die Botschaft in Muscat. Der Agent sieht unsere Enttäuschung und sagt, dass er uns zuliebe noch einmal kostenlos versuchen will, die Visa zu bekommen. Innerlich haben wir eigentlich schon aufgegeben, trotzdem wollen wir diese kleine Chance nicht vergeben. Da nun aber Wochenende ist, heißt es drei Tage warten.

Diese Zeit nutzen wir, um eine wirklich schöne Runde in den Bergen unweit von Muscat zu fahren. Die friedlichen, ruhigen Wadis helfen, unsere Enttäuschung zu überwinden.


Entspannung und neue Ideen …

… in idyllischen Wadis

Wir entscheiden, dass wir nicht weiter versuchen wollen, das Visum zu bekommen. Die Chancen es in Abu Dhabi zu kriegen sind zu gering, das Sudanvisum läuft nicht so lange und die Zeit für die restliche Reise wird knapp, da wir vor der Regenzeit im März in Kenia sein sollten. Am Lagerfeuer besprechen wir die Alternativen und kommen zu dem Ergebnis, dass es für uns am Besten ist, über den Iran in die Türkei zurück zu fahren. Ob wir dann weiter nach Deutschland fahren oder Benito in der Türkei abstellen, das wird sich noch ergeben. Den Sommer werden wir jedenfalls wie geplant in Deutschland verbringen. Doch eins ist klar: In diesem Jahr wollen wir afrikanischen Boden betreten!!!.

Als uns dann der Agent drei Tage später am Telefon mitteilt

>>Abgelehnt<<

ist die Enttäuschung längst verflogen. Wir freuen uns nun auf die Rückreise und werden Afrika eben auf andere Weise erreichen.

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