Swasiland – Joburg

05.11.2017 - 05.12.2017

Swasiland und Mosambik

Das Königreich Swasiland ist von Südafrika und Mosambik umgeben. Das kleine, arme Land ist zwar offiziell eigenständig, aber Teil der Southern African Customs Union (SACU). Das bedeutet für uns, dass der Grenzübertritt schnell und unkompliziert ist. In nur wenigen Minuten sind wir drin. An den einfachen, traditionellen Hütten sieht man gleich, dass das Land viel ärmer als Südafrika ist. Als wir die Hauptstraße verlassen, um zur Mabuda Farm zu gelangen, fahren wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mal auf einer richtig schlechten Straße mit vielen Schlaglöchern. Kinder bessern mit Sand und Dreck die gröbsten Gruben aus und betteln dafür um Geld. Da wir dies eigentlich ganz sinnvoll finden, halten wir an und reichen eine Kleinigkeit heraus. Zum „Dank“ versuchen gleich einige der Kinder von hinten auf unser Wohnmobil aufzuspringen. Zum Glück erkenne ich diese gefährliche Mutprobe rechtzeitig.


Noch ist die Straße gut

Wandern auf der Mabuda Farm

Bis auf einige Parks hat Swasiland für Touristen wenig Interessantes, doch die riesige Mabuda Farm bietet neben einigen netten Bungalows auch Campingmöglichkeiten. Dort begegnen wir zufällig den Freiburger Lucia und Volker, die wir vor einigen Tagen in St. Lucia getroffen haben. Sie sind die einzigen Langzeitreisenden, denen wir auf dieser Etappe begegnen. Tagsüber können wir bei angenehm sonnigen Wetter über das Farmgelände wandern. Doch aus der gemütlichen Lagerfeuerrunde zusammen mit den Freiburgern wird nichts, denn ein kalter Wind treibt uns früher als geplant ins geschützte Innere. Der Sommer will sich einfach immer noch nicht so richtig durchsetzen.

Fast ein Jahr ist unser Reisefahrzeug Benito nun in der Southern African Customs Union. Somit müssen wir die Union nun verlassen oder die Aufenthaltsgenehmigung aufwändig verlängern. Deswegen sind wir nun an der Grenze zu Mosambik , das nicht der Union angehört, und werden für ein paar Stunden in dieses Land einreisen. Dann haben wir wieder ein Jahr Bleiberecht und können dabei auch unser neues Carnet de Passage abstempeln lassen. Swasiland hat 2 kleine Grenzübergänge zu Mosambik, die uns für dieses Vorhaben geeignet erscheinen. Dort soll es auch keine Problem geben, wenn man ohne Visum an die Grenze kommt.

Ganze vier Stunden bleiben wir in Mosambik, davon mehr als die Hälfte an der Grenze. Weil es Stromausfall hat und auch der Generator nicht funktioniert (oder keinen Sprit hat?), kann an der kleinen Grenze bei Goba kein Visum ausgestellt werden. Der Chef der Immigration selbst kümmert sich freundlich um uns und beantwortet auch unsere Frage, wie denn am Schreibtisch nebenan die Computer laufen können:

>>Das ist der Zoll und eben nicht die Immigration. Die sind unabhängig von uns und haben einen eigenen Generator.<<

Nach stundenlangem Warten entscheidet sich der Chef, uns gegen Bezahlung der Visagebühren eine handgeschriebene Ersatzbestätigung mitzugeben.

>>No Problem, die wird überall akzeptiert.<<

Na hoffentlich! Entlang der Grenze zu Swasiland fahren wir durch hügelige Landschaft nördlich. Im Gegensatz zu Südafrika und Swasiland ist hier der Busch abgeholzt, am Straßenrand werden große Säcke mit Holzkohle verkauft. Die Landschaft und Dörfer wirken trostlos, was aber auch an dem regnerischen Wetter liegt. Von den aus dem Norden bekannten, unangenehmen Polizeikontrollen bleiben wir glücklicherweise verschont.


Aufbruch von Mabuda nach Mosambik

Holzkohleverkäufer in Mosambik

Bei Namaacha nähern wir uns nach nur 60 Kilometern in Mosambik der Grenze nach Swasiland. Dort wird unser provisorisches Visum mit leichtem Kopfschütteln problemlos akzeptiert und nach erstaunlich kurzer Zeit sind wir wieder in der südafrikanischen Zollunion mit einem Jahr Bleiberecht für unser Wohnmobil.

Ein kleiner und ein großer Nationalpark

Zwei Parks, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Das kleine Mbuluzi Game Reserve in Swasiland und der weltberühmte Krüger Nationalpark.

Nach unserem Kurztripp nach Mosambik fahren wir in das nur wenige Kilometer hinter der Grenze liegende Mbuluzi Gamereserve. Die „Big Five“ fehlen hier, wir sehen „nur“ Antilopen, Affen, Giraffen und Warzenschweine. Doch das hat auch seine Vorteile. So können wir uns im Park frei bewegen und schöne Wanderungen unternehmen. Der Campingbereich, auf dem wir ganz alleine sind, ist großzügig angelegt und sehr idyllisch. Es liegt jede Menge Holz fürs Lagerfeuer bereit und von der rustikalen Dusche aus können wir Giraffen beobachten.


Mbuluzi Gamereserve: Abende am Lagerfeuer …

… und wandern ohne Löwengefahr

Wir verlassen nun erst mal Swasiland und fahren, vorbei an riesigen Zuckerrohrfeldern, in den Südteils des Krügerparks nach Südafrika. Er ist eines der größten Schutzgebiete Afrikas, den wir Dank unserer „Wildcard“ ohne Eintritt bezahlen zu müssen, besuchen können. Elefanten, Büffel, Löwen, Antilopen und viele weitere Tiere können wir beobachten. Allerdings, wie in Südafrika üblich, nur vom Fahrzeug aus. Aussteigen ist streng verboten. Übernachten darf man nur in Camps, die alle eingezäunt sind. Bestens ausgestattet mit Tankstelle, Shops, Restaurants, Swimming Pool, Bungalows und Campsites lassen sie kaum Wildnisfeeling aufkommen. Es sind einfach zu viele Leute hier, da sehnen wir uns manchmal zurück in den kleinen Mbuluzi Park.


Viele Tiere im Krüger Park…

… aber auch Touris und Kommerz

Ein besonderes Highlight ist immer wieder unser traditionelles Buschfrühstück. Beim Morning Gamedrive suchen wir uns einen schönen Platz mit Tieren, zum Beispiel an einem Wasserloch. Dort öffnen wir alle Fenster und manchmal auch die Türe und genießen ein Frühstück mit vielen Leckereien. So schön Frühstücken nicht mal die Gäste in den exklusiven Lodges!

Mit Freunden unterwegs

Wie schon letztes Jahr in Namibia, so wollen wir auch heuer wieder mit unseren Freunden Sabine und Wolf zwei Wochen gemeinsam reisen. Wolf, der wegen eines zweijährigen Arbeitsaufenthalts Südafrika bestens kennt, hat einen detaillierten Reiseplan ausgearbeitet. Treffpunkt ist das Malolotja Nature Reserve in Swasiland. Zwei Tage vor den Beiden sind wir hier und wandern bei schönem Wetter durch eine grüne Gebirgslandschaft mit vielen Antilopen, die uns sehr an die Drakensberge erinnert.

Dunkle Wolken und grollender Donner kündigen einen Wetterumschwung und die Ankunft von Sabine und Wolf an. Sie schaffen es gerade noch, trocken zu uns auf den Campsite zu kommen, dann beginnt es zu schütten, so dass wir das Begrüßungsbier drinnen im WoMo öffnen. Die beiden haben einen Camper mit Dachzelt gemietet, werden aber heute wegen des schlechten Wetters in einer der Hütten übernachten. Eine gute Entscheidung: Zwar hört der Regen noch einmal auf, so dass wir gemeinsam einen sehr stimmungsvollen Spaziergang unternehmen können, doch am Abend beginnt es erneut sintflutartig zu schütten. Unter dem Blechdach des Restaurants versteht man sein eigenes Wort nicht mehr bei dem Geprassel. Besorgt kontrollieren wir danach die Fenster und Luken im WoMo. Es ist alles dicht, auch das neu eingesetzte Dachfenster.


Antilopen im Malolotja Nature Reserve

Sabine und Wolf im Mietwagen mit Dachzelt

Um dem schlechten Wetter zu entfliehen, reisen wir früher als geplant zurück nach Südafrika in die „Drakensberg escarpment mountains“. Die Gegend um Sabie erinnert ein wenig an den Bayerischen Wald. Wohl wegen der sanften Berge, die mit Wäldern bewachsen sind, in denen intensiv Forstwirtschaft betrieben wird. Die Arbeit wird allerdings noch deutlich akribischer organisiert als bei uns (siehe Bild unten rechts).


Wälder fast wie im Bayerischen Wald

Forstwirtschaft akribisch organisiert

Ein wenig weiter, beim Blyde River Canyon, blicken wir in steile Abbrüche, die abends rötlich leuchten. Ein schöner Ort für einen Sundowner. Dahinter befindet sich das Ende des Hochlands. 1000m tiefer, in den Lowlands, liegt der Krüger Nationalpark.


3 Rondavels im Blyde River Canyon

Blick vom Gods Window bis in den Krügerpark

Zusammen mit Wolf und Sabine besuchen wir nun den mittleren und nördlichen Teil des Parks. Hier ist es weit weniger touristisch als im Süden. Es ist trocken mit ausgedehnten Mopanewäldern. Die Tiere versammeln sich an den Flüssen und Wasserlöchern, wo wir sie gut beobachten können. Auf einem Ast entdecken wir sogar einen Leoparden beim Frühstück.

Wir besuchen die Camps „Balule“, „Satara“ und „Shingwedzi“. Alle drei sind deutlich netter als jene, die wir im Süden des Parks besucht haben. Da man direkt am Elektrozaun campen kann, sind wir näher an der Wildnis. Jeden Abend entzünden wir ein Lagerfeuer und brutzeln Steaks oder Burenwurst. Wir lauschen den Geräuschen des Buschs und öffnen die eine oder andere Flasche Castle Bier. Meist bekommen wir Besuch von Tieren: Hyänen außerhalb des Zauns hoffen trotz Fütterungsverbot etwas zu ergattern. Eine Ginsterkatze ist so zahm, dass sie an Silvias Fuß schleckt und knabbert. Im Balule huschen zahlreiche Skorpione am Boden und verstecken sich unter Steinen und sonstigen Gegenständen.


Leopard mit Beute

Schöne Stellplätze am Elektrozaun

Am späteren Abend im Shingwedzi Camp herrscht plötzlich Aufregung. Unser südafrikanischer Nachbar erklärt:

>>Ein Honey Badger ist hier. Das ist ein Kämpfer, das mutigste Tier Afrikas. Der attackiert sogar Büffel und Löwen! <<

Mit der Taschenlampe leuchtet er auf einen schwarzweißen Honig-Dachs mitten im Camp, der die Größe eines mittleren Hundes hat. Es fällt uns schwer zu glauben, dass der derart gefährlich sein soll. Später am Abend, die anderen sind schon im Bett, räume ich zusammen. Auf dem Tisch steht noch Biltong (getrocknetes Rindfleisch). Der Honey Badger hat ihn entdeckt und freut sich schon auf  einen Imbiss. Todesmutig gehe ich mit einem Klappstuhl auf ihn los und tatsächlich gelingt es mir, den Biltong zu retten und das mutigste Tier Afrikas zu verscheuchen.

Nach dem Aufenthalt im Krüger Park, bei dem wir doch viel gesessen sind, ist uns nun nach Bewegung zumute. Auf der Zvakanaka Farm finden wir schöne Wandermöglichkeiten und außerdem einen tollen Stellplatz.


Mal wieder Bewegung auf der Zvakanaka Farm

Nashornvögel attackieren die Fensterscheiben

Danach steht auf Wolfs Plan der kleine Mapungubwe NP, der im Dreiländereck Simbabwe, Botswana und Südafrika liegt. Doch statt Wildtiere sehen wir vorwiegend Rinderherden. Was ist denn hier los? Die Nationalparks sind doch sonst so gut verwaltet und bewacht? Ein Ranger gibt Auskunft:

>>Wir haben den Nationalpark mit Naturschutzgebieten in Simbabwe und Botswana zusammengeschlossen. Von Simbabwe her werden Rinder über den Limpopo Fluss in den Park getrieben. Wir können da leider nichts machen. <<

Schade, es braucht auch nicht viel Fantasie, sich auszumalen, was mit den Löwen und Nashörnern passiert ist, die angeblich noch hier leben sollen. Da wegen schlechten Wetters auch die meisten Pisten unpassierbar sind, wäre der Park ein ziemlich Flop, wenn da nicht das idyllische Camp wäre. Hier besuchen uns einige zahme Antilopen und wir werden von zwei gar nicht scheuen Nashornvögeln unterhalten, die ständig die Fenster vom Mietwagen attackieren, weil sie darin ihr Spiegelbild mit einem Konkurrenten verwechseln.

Scheinbar kaum begonnen, nähert sich die Zeit mit Sabine und Wolf auch schon wieder ihrem Ende. Auf dem gemeinsamen Weg in Richtung Johannesburg bleiben wir nochmal zwei Tage auf der Wildtierfarm „Sondela“. Das Besondere hier ist die Möglichkeit sich ein Mountainbike auszuleihen und durch den Busch zu radeln.


Sondela: Zahme Nyalas …

… und radeln durch den Busch

Heimreise

Gemeinsam mit Sabine und Wolf brechen wir auf, um die letzten Kilometer nach Johannesburg zurückzulegen. Zuvor hatten wir uns schon verabschiedet, die beiden fahren direkt zum Flughafen und fliegen heute Abend heim.

>>Danke für den so detailliert ausgearbeiteten Reiseplan. War eine schöne Zeit. Vielleicht klappt es ja, dass wir uns nochmal in Afrika treffen?<<

In Benoni, einem Vorort von Johannesburg erreichen wir unseren Abstellplatz. Das Gelände von David und Marion wirkt eher wie ein privater Garten, wir glauben, dass Benito hier sicher steht. Drei Tage lang wird er gereinigt, geschmiert und geölt und schließlich in eine große Plane gepackt.


Benito wird gereinigt …

… und eingepackt

Nach diesmal nur drei Monaten in Afrika fährt uns David zum Flughafen.

>>Good Bye, einen schönen Sommer! Passt auf unser WoMo auf, wir kommen im Herbst wieder.<<

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Route, Länder, Karte zur Etappe »Vom Kap nach Johannesburg

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