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Süduganda bis Nairobi

19.02.2016 - 10.03.2016

Im Dreiländereck

Der Ort Kisoro im Dreiländereck Uganda, Ruanda, Kongo: hier vermutet man Diktatoren, Genozid und mordende Kindersoldaten. Doch das ist Vergangenheit, mittlerweile ist es sicher und man kann sogar in den Kongo zum Gorillatracking fahren.

Zusammen mit Mathias dem Tegernseer Unimogfahrer parken wir im Innenhof des Virunga Hotels. Auf der Hauptstraße wird gehupt und laut gefeiert. Ugandas Präsident Museveni wurde soeben wiedergewählt. Dreißig Jahre ist er schon an der Macht. Als die Demonstration zu Ende ist, kehrt wieder Ruhe ein. Unbehelligt können wir durch den kleinen Ort spazieren, im günstigen Restaurant ‚Pilau‘ essen oder in einer der Kneipen auf der Terrasse beim Bier sitzen.


Grenzstadt Kisoro

Wahlkampf in Uganda

Kisoro liegt am Fuße dreier mächtiger Vulkane, die sich im „Mgahinga Gorilla National Park“ befinden. Kurz haben wir überlegt, einen dieser Berge zu besteigen, doch nun buchen wir ’nur‘ den mehrstündigen Batwa Trail. Diese Tour durch den Nationalpark wird uns die Kultur der Batwa etwas näher bringen. Zwei Ranger mit Schnellfeuerwaffe und vier Pygmäen vom Stamm der Batwa führen uns auf kleinen Pfaden durch den Regenwald. Der ist durch eine Steinmauer scharf von den umliegenden Feldern abgegrenzt. Berggorillas und Büffel leben hier. Die Batwa wurden in den 1970er Jahren aus den Wäldern vertrieben und in Dörfer und Städte umgesiedelt. Nur die Älteren erinnern sich noch daran, wie sie damals im Einklang mit der Natur lebten und jagten.

Auf der heutigen Wanderung erzählen sie von den alten Zeiten, zeigen uns, wie sie Fallen und Hütten bauten. Dies alles geschieht recht lustig und entspannt. Wir lachen als die vier Männer mit den Pseudokostümen laut rufend eine Jagdszene nachstellen und uns ihre Beute -eine Antilope aus Holz- präsentieren. Zum Abschluss klettern wir mit Taschenlampen in eine Höhle in der die Könige der Batwa Zeremonien abhielten. Wir werden aufgefordert, die Lampen auszumachen und hören in absoluter Dunkelheit leise singende Frauenstimmen. Ein mystischer Moment! Als wir die Lampen wieder einschalten, verschwindet eine Gruppe Batwa Frauen in der Dunkelheit.

Draußen bekommen wir dann noch eine weitere Gesangs- und Tanzvorführung und wir beobachten wie unsere Guides ihre Kostüme, Speere und Pfeil und Bogen abgeben und sich wieder in Ihre Altkleider-Alltags-Kleidung gewanden.


Die Pygmäen vom Stamm der Batwa stellen sich vor…

… und erklären wie sie früher lebten.

Nachdenklich verlassen wir den Nationalpark. Ein klein wenig konnten wir in das frühere Leben der Batwa Pygmäen blicken, die nun am Rande der Gesellschaft leben.

Ruanda

Das kleine Land Ruanda liegt südlich von Uganda. Nach einem unproblematischen Grenzübertritt erleben wir ein sehr dicht besiedeltes Land mit erstaunlich guter Infrastruktur. Alles ist sehr sauber, Plastiktüten z.B. sind in Ruanda strikt verboten.


In Ruanda ist alles sehr sauber

Auch auf den steilsten Hügeln sind Felder

Die vielen Leute in Ruanda müssen alle ernährt werden. Auf unserer Fahrt zum Kivu See sehen wir überall Felder mit fruchtbarer Vulkanerde. Auch an steilen Hügeln wird bis hinauf jeder Quadratmeter genutzt. Trotzdem schafft es das Land nur zu 80% seine Lebensmittel selbst anzubauen und ist vom Ausland abhängig.

War es oben auf 2400m noch angenehm kühl, so wird es unten im Kivu See tropisch warm. Gisenye, das direkt an der Grenze zum Kongo liegt, überrascht als mondäner Badeort mit stattlichen Villen und schicker Promenade.

Für die Strecke von Gisenye nach Kibuye brechen wir spät auf. Es sind ja nur 120 Kilometer und wahrscheinlich ist alles geteert. Welch ein Irrtum! Die Piste erweist sich als ganz übel und an manchen Stellen können wir nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Wieder mal sind wir dankbar, dass unser Reisefahrzeug Benito dies alles so tapfer weg steckt. Als wir Luft aus den Reifen lassen, um die Strecke erträglicher zu machen, sind wir von vielen Leuten umringt. Es wird gestaunt, gelacht und diskutiert. Nicht jeden Tag stoppen hier Mzungus mit solch einem seltsamen Truck. Wir rütteln durch eine tolle Kulturlandschaft mit großen Teefeldern. Immer wieder bieten sich atemberaubende Ausblicke auf den Kivu See, mit den vielen Buchten und Inseln. Nur schade, dass es heute so trüb ist!


Zuschauer beim Lufdruck kontrollieren

Schlechte Piste nach Kibuye

Nach dieser Strapaze gönnen wir uns einen Erholungstag in Kibuye. Wir parken bei einem Hotel direkt am Seeufer und essen im Restaurant leckeren Seefisch. Am nächsten Tag, es ist schon dunkel, rollt ein ’normales‘ Alkoven-Wohnmobil über eine durchaus anspruchsvolle Zufahrt auf die Wiese.
Eine Schweizer Familie mit vier Kindern steigt aus und begrüßt uns. Auch wir stellen uns vor und fragen:

>>Ihr seid doch nicht etwa auch die schlechte Piste gekommen?<<
>>Doch, doch, die war ganz fürchterlich. Gut, dass unser Wohnmobil höher gelegt ist.<<

Während die Kinder auf der Wiese spielen, erzählt uns die Mutter, dass sie schon ein halbes Jahr unterwegs sind und von Südafrika her kommen.

>>Ist es nicht etwas eng zu sechst so lange im Wohnmobil?<<
>>Nein, im Moment ist es ganz locker. Auf anderen Abschnitten waren noch mehr unserer Kinder mit dabei.<<
>>Ja, wie viele Kinder habt ihr denn?<<
>>Neun insgesamt. Aber die größeren sind nun selbständig. Deshalb haben wir endlich Zeit uns den Traum dieser Reise zu erfüllen.<<

Gerne hätten wir uns mit der sympathischen Familie noch länger unterhalten, doch wir wollen nun weiter nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Nun heißt es auch Abschied von Mathias zu nehmen, mit dem wir ja viele Wochen gemeinsam unterwegs waren. War eine schöne Zeit!


Sind auch die schlechte Piste gekommen: Die Schweizer Familie

Abschied von Mathias nach vielen gemeinsamen Abenteuern

Kigali ist eine moderne, saubere Stadt. So gar nicht afrikanisch. Der Verkehr fließt ruhig und geordnet, alle Ampeln funktionieren und werden beachtet. So erreichen wir problemlos die DHL Niederlassung, wo wir unser „Carnet de Passage“ abholen, das dort seit einigen Tagen lagert. Danach fahren wir zum „One Love Club“. Dort ist der lauteste, teuerste und unfreundlichste Übernachtungsplatz dieses Reiseabschnitts, doch wir finden keinen besseren. Auch deshalb entschließen wir uns, nur eine Nacht in der Stadt zu bleiben. Allzu viel gibt es in Kigali ohnehin nicht zu sehen, doch das Genozidmuseum wollen wir unbedingt besuchen. 1994 versuchte der Stamm der Hutu, die Tutsi-Minderheit auszulöschen. Fürchterliche Greueltaten wurden verübt. Auch einfache Leute schlachteten plötzlich ihre langjährigen Nachbarn ab. Hier gibt es mehr darüber zu lesen. Mit Filmen und Ausstellungen informiert das Museum sachlich über die vielen schrecklichen Vorkommnisse.


Kigali: modern und sauber …

… aber mit düsterer Vergangenheit

Tanzania

Nach dem Grenzübertritt nach Tanzania bei Rusumo ändert sich die Nutzung der Landschaft schlagartig. Wurde in Ruanda noch jeder Quadratmeter landwirtschaftlich genutzt, so rollen wir nun durch Buschland, in dem uns nur vereinzelt Hirten begegnen. Leider behindert uns nun viel Schwerverkehr. Die Straße hat so viele Schlaglöchern, dass wir nur sehr langsam vorankommen. Am Rande eines Naturschutzgebiets bei Biharamulo finden wir hinter den Mauern eines ehemaligen deutschen Forts einen stimmungsvollen Übernachtungsplatz. Blitze zucken am Himmel, Grillen zirpen. Wir beratschlagen, wie es mit unserer Tour weitergehen soll. Beim heutigen Grenzübertritt haben wir für unser Fahrzeug eine Aufenthaltsgenehmigung für nur zwei Wochen erhalten. Viel zu wenig, denn wir wollten unser Fahrzeug für vier Monate in Arusha abstellen. So fällt an diesem Abend die Entscheidung, zurück nach Kenia zu fahren und Benito wieder in Nairobi zu parken.


In Tanzania wird es einsamer

Übernachtung im alten deutschen Fort

Ein laaanger Fahrtag bringt uns nach Mwanza am Viktoriasee. Über 500 km haben wir auf meist sehr guter Teerstraße zurückgelegt, nur die Geschwindigkeitsbegrenzungen, die hier auch streng kontrolliert werden, waren lästig . Dafür hat die Landschaft entschädigt, vor allem der Abschnitt mit den bizarren Felsen war recht beeindruckend. Jetzt sitzen wir mit Blick auf den See im Restaurant des Yacht Clubs bei einem „Safari“ Bier. Die Lichter der Stadt spiegeln sich im Wasser, an den Wänden jagen Geckos nach Mücken,  gleich wird das Essen kommen. Ein schönes Ende dieses anstrengenden Tages!

Mwanza ist die zweitgrößte Stadt Tanzanias und dennoch angenehm überschaubar. Die hohen, rundgeschliffenen Felsen und viel Grün lockern das Stadtbild auf. Über dem Viktoriasee türmen sich hohe Wolken, Fischer bringen in kleinen Booten ihre Netze aus. Wir bummeln durch Straßen und Märkte, versorgen uns mit einer SIM-Karte und ziehen Geld am Automaten. Hinter dem Kleidermarkt entdecken wir gleich mehrere indische Tempel und einige Moscheen.


Markt in Mwanza

Blick vom Stellplatz beim Yachtclub

Auf der Fahrt in Richtung kenianische Grenze erleben wir zum ersten Mal Korruption in Afrika. Mehrfach werden wir von Polizisten gestoppt, die nach Feuerlöscher, Warndreiecken und Papieren fragen. Wir können alles vorzeigen. Doch bei der dritten Kontrolle muss ich aussteigen und der Polizist nimmt mich zur Seite.

>>Du hast zu wenig Reflektoren seitlich und hinten auf der Kabine!<<

Unverhohlen fordert er Geld für dieses ‚Vergehen‘. Nach einer längeren Diskussion stimme ich zu:

>>Ok, ich zahle, aber vorher müssen wir den Touristenreport der EU ausfüllen.<<

Der Touristenreport ist ein frei erfundenes, offiziell wirkendes Formular, in dem viele Fragen zu beantworten sind, z.B:
‚Name und Dienstnummer des Polizisten?‘
‚Was wird dem Touristen vorgeworfen?‘
‚Wie hoch ist die Strafe?‘

Als der korrupte Polizist dann auch noch ein Foto beifügen soll, resigniert er freundlich lachend:

>>Nein, das fülle ich nicht aus. Du kannst weiterfahren. Gute Fahrt.<<

Immer entlang des Viktoriasees erreichen wir auf guter Teerstraße die Westgrenze der Serengeti. Hier hätten wir es uns etwas einsamer vorgestellt. Zwar weiden rechts neben der Straße Büffel, Gnus und Antilopen, doch auf der anderen Straßenseite gibt es zahlreiche Dörfer und Felder. Auf unserer Karte ist auf der besiedelten Seite ein Camp am Viktoriasee eingezeichnet. Ob es das noch gibt? Auf dem schmalen Pfad sind jedenfalls keine Fahrspuren zu sehen. Dann stehen wir vor einer Bungalow-Anlage, die wohl schon vor längerer Zeit verlassen wurde. Ein nette Frau, anscheinend die Aufpasserin, begrüßt uns.

>>Ja die Anlage ist geschlossen, aber ihr könnt hier parken.<<

Das machen wir gerne, hier ist es schön und wir handeln einen günstigen Preis aus. Unter einem riesigen schattigen Baum bauen wir Tisch und Stühle auf und beobachten die zahlreichen Vögel. Bei der Hitze sind wir froh, uns nicht viel bewegen zu müssen. Nach Einbruch der Dunkelheit schwirren zahlreiche Insekten um unsere Lampen. Ich leuchte die Bäume mit der Taschenlampe ab. Mehrere Katzenaugen reflektieren das Licht. Aus der Nähe erkenne ich das gefleckte Fell zweier Ginsterkatzen.


Verlassenes Camp am Viktoriasee

Leuchtende Augen in der Nacht

Finale

Zurück in Kenia erwartet uns noch ein besonderes Highlight: Die Masai Mara. Dieses an die Serengeti angrenzende Schutzgebiet erlebt den größten Besucheransturm zwischen Juli und September, wenn Millionen Gnus und Zebras den Mara Fluss überqueren. Tausendfach wurde dieses Spektakel schon gefilmt. Jetzt im März ist es ruhig im Park und doch gibt es zahlreiche Tiere zu sehen. Auch außerhalb des Parks grasen viele Antilopen, Zebras und Giraffen.

Wir parken auf der Campingwiese der Mara West Lodge, direkt neben einer Herde Zebras. Die Lodge liegt herrlich oben auf einer Abbruchkante. Mit Bier und Fernglas machen wir uns auf den Weg zum Aussichtspunkt. Wir sind begeistert. Unter uns liegt die weite Wildnis der Masai Mara. Mit dem Fernglas schauen wir auf die Steppe, Sümpfe und Flüsse. Elefanten- und Büffelherden sind deutlich zu erkennen. Die Vorfreude auf zwei Tage in dieser Wildnis ist groß.


Blick in die Weite der Masai Mara

Toller Platz an der West Gate Lodge

Am nächsten Tag fahren wir hinunter und haben den Park mit den vielen Tieren fast für uns alleine. Für die Übernachtung haben wir einen „Public Campsite“ gebucht. Unsere Befürchtung hier auf Overlander zu treffen, erweist sich als völlig grundlos. Im Gegenteil, niemand ist hier, es gibt keinerlei Einrichtungen. Da wir erst in der Dämmerung auf diesem Platz kommen und nur 500m weiter ein Löwenrudel beim Jagen beobachtet haben, trauen wir uns nicht, nach Feuerholz zu suchen. Ohne Lagerfeuer bleiben wir lieber in der Nähe des Wohnmobils. Trotzdem erleben wir eine unvergessliche Buschnacht mit vielen Sternen, Löwengebrüll und Hyänengeheule.

Nach zwei Tagen sind wir uns einig, dass die Masai Mara der schönste Park unserer Ostafrikarunde ist. Dann begegnen uns zum Abschluss auch noch ein Gepard und ein kapitales Löwenmännchen aus nächster Nähe!


Einsames Camp mitten im Busch

Löwe zum Abschied

Außerhalb der Masai Mara, in der Konservation Area, sehen wir nochmals viele Wildtiere gemischt mit den Rinderherden der Masai. Dann hat uns die Zivilisation wieder und wenige Stunden später erreichen wir Nairobi.

Vor drei Monaten sind wir in der Jungle Junction zur Ostafrikarunde gestartet, nun bereiten wir die Heimreise vor. Drei Tage brauchen wir für die Reinigung unseres Wohnmobils, das total verstaubt ist. Da durch die Rüttelei auf den Pisten zwei Fenster nicht mehr ganz dicht sind und nun bald die Regenzeit kommt, schützen wir Benito mit einer Plane.

Mit gepackten Rucksäcken trinken wir ein letztes ‚Tusker‘-Bier auf der Terrasse. Wycliff, der Fahrer, mahnt zum Aufbruch. Er wird uns zum Flughafen bringen. Wir winken unserem treuen Fahrzeug nochmal zu.

>>Bye, Bye bis bald, in ein paar Monaten im Juli kommen wir wieder!<<

Wie immer ist es etwas unwirklich als wir am nächsten Tag schon in Deutschland, unserer zweiten Heimat, zurück sind.


Benito wird gut verpackt

Zurück im anderen Leben

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Reiseberichte zur Etappe: Ostafrikarunde


09.12.2015 - 26.12.2015
Nairobi bis Samburuland


Start der Etappe Ostafrika. Abenteuer im Samburu Land. Wir feiern ein Weihnachten mit Kamelen und am Ende der Welt.


28.12.2015 - 26.01.2016
Kenia - Norduganda


Am Lake Baringo. Von Kenia nach Uganda. Trekking am Mt. Elgon. Auf Pisten nach Norduganda. An der Quelle des Weißen Nils.


27.01.2016 - 18.02.2016
Süduganda


Vom Victoriasee zum Ruwenzori. Spannende Tierbeobachtungen im Queen Elizabeth Nationalpark. Schimpansen und Gorillas. Relaxen am Lake Bunyonyi.


19.02.2016 - 10.03.2016
Süduganda bis Nairobi


Pygmäen im Dreiländereck Uganda, Ruanda, Kongo. Das Genozidmuseum in Kigali. Korrupte Polizisten in Tanzania. Tiere in der Masai Mara.