Tanzanias Küste

23.08.2016 - 06.09.2016

„Wenn Du mich fragst, wo’s am schönsten war…“

„…dann sag ich Sansibar.“ So lautet der Refrain eines alten deutschen Schlagers. Doch dieses Lied ist nicht unsere Hauptmotivation, diese Insel an der tansanischen Küste zu besuchen.

Nun sitzen wir in einer kleinen Holzdhau mit Aussenborder. Was wäre, wenn der Motor versagt? Würde der Ersatzmotor funktionieren? Besser nicht daran denken, denn hier auf offener See zwischen Pangani und Sansibar hätten wir ein ziemliches Problem. Andererseits hätten wir mit der modernen Katamaranfähre nie dieses Erlebnis gehabt. Das aufgeregte Rufen unseres Bootsführers reißt mich aus diesen Gedanken. Er stoppt den Motor. Irgend etwas ist passiert! Ein riesiger Fisch springt hinter uns aus dem Meer. Es dauert eine Weile bis ich den Zusammenhang herstelle: Unser Boot zieht eine Angel hinterher und da hat gerade ein Fisch angebissen. Es beginnt ein einstündiger Kampf, in dem der Fisch immer wieder hoch aus dem Wasser springt, dann wieder tief abtaucht und dabei versucht die tödliche Angel loszuwerden. Am Ende gibt er auf und kann mit dem Bootshaken an Bord gehievt werden. Zwei Mann sind dafür notwendig, denn der Schwertfisch wiegt weit über hundert Kilo! Unser Bootsführer grinst bis hinter beide Ohren, für ihn hat sich diese Tour gelohnt!

Schon um vier Uhr früh sind wir heute an der Peponi Beach aufgestanden und haben die Wohnmobile auf dem Campingplatz gut verschlossen. Ein Taxi hat uns nach Pangani gebracht, wo die kleine Holzdhau mit drei Mann Besatzung schon auf uns gewartet hat.


Das Ende eines langen Kampfes …

… der Fisch ist an Bord unserer Holzdhau

Erst sehen wir die Schemen von Sansibar, dann ankern wir nach 6 Stunden Fahrt (incl. Angelpause) vor einem blendend weißen Sandstrand im Norden der Insel. Beim Verlassen der Dhau bekommen wir nasse Füße und wir kommen uns mit den hochgekrempelten Hosen und den Rucksäcken etwas deplatziert vor. Die hochpreisigen Resorts sind hauptsächlich von Italienern bewohnt, die uns neugierig aus ihren Liegestühlen beobachten. Auch die Beach Boys, echte und Pseudo Massais sind über unsere Ankunft verwundert.


Landung mit der Dhau …

… und Fahrt im Dalla Dalla nach Stonetown

Nach einer original italienischen Holzofenpizza (lecker!) gehen wir hoch zur Hauptstraße und warten auf ein Dalla-Dalla (so heißen hier die Sammelbusse), das nach Sansibar-City fährt. Jetzt sind wir wieder im wirklichen Afrika, zwei Stunden sitzen wir eingekeilt zwischen den Einheimischen. Am Busbahnhof steigen wir aus und suchen ein günstiges, zentrales Hotel. Im Annex 2 werden wir fündig. Die Zimmer sind sicher nichts für verwöhnte Touristen, doch das alte Gebäude hat Flair. Es ist sauber und wir bleiben ja eh nur drei oder vier Nächte. Der Manager ist freundlich und gibt uns gleich ein anderes Zimmer, als wir bemängeln, dass die Dusche nicht funktioniert. Auch auf unsere Bitte das Moskitonetz zu flicken, reagiert er großzügig.

>>Ach was, ich lasse es nicht flicken, ich gebe euch gleich ein neues Netz!<<

Das „neue“ Netz entpuppt sich jedoch als ein nur „anderes“, das noch mehr Löcher hat. Wir tauschen es nun selbst gegen das Netz vom dritten Bett aus, dessen Löcher sich mit etwas Zahnseide noch prima flicken lassen.


Unser Hotelzimmer

Die Frühstücksterrasse

Sehr schön ist die Dachterrasse unseres Hotels, auf der das Frühstück serviert wird. Von hier haben wir einen herrlichen Blick auf die Altstadt mit ihren hohen Steinhäusern, Moscheen und Türmen. Auf ausgiebigen Spaziergängen erkunden wir während der nächsten Tage Stonetown (so wird die Altstadt genannt). Vieles erinnert uns hier an den Orient: Die engen, schattigen Gassen, die verschleierten Frauen, die quirligen Märkte, der Ruf des Muezzin. Tatsächlich war Sansibar von Arabern und Omanis besiedelt, die von hier mit Gewürzen und vor allem mit Sklaven handelten. Immer wieder denken wir an unsere Zeit im Oman. Damals blickten wir von den alten Weihrauchhäfen hinaus aufs Meer, stellten uns vor wie von hier aus die Segeldhaus nach Sansibar starteten. Es entstand der Wunsch diese Insel zu besuchen – falls wir es bis Tansania schaffen.


Erinnerungen an den Orient

Blick beim Sundowner

Die Stadt lebt von den Gegensätzen. Bröckelnde Häuser stehen direkt neben prächtig renovierten Palästen, die nun als Hotels für betuchte Touristen dienen. Wir bleiben vier Tage in Stonetown, besuchen die touristischen Attraktionen (Museum, Sklavenmarkt, Gewürztour etc.). Doch am besten gefällt es uns, einfach in einem schattigen Cafe zu sitzen, die vorbeisegelnden Dhaus zu beobachten und die einzigartige Stimmung zu genießen. Trotz der vielen Touristen hat Sansibar besonders in Stonetown doch auch seine Eigenart bewahrt.

Südwärts

Wir fahren an Tansanias Küste weiter südlich und stoßen im Städtchen Bagamoyo auf die Überreste der deutschen Kolonialzeit. Es gibt ein mächtiges Fort zu besichtigen. Der weiße Bau ohne jede Einrichtung ist jedoch eher ernüchternd. Viel interessanter ist der kleine Fischereihafen unten am Strand: Die Segeldhaus werden entladen, Fisch gereinigt und verkauft, Boote repariert, Netze geflickt. Ein wenig weiter hinten sind dutzende kleiner Garküchen, in denen auf Holzfeuern in alten, rußigen Töpfen frittiert, gebraten und gekocht wird. Man ist uns gegenüber neugierig, aber sehr freundlich. Stilecht nehmen wir in einer der kleinen Buden einen Imbiss.


Quirliger Fischerhafen

Freundliche Imbissbude

In der Großstadt Dar Es Salaam wollen wir nicht bleiben, doch durchqueren müssen wir sie trotzdem. Unsere Angst im Verkehrschaos stecken zu bleiben, erweist sich als unbegründet. Der Verkehr fließt recht ruhig und geordnet. Nach einem Einkauf im Supermarkt lassen wir die Stadt hinter uns und freuen uns, dass es wieder einsamer wird. Wir reisen durch Buschlandschaft mit flachen Hügeln. Die Temperaturen sind wie immer angenehm warm.

Das Abschlachten der Elefanten

Die Nationalparks in Tansania sind mit unseren schweren Fahrzeugen nahezu unerschwinglich. Mindestens 400.- Dollar würde uns ein Tag kosten. Schweren Herzens sind wir deshalb an der Serengeti und anderen Parks einfach vorbeigefahren. Und wieder mal wären es nur 100 Kilometer bis zum Selous Game Reserve, dem größten Schutzgebiet Afrikas. Lohnt es sich, dorthin zu fahren, um einfach außerhalb des Parks zu campen? Vielleicht kriegen wir ja so auch ein paar Tiere zu sehen.

Wir machen diese Entscheidung vom Zustand der Piste abhängig. Da diese neue gemacht ist, sind wir in wenigen Stunden bei einer netten, kleinen Lodge mit Camping direkt an der Parkgrenze. Der Manager verlangt nur eine symbolische Gebühr und setzt darauf, dass wir bei ihm eine Safari in den Park buchen. Er kann es kaum glauben, dass wir nicht in den Park „wollen“.

>>Jetzt seit ihr so weit gefahren, ihr MÜSST einfach in den Park. Es gibt so viel zu sehen: Löwen, Elefanten, Antilopen<<

Doch wir bleiben standhaft. Erfreulicherweise ist er deshalb nicht ärgerlich und erzählt weiter:<

>>Wir haben riesige Probleme mit der Wilderei hier im Park. 60 Prozent unserer Elefanten haben wir in den letzten Jahren verloren. Die Wilderer kommen einfach zu Fuß in den Park und knallen die Tiere ab. Für den chinesischen Markt. Die Elefanten werden diesen Ansturm nicht überleben.<<

Wir haben schon davon gehört und sind dennoch erschüttert. Jedes Jahr werden in Afrika 30 – 40.000 Elefanten gewildert und in manchen Gebieten sind schon 80% der Dickhäuter ausgerottet!!!


Campen am Parkrand

Blick auf den Rufiji River

Umso mehr freut es uns, als am nächsten Morgen zwei Elefanten durch die Büsche am Camp brechen. Sie kommen bis auf wenige Meter an unsere Wohnmobile heran und ziehen dann langsam weiter. Doch nicht nur deshalb hat sich der Abstecher an den Rand des Selous-Parks gelohnt. Auf Spaziergängen (die man eigentlich nicht ohne bewaffnete Begleitung machen sollte), können wir verschiedene Affenarten und Antilopen beobachten. Außerdem die reiche Vogelwelt. Und nach Einbruch der Dunkelheit besuchen uns zwei Ginsterkatzen.


Colobus Affe

Wandern an der Parkgrenze

Für die Rückfahrt zur Hauptstraße wählen wir einen anderen Weg und der ist nicht ganz so unkompliziert. Hätten wir das gewusst, so wären wir zusammen mit Mathias gefahren. Die sandige Piste ist noch ganz gut befahrbar doch dann stehen wir vor einer maroden Holzbrücke mit einem 5to Schild. Wird die unser Gewicht tragen? Eine Alternative wäre die Furt gleich nebenan. Doch die ist schlammig mit vielen dicken Ästen. Silvia watet durch und meint:

>>Ich weiß nicht, könnte gerade so gehen.<<

Interessiert versammeln sich immer mehr Leute aus dem nahen Dorf, um zu sehen, was die Muzungus wohl machen werden. Wir entscheiden uns für die Brücke. Sie ächzt und knarrt, doch sie hält. Schwitz, das hätte auch anders ausgehen können.

Nur bei Springflut geht’s nach Mosambik


Typischer Streckenabschnitt

Hier planen wir den Grenzübertritt nach Mosambik

Auf der Hauptstraße fahren wir nun zügig in Richtung Süden. Obwohl hier nur wenige Menschen wohnen, sind viele der Bäume und Büsche entlang der Straße abgeholzt. Überall steigt Rauch auf und es kokelt. Am Straßenrand wird Holzkohle in großen Säcken verkauft und mit LKW oder Fahrrädern abtransportiert. Die gute Teerstraße verläuft abseits der Küste, nur in Kilwa machen wir nochmals einen längeren Stopp an einem Bilderbuchstrand unter Kokospalmen. Von hier organisieren wir die Weiterreise nach Mosambik bei Kilambo. Wir erfahren, dass die Fähre über den Rovuma-River nur bei Springflut verkehrt. Übermorgen früh soll die letzte übersetzen, dann sind 4 Tage Pause. Wenn wir uns beeilen, dann können wir es gerade noch schaffen…

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