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Vom Sudan nach Äthiopien

08.04.2015 - 27.04.2015

Rückflug in den Sudan

Kairo: Vor ein paar Stunden haben wir in München bei frühlingshaftem Wetter einen Flieger von Egypt-Air bestiegen, der uns wieder zurück nach Afrika gebracht hat. Einige Stunden müssen wir nun auf den Anschlussflug nach Khartoum warten. Durch einen schweren Krankheitsfall in der Familie mussten wir ja die Reise wieder mal unterbrechen, unser Reisefahrzeug Benito in Khartoum abstellen. Doch jetzt ist alles wieder geregelt, nun kann es mit geänderten Reiseplänen weitergehen: Wenn es die Hitze erlaubt, wollen wir noch ein paar Tage im Sudan bleiben und dann ins kühlere Hochland von Äthiopien weiterfahren. Hier können wir uns dann richtig Zeit lassen, da wir etwa zwei Monate für dieses Land eingeplant haben. Erst wenn weiter im Süden die Regenzeit nachlässt, wollen wir nach Kenia weiterreisen. Dort suchen wir dann einen sicheren Abstellplatz, um für mehrere Monate nach Deutschland zurückzukehren.

So, das Gate für unseren Flieger nach Khartoum öffnet nun. Wir können boarden. Zwei mal werden wir vom Flughafenpersonal gefragt, ob wir denn wirklich in den Sudan wollen. Für uns als offensichtliche Touristen ist dieses Ziel doch eher ungewöhnlich.

Am Airport in Khartoum holt uns der Fahrer des German-Guesthouse um vier Uhr morgens ab. Warm ist es hier, jedoch nicht ganz so heiß wie befürchtet. Nach nur wenigen Minuten Fahrt durch die noch schlafende Großstadt sind wir im Hotel angekommen und können noch ein paar Stunden aufs Ohr legen.

Khartoum

Nach einem schnellen Frühstück hält uns nichts mehr im Guesthouse, jetzt wollen wir wissen, wie Benito unsere Abwesenheit überstanden hat. Mit einem Tuk-Tuk fahren wir zur Firma von Obai, mit dem wir jetzt um zehn Uhr ein Treffen vereinbart haben. Obai ist zwar nicht da, doch seine Angestellten lassen uns in den Hof. Verstaubt und sandig, aber unversehrt steht unser rollendes Zuhause vor uns. Auch innen ist alles ok. Nur die Kunststoff-Beschichtung einiger Holzplatten hat in der unglaublich trockenen und heißen Luft einige Risse bekommen. Mit dem Ersatzschlüssel starten wir Benito und parken vor dem German Guesthouse, wo wir gleich mit der Wiederinbetriebnahme beginnen.

Khartoum wir gerade von einer Kältewelle heimgesucht. Die Höchsttemperaturen steigen auf  ’nur‘ 36°. Ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit. Dies bedeutet, wir müssen nicht gleich vor der Hitze flüchten, sondern können uns die Stadt ein wenig ansehen. In der Hauptstadt des Sudan gibt es kaum Sehenswürdigkeiten, keine historische Innenstadt, keine Prachtbauten. Auf Touristen ist man nicht vorbereitet. Durch die asphaltierten Hauptstraßen rollen LKW, Busse und Tuk-Tuks. Die Nebenstraßen sind wenig befahren, aber staubig mit viel Müll. Viele der bröckelnden Wohnhäuser aus Beton haben die besten Jahre weit hinter sich. Nur unten am Blauen Nil, da ist es netter. Hier stehen die recht repräsentativen Regierungsgebäude. Unter alten, schattigen Bäumen sind Tische und Stühle aufgebaut. Ein angenehmer Ort um in den kühleren Abendstunden Tee zu trinken oder eine Kleinigkeit essen. Wir können uns völlig unbehelligt durch die Stadt bewegen, alles macht einen sicheren Eindruck.


Khartoum am Nil

Mit Ibrahim am Zusammenfluss weißer und blauer Nil

Fasziniert stehen wir am Zusammenfluss des Blauen und Weißen Nils. Deutlich kann man den Farbunterschied der beiden Flüsse erkennen. Fischer haben Netze ausgebracht, am Ufer wird Landwirtschaft betrieben. Eine Oase mitten in der Stadt. Außerdem ist es für uns ein denkwürdiger Moment, da wir vorhaben die jeweiligen Quellen der beiden Flüsse in Äthiopien und Uganda besuchen.

Unser Fahrer Ibrahim bringt uns anschließend in den großen Souk nach Omdurman. Lebendig und farbenfroh ist es hier. Bepackte Esel werden widerwillig durch die Gassen gezogen. An unzähligen, kleinen Ständen warten Lebensmittel auf ihre Käufer. Obst, Gemüse, Fische aus dem Nil, Fleisch. Gleich nebenan gibt es alles, was nicht viel kostet. Vom Plastikspielzeug aus China bis hin zu selbstgefertigten Kochtöpfen aus Blech.


Der große Markt in …

… Khartoum

Das eindrücklichste Ereignis ist jedoch der Tanz der Sufis am Freitagabend. Eigentlich wissen wir gar nicht so richtig was uns hier erwartet, lassen uns einfach mit dem Taxi hinbringen. Zusammen mit vielen Einheimischen gelangen wir über einen islamischen Friedhof zu der grünen Moschee. Rhythmischer Singsang mit Trommelmusik kommt von dort. Einige hundert Leute, hauptsächlich Männer, bilden vor der Moschee einen Kreis in dessen Mitte die Sufis tanzen. Auch wenn ein Anführer immer wieder energisch zur Ordnung ruft, das Ganze ist eine eher heitere Angelegenheit. Viel Afrika ist in dieser Feier enthalten, ein alter Mann trägt sogar einen Umhang aus Leopardenfell(imitat). Niemand hat etwas dagegen, dass wir fotografieren und filmen. Der junge Sudanese neben mir spricht mich in gutem Englisch an.

>>Wir Sufis sind eine besondere Glaubensform des Islam. Hier im Sudan können wir unsere Religion frei ausüben. In anderen Ländern wie Saudi-Arabien würden wir dafür bestraft werden. Jeden Freitag kommen wir hier zusammen. Singen, beten, tanzen. Ihr als Touristen seid herzlich willkommen.<<

Wir bleiben fast bis zum Ende dieser exotischen Veranstaltung, zwischendurch werden wir mehrfach zum Tee in die nebenstehenden Stände eingeladen. Dort müssen wir erzählen, wo wir herkommen und wie wir zu Hause in Deutschland leben.


Der andere Islam: …

… Sufitreffen am Freitag

Fahrt nach Äthiopien

Die Straße heraus aus Khartoum verläuft entlang des Blauen Nils. Auch nach Verlassen der Stadt bleibt es dicht besiedelt, immer wieder passieren wir größere Orte. Es gibt keinen Platz, der zu einer Pause einlädt. Erst als wir den Nil verlassen, wird alles lockerer. Nun dominieren riesige, abgeerntete Felder, ab und zu passieren wir moderne Getreidesilos. Diese Gegend eignet sich auch zum Übernachten. Dazu fahren wir einfach raus auf ein Feld, stellen uns neben einen Baum, wo wir lange in absoluter Dunkelheit im Freien sitzen und den Grillen lauschen.

Weiter gehts nach Süden. Neben der Straße wachsen nun Akazienbäume, Rundhütten aus Holz haben die Lehmbauten abgelöst. Gegen Mittag stehen wir vor der Äthiopischen Grenze. Die Ausreise aus dem Sudan verlief schnell und unkompliziert. Bevor wir auf äthiopischer Seite mit den Formalitäten beginnen können, müssen wir einem Arzt unser Impfbuch zeigen. Zufrieden damit, dass wir eine gültige Gelbfieberimpfung haben, misst er aber trotzdem sicherheitshalber unsere Temperatur an der Stirn. Auch ohne Computer, unsere Daten werden ganz traditionell in ein dickes Buch eingetragen, sind wir schnell eingereist.


Rundhütten im Sudan …

… und in Äthiopien

Im Grenzort hören wir ein erstes „Jujuju“, doch die meisten Äthiopier winken uns freundlich zu. Die Straße wird besser, die Leute wieder weniger, die Landschaft hügelig. Mit den vielen Akazienbäumen und Lehmhütten wirkt alles sehr afrikanisch. Dann windet sich die Straße steil den Berg hinauf, bis wir auf über 2000m sind. Wir haben das äthiopische Hochland erreicht. Merklich kühler ist es nun geworden. Ein paar dicke Wolken sind über der trockenen Landschaft aufgezogen, zum Regnen kommt es aber nicht. Viele Leute sind zu Fuß auf der Straße unterwegs. Ohne Stress, denn im Moment gibt es wohl nicht allzu viel zu tun. Die Felder sind jetzt in der Trockenzeit alle abgeerntet, man wartet auf die Regenzeit im Juni.

Gondar

Die Stadt Gondar ist unser erster Anlaufpunkt. Wir nächtigen auf dem Parkplatz des Hotels Terara. Dort sehen wir die französische Familie wieder, die wir zuletzt in Abu Dhabi getroffen haben. Denen haben wir es ja zu verdanken, dass wir das Visum für Saudi Arabien bekommen haben. Wir feiern das Wiedersehen gleich mal mit einem Bier im tropischen Garten des Hotels. Abendessen wollen wir gemeinsam im Wohnmobil der Franzosen. Mit Arnaud gehe ich hinunter zu der kleinen Hütte, wo eine Frau ihre Straßenküche betreibt. „No Problem“, auf Holzkohle will sie uns ein Abendessen kochen. Dies dauert eine Weile. Wir werden in das Innere der Hütte gebeten, wo wir auf einer schmalen Holzbank platz nehmen. Es ist dunkel, da der Strom gerade ausgefallen ist. Die junge Frau und ein weiterer Gast sind sehr freundlich. Eine tolle afrikanische Stimmung! Auf großen Platten bringen wir unser Essen zum Wohnmobil. Es schmeckt alles lecker. Nur an das säuerlich, matschig-schwammige „Injera“ müssen wir uns noch gewöhnen. Dieses Brot ist wohl in ganz Äthiopien die Basis jeder Mahlzeit. Als wir mit den Franzosen die Rechnung teilen, beträgt unser Anteil gerade mal drei Euro. Äthiopien scheint recht günstig zu sein.

Am nächsten Morgen werden wir nicht wie gewohnt vom Muezzin geweckt. Statt dessen hören wir leiernden Singsang aus einer der orthodoxen Kirchen. Laut, nicht besonders melodisch und über mehrere Stunden anhaltend.

Erneut verabschieden wir uns von der französischen Familie, vielleicht sehen wir uns ja wieder. Jetzt ist Zeit für eine kleine Besichtigung der Stadt Gondar. Wir sind ziemlich erstaunt, dass wir uns hier unbehelligt bewegen können. Sogar die Autos stoppen, wenn wir eine Straße überqueren wollen. Die meisten der kleinen Wohnhäuser sind aus dicken Ästen gebaut, die mit Lehm und Viehdung verputzt werden. Dominiert wird Gondar von einer mächtigen Burg im portugiesischem Stil. Wir sehen sehr arme Leute, die auf der Straße leben müssen. Silvia schenkt einer Bettlerin Mangos und altes Brot, worüber sie sich sehr freut.


Blick auf Gondar

Stellplatz beim Terara Hotel

Da wir in der Stadt einige Dinge erledigen müssen, nehmen wir Girma als Führer. Er hat uns beim Hotel angesprochen und erweist sich als sehr hilfreich. Beim Geldwechsler kriegen wir durch ihn einen günstigen Kurs und er sorgt dafür, dass wir beim Kauf einer Sim-Karte nicht lange warten müssen. Girma will uns auch die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen. Doch da sagen wir ab und gehen alleine los. Besonders gut gefällt uns die orthodoxe Kirche Debre Berhan Selassie, aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist aus Stein gebaut mit einem Strohdach. Ein Wächter sperrt sie für uns auf und wir können die gut erhaltenen Wandmalereien besichtigen.


Beim Essen mit Girma

Orthodoxe Kirche

Unter dem Feigenbaum

Beinahe jeder Overlander, der durch Äthiopien fährt, verbringt bei den Holländern Tim und Kim am Tanasee einige ruhige Tage. Auch wenn Tim mittlerweile nicht mehr hier ist, der Platz ist toll. Wir stehen unter einem riesigen Feigenbaum mit vielen verschiedenen, bunten Vögeln. Die Temperaturen sind ideal. Warme Tage und angenehm kühle Nächte. Abends, auf der Veranda der Lodge können wir das Heulen einer Hyäne hören und einmal sehen wir sogar ein Flusspferd unten im See. Auch eine Servalkatze, ein Stachelschwein sowie eine Horde Paviane bekommen wir in der Nähe des Camps zu Gesicht.


Stellplatz unter dem Feigenbaum

Rundkirche in Gorgora

Wir nutzen den Aufenthalt hier für die dringend notwendige Putzaktion und kleine Reparaturen am Wohnmobil. Ansonsten vergehen die Tage angenehm und entspannt unter unserem Feigenbaum. Gelegentlich können wir uns zu einer Aktivität, wie den Besuch der netten Rundkirche im nahegelegenen Ort Gorgora aufraffen.

Neben einigen südafrikanischen Overlandern, welche von Kapstadt nach Kairo in rekordverdächtigen Zeiten unterwegs sind, lernen wir Matthias vom Tegernsee kennen. Ein vogelwilder Typ, der mit seiner Hündin Paula im Unimog unterwegs ist. Die abenteuerlichen Geschichten sprudeln nur so aus ihm heraus. Eigentlich heißt er nun Abdullah, denn er ist zum Islam konvertiert. Dies hat ihm in Ägypten erheblichen Ärger eingebracht. Er wurde dort als Terrorist verdächtigt und mehrere Wochen im Gefängnis festgehalten. Irgendwann wurde er in den Sudan ausgewiesen und dort gleich erneut verhört. Ein Freund hat währenddessen seinen Unimog mit dem Hund an die sudanesische Grenze überführt.

 

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