Sudan

15.02.2015 - 19.02.2015

Ankunft in Afrika

Es ist heiß auf unserer Fähre, die gemächlich von Jeddah (Saudi Arabien) nach Suakin (Sudan) tuckert. Wenn wir von unserer klimatisierten Kabine hoch an Deck gehen, dann suchen wir sofort den Schatten. Nach fast 20 Stunden an Bord entdecken wir Land voraus. Afrika. Wir freuen uns auf diesen Kontinent! Die karge Ebene mit den Bergen im Hintergrund rückt immer näher. Dann legt unser Schiff im kleinen Hafen Suakin an. Es dauert aber noch eine ganze Weile bis wir zusammen mit den anderen Passagieren von Bord gehen können. Am Kai steht schon Benito, in dessen Schatten wir warten, bis wir die Papiere und den Schlüssel ausgehändigt bekommen.

Wir gehen zum Emigration-Gebäude, um dort unsere Personeneinreise zu erledigen. Freundlich lächelnd werden wir gebeten, umgerechnet 80 € pro Person für den Einreisestempel zu bezahlen. Von so einer Gebühr haben wir noch nie etwas gehört, deshalb weigern wir uns zu zahlen. Es wird debattiert und schließlich werden die Pässe zum Chef gereicht. Der lässt uns warten. Nach mehrfachem Zögern entscheidet er sich dann doch, die Pässe kostenlos zu stempeln. Ja, wir merken es gleich deutlich, Afrika ist anders.

Auch beim Zoll führen wir langwierige Verhandlungen mit unserem Agenten über dessen Honorar. Doch letztendlich klappt alles recht gut, so dass die Einreise noch vor Einbruch der Dunkelheit erledigt ist. Wir verbringen gleich neben dem Hafen eine ruhige und sichere Nacht.


Afrika ist in Sicht…

… dort herrscht quirliges Straßenleben

Der vielstimmige Ruf des Muezzin am nächsten Morgen weist uns darauf hin, dass wir uns noch immer im Reiche Allahs befinden. Trotzdem hat sich viel verändert, vor allem das Straßenbild ist hier lebhafter und bunter: Dreirädrige TuK-Tuk’s, Frauen in bunten Tüchern, lächelnde, stark pigmentierte Männer, Marktstände mit Obst, Esel die Lasten tragen. Die ersten Kilometer in Afrika führen uns zum 50 km entfernten Port Sudan. Dort lassen wir uns bei der Polizei registrieren, damit sind hoffentlich alle Formalitäten erledigt.

Während des Transits durch Saudi Arabien ist meine Mutter in hohem Alter operiert worden. Sie hat die Operation gut überstanden. Nun haben wir bedingt durch die Verschiffung zwei Tage keinen Kontakt mehr gehabt. Mit Spannung wähle ich deshalb die Nummer meiner Schwester, die leider schlechte Nachrichten hat: Der Zustand meiner Mutter ist äußerst kritisch, sie musste nochmal operiert werden, wir sollen so schnell wie möglich heimkommen.

Die nächsten Schritte sind somit klar: Wir fahren umgehend in Sudans Hauptstadt Khartoum. Dort suchen wir einen Abstellplatz für Benito. Sobald wir den gefunden haben nehmen wir die nächste Maschine nach München.

Im Eiltempo nach Khartoum

Etwas unter tausend Kilometer sind es nach Khartoum, die wir natürlich nur auf der Hauptstraße zurücklegen. Der Stress mit den täglichen Fahretappen geht weiter.

Auf dem zweispurigen Highway sind überwiegend LKW und Reisebusse unterwegs. Die Fernverkehrs-LKW sind schwer beladene, doppelt lange Sattelauflieger. Bei den überforderten Zugmaschinen geht vor allem bergauf fast gar nichts mehr. Für uns bedeutet dies ständig volle Konzentration beim Überholen. Neben der Überlänge der LKW gilt es dabei auf die mit hoher Geschwindigkeit fahrenden Reisebusse zu achten. Glücklicherweise ist die Straße meist übersichtlich, so dass wir doch flott vorankommen.

Überall am Straßenrand liegen zerfetzte LKW-Reifen. Zu Beginn der Strecke bringen höhere Berge etwas Abwechslung und kühlere Temperaturen, später schwitzen wir in flacher Sandwüste. Abwechslung gibt es nicht viel, ab und zu passieren wir ärmlich wirkende Dörfer.

Ein touristisches Highlight des Sudan liegt direkt auf unserer Strecke und dafür nehmen wir uns trotz aller Hektik auch ein wenig Zeit: Die Pyramiden von Meroe. Inmitten schöner Wüstenlandschaft, leider etwas nahe an der Straße, ragen ein paar Dutzend der im Vergleich zu den ägyptischen Pyramiden relativ kleinen Bauwerke aus dem Sand. Obwohl die Pyramiden zu den Hauptattraktionen des Sudan zählen sind hier keine Touristen.Wir finden gleich einen stimmungsvollen Lagerplatz mit Blick auf diese Ruinen. Als kurz vor Sonnenuntergang die Hitze abklingt (von 40° auf 36°), ist der idealer Zeitpunk zur Besichtigung der Anlage gekommen. Der Eintritt soll 100 Pfund = 10 Euro für zwei betragen. Ok, dafür wollen wir aber dann auch Eintrittskarten. Umständlich kramt der Aufseher nach seinem Quittungsblock. Ich halte ihm einen 50er Schein hin.

>>We don’t need tickets<<

Er nimmt den Schein

>>Ok, no problem<<


Pyramiden von Meroe…

… mit schönem Wüstencamp

Nach der Besichtigung verbringen wir einen wunderschönen, ungestörten Abend in der Wüste. Vermutlich den letzten für lange Zeit.

Khartoum und Heimreise

Nach einem letzten Blick auf die auch im Morgenlicht schön wirkenden Pyramiden von Meroe nehmen wir den letzten Abschnitt nach Khartoum in Angriff. Die Wüste weicht immer mehr der Steppenlandschaft. Der Nil ist nicht weit, er ist neben der Straße als grünes Band mit großen Bäumen zu erkennen. Direkt an sein Ufer gelangen wir erst mal nicht, doch einige der landwirtschaftlichen Flächen sind mit seinem Wasser geflutet.

Vor Khartoum nimmt die Besiedlung zu, der Verkehr wird dichter. Doch auch als wir ins Zentrum der Hauptstadt des Sudans vordringen, bleibt das ganz große Verkehrschaos aus. Ohne Probleme finden wir das „German Guesthouse“, eine Anlaufstelle für Overlander. Wir können vor den Mauern des Hotels parken. Hier ist es ruhig, nur viel Müll auf der staubigen Straße stört. Aber das ist jetzt nicht so wichtig.


Khartoum: Der Nil…

… und German Guesthouse

Norbert der Besitzer des Hotels empfängt uns freundlich. Mit ihm hatten wir schon vor ein paar Tagen Kontakt aufgenommen und ihn gebeten, nach Abstellplätzen für unser WoMo Ausschau zu halten. Immerhin drei Plätze hat er gefunden, die wir uns heute Nachmittag anschauen können. Das stimmt uns optimistisch, deshalb buchen wir gleich einen Flug für morgen Nacht.

Ibrahim, der Fahrer des German Guesthouse, bekommt den Auftrag, uns zu den möglichen Stellplätzen zu bringen. Es ist sehr heiß in seinem alten VW-Polo.

>>Very strong German car. But sorry, aircondition is not working<<

Gut, dass wir genügend Wasser dabei haben und die Hitze gewohnt sind. Quälend langsam, mit schleifender Kupplung bringt uns der begnadete Autofahrer Ibrahim zum ersten Stellplatz. Doch der erscheint uns zu unsicher. Khartoum gilt zwar als relativ sichere Stadt, doch es zu riskant, unser Fahrzeug auf einem unbewachten, dunklen Grundstück abzustellen. Als Ibrahim den nächsten Platz erst nicht findet und dann der Besitzer nicht da ist, werden wir etwas unruhig. Dann klappt es doch noch. Wir lernen Obai kennen, der selbst Globetrotter ist. Mit seinem Motorrad hat er große Teile Afrikas und Europas bereist. Da ihn auch unsere Freunde von Shumba kennen, haben wir Vertrauen zu ihm.

>>Bei mir im Hof meines Taxiunternehmens, da steht euer Fahrzeug sicher. Ich selbst will kein Geld. Gebt einfach etwas für meine Angestellten, die auf euer Wohnmobil aufpassen werden<<

Wir sind erleichtert und zuversichtlich, dass wir hier Benito mit gutem Gewissen lassen können.

Am nächsten Tag organisieren wir alles für die Heimreise und bringen unser WoMo zum Abstellplatz. Leider ist  das Dach nicht groß genug, doch draußen ist auch ok.  Benito wird schon nicht zusammenschmelzen (immerhin kann es fast 50° im Schatten haben in Khartoum).

Kurz nach Mitternacht sind wir am Airport. Hier wird es nochmals spannend, als wir unsere Reisepässe vorzeigen. Ist unser Fahrzeug nicht doch mit dem Paß verbunden? Falls ja, so könnte dies durchaus Schwierigkeiten bei der Ausreise verursachen. Doch diese Sorge erweist sich als unbegründet, alles verläuft problemlos. Viel zu wenig haben wir in den vier Tagen von dem schönen Land Sudan mit seinen netten Leuten gesehen. Wenn wir die Reise in einigen Wochen fortsetzen, dann wird die Hitze hier unerträglich geworden sein. Doch das ist uns im Moment egal, die Gedanken sind nun bei der Familie zu Hause in Deutschland.

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