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Türkei-Zentralanatolien, Kappadokien

01.09.2014 - 16.09.2014

Von Istanbul in die zentralanatolische Hochebene

Good bye Europa! Die Fähre bringt uns in wenigen Minuten über den Bosporus, nun sind wir in Asien unterwegs. Unser nächstes Ziel, die Seen- und Berglandschaft nördlich von Antalya ist über die breite vierspurige Autobahn schnell erreicht. Die Temperaturen gehen am Abend deutlich zurück, denn wir befinden uns auf der anatolischen Hochebene mit über 1000m. Tagsüber ist es nach wie vor heiß und so lassen wir unseren ursprünglichen Plan, eine längere Wanderung in den Ausläufern des Taurus zu unternehmen, lieber fallen. Es ist so viel angenehmer an einem der Seen im Liegestuhl zu relaxen oder unter schattigen Platanen direkt an einem Fluss zu sitzen und sich lecker zubereitete Forellen servieren zu lassen. Jeden Abend setzt das laute Zirpen der Zikaden ein, was unsere „südliche“ Stimmung noch verstärkt.


Runter mit dem Dreck von Istanbul …

Relaxen am Egirdir See

Nun sind wir auf kleinen Straßen im Gebirge unterwegs. Einsam ist es hier, auch bei den Ruinen von Adada sind wir die einzigen Besucher, obwohl die Anlage durchaus beeindruckend ist. Direkt zwischen Zeus-Tempel und Amphitheater, ein wenig abseits der kleinen Straße, schlagen wir unser Lager auf und verbringen zunächst eine völlig ungestörte Nacht. Doch plötzlich werden wir durch ein Motorengeräusch wach. Aus dem Fenster sehen wir ein Fahrzeug mit Fernlicht und Suchscheinwerfern an uns vorbeifahren und kurz darauf wieder wenden. Der Adrenalinspiegel steigt, was suchen die hier, ist die Polizei unterwegs? Langsam fährt das Fahrzeug wieder bei uns vorbei und verschwindet dann in Richtung Straße. Unsere einzige Erklärung ist es, dass es Jäger waren, die die Gegend nach Wild ableuchteten.


Die antiken Ruinen von Adada …

… liegen in völliger Einsamkeit

Tee, das Nationalgetränk der Türken

Wohin man auch sieht, überall sieht man die typischen, kleinen Teegläser. In den zahlreichen Cafes sitzen die alten Männer und spielen Tabla, während genüsslich der Tee geschlürft wird. Die Ladenbesitzer beobachten das Treiben auf der Straße mit einem Glas Tee in der Hand. Tee ist der Abschluss jeden Essens und auch nach dem Tanken bekommt man häufig ein Gläschen gereicht. Tee ist auch ideal zur Kontaktaufnahme und immer wieder werden wir zum Teetrinken eingeladen. Dann werden wir meist ausgefragt:

>>Woher kommt ihr denn? Seid ihr wirklich verheiratet? Wieviele Kinder habt ihr?<<

Der türkische Tee wird  stärker angesetzt und man lässt ihn lange ziehen, um ihn dann mit heißem Wasser verdünnen. Auch wir selbst laden zum Tee (allerdings nur 3 Minuten gezogen) ein, wenn wieder freundliche Türken neugierig und in höflicher Distanz zu unserem Wohnmobil schielen.

Der Vulkanberg Hasan Dagi

Wir verlassen die Berge- und Seenlandschaft und erreichen hinter Konya eine endlose Ebene,  in der Weizen angebaut wird. Erwähnenswert ist hier eigentlich nur der Vulkan Meke Gölü, der nur wenige Meter von der Hauptstraße entfernt ist. Der Kraterrand ist ein idealer Übernachtungsplatz, wir müssen allerdings unser Fahrzeug so parken, dass der Wind nicht den Schwefelgeruch zu uns trägt.

Der 3200m hohe Hasan Dagi ragt mächtig aus der Ebene hervor. Morgen wollen wir diesen erloschenen Vulkan besteigen und beziehen erst mal unser „Basislager“ auf 2000m Höhe. Eine gut befahrbare Straße führt dorthin. Es ist Sonntag und ein paar türkische Familien picknicken hier bei den angenehmen Temperaturen.

Woher kommen eigentlich die vielen Patronenhülsen? Was kann man hier direkt neben der Straße jagen? Die Antwort auf diese Fragen erhalten wir, als ein klappriger Renault neben uns anhält und vier Burschen aussteigen. Einer hält eine Schrotflinte in der Hand und feuert auch sofort auf einen kleinen Falken, der neben uns die Thermik nutzt.  Der Schütze verfehlt sein Ziel. Als er unsere verdutzten Gesichter sieht, packt ihn doch das schlechte Gewissen. Die vier steigen wieder ein und brausen ab. Weiter oben hören wir sie dann weiter heftig ballern.

>>Dumme Jungs schießen Vögel. Nix gut<<

Ein Alter Mann kommt auf unser Wohnmobil zu und stellt sich als Käser vor.

>>Hab vor 30 Jahren in Deutschland gearbeitet, aber nicht mehr sprechen gut<<

So schlecht ist sein Deutsch gar nicht und er erzählt, dass er eigentlich unten im Dorf wohnt, aber im Sommer mehrere Wochen hier hochkommt und dann in seinem Ford Transit wohnt. Immer wieder kommt er zum Tee vorbei, so haben wir Gesellschaft und erfahren einiges über diese Gegend.


Hasan Dagi vom „Basis Lager“ aus gesehen …

… türkische Familien picknicken hier

Am nächsten Morgen brechen wir im Morgengrauen zum Gipfelsturm auf. Ein herrlicher Tag kündigt sich an. Auf halber Höhe treffen wir auf eine Schafherde, die wir wegen der riesigen Hunde großräumig umgehen wollen. Doch einer der Schäfer hat uns schon entdeckt und winkt uns heran. Die Hunde sind total friedlich und wir setzen uns zu den beiden Hirten, die gerade beim Frühstück sind. Natürlich werden wir zum Tee eingeladen, der auch hier oben am Feuer frisch gebrüht wird. Eine Unterhaltung ist wegen fehlender Sprachkenntnisse leider kaum möglich, trotzdem es ist ein ganz besonderes Gefühl hier oben  so willkommen geheißen zu werden. Die Hunde tragen alle ein großes Halsband aus Stahl mit Dornen nach außen. So können sie es besser mit den Wölfen aufnehmen, wenn die wieder mal ein Schaf reißen wollen. Schon Käser hat gestern erzählt, dass es hier in der Gegend viele Wölfe gibt.

Beim Abschied geben uns die Hirten noch einen Tipp, wie wir am Besten auf den Gipfel kommen. Dieser erweist sich als sehr hilfreich, denn Wege gibt es hier nicht. Ganz oben, als die dicken Wolken doch noch verschwinden, haben wir einen erhabenen Blick auf die Vulkanlandschaft unter uns. Toll.

Die Tuffsteinwelt in Kappadokien

Kappadokien ist eines der Top Urlaubsziele in der Türkei. Rund um Göreme besteht die Landschaft aus bizarren Tuffsteinformationen in Weiß- und Rottönen. Doch damit nicht genug, in den Tuffsteinen haben verfolgte Christen in byzantinischer Zeit Kirchen, Wohnungen und Stallungen in das weiche Gestein gehauen. Ein Top-Gebiet zum Wandern und Entdecken, also genau das Richtige für uns.

Unser Einstieg in die Welt der Tuffsteine und Undergroundcitys ist die Ihlara Schlucht. Die Bezeichnung Grand Canyon der Türkei ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Doch schön ist es in der Schlucht mit dem Fluss und den schattigen Bäumen schon. An den Wänden befinden sich die in den Tuffstein gehauenen Kirchen und Gebäude. Nur ein kleiner Teil ist wirklich erschlossen, der Rest muss entdeckt werden. Es macht Spaß die unterirdischen Gänge und Räume mit einer Taschenlampe zu erkunden. Ein wenig Kletterei und Trittsicherheit ist dabei allerdings schon erforderlich. Ungläubig schauen wir zwei deutschen Touristen nach, die einfach so an einer dieser „Attraktionen“ vorbeiwandern. In ein paar Tagen werden wir sie besser verstehen, dann werden auch wir mehr als genug Tuffsteinhöhlen gesehen haben.

Die angeblich größte Underground-City der Welt in Gaziemir ist es wohl nur auf dem Schild, aber sie ist trotzdem interessant und vor allem haben wir sie ganz für uns alleine.

Dann erreichen wir das Zentrum des Tourismus. An den Aussichtspunkten fotografieren Busladungen von Touris aus aller Welt. Übrigens ist der Megatrend bei den Asiaten derzeit das „Selfiestöckchen“, an dem das Smartphone angebracht wird. So kann dann ein Selbstportrait aus einem halben Meter Entfernung mit der jeweiligen Reiseattraktion geschossen werden. Einfach genial.


Stallungen in einer Undergroud City

Der Megatrend: Das Selfiestöckchen

Erst mal fahren wir auf einen modernen Campingplatz mit Waschmaschine. Vielleicht können wir hier ja auch Kontakte zu Leuten knüpfen, die in Richtung Osten unterwegs sind? Aber Fehlanzeige, hier sind nur französische und italienische Wohnmobilreisegruppen. Als die Wäsche trocken ist, ziehen wir auf einen freien Stellplatz beim „Love Valley“ um. Das ist schon was anderes! Zum Sonnenuntergang über den kuriosen Felsformationen tönt Musik von Pink Floyd aus unseren Lautsprechern. Davon angezogen kommt ein türkischer, etwas freakiger Reiseführer mit seiner chinesisch-amerikanischen Couchsurferin zu uns an den Tisch. Wir verbringen zusammen einen stimmungsvollen Abend mit Bier und Wein.

Einen Besuch ganz anderer Art bekommen wir am nächsten Tag. Ein Imam (das ist Vorbeter in einer Moschee) geht „unauffällig“ mit seinem Bruder um unser Wohnmobil.  Wir winken und rufen

>>Chai?<<

Die beiden setzen sich zu uns. Als ich den Imam frage, ob der Ruf von der Moschee eigentlich wirklich immer live ist, steht er auf und singt mit voller Stimme „Allah hu akbar“ hinunter ins Love-Valley. Hoffentlich ist da kein Gläubiger versehentlich zum Gebet gegangen.

Nach zwei Tagen wechseln wir unseren Standort, um einen anderen Teil Kappadokiens zu erkunden. Auch hier finden wir einen schönen Platz. Kaum haben wir eingeparkt, so bekommen wir Gesellschaft. Ein Allrad-Renaultbus mit einer französischen Familie hält neben uns. Francoise und Olivier sind mit ihren drei Kindern auf Weltreise. Vor einem Monat sind sie gestartet und wollen drei Jahre unterwegs sein. Ihre drei Kinder unterrichten sie selber bzw. der Unterricht und die Tests werden über das Internet abgehalten. Ein Abend bleibt Zeit zum Erzählen, dann muss die nette Familie wieder weiter. Aber wir werden uns sicher noch einmal treffen. Endlich sind wir auf andere Fernreisende gestoßen, wir haben schon geglaubt, es ist niemand in Richtung Iran unterwegs.


Freier Stellplatz beim Love Valley …

… und beim Rosevalley mit der französischen Weltreisefamilie

Jeden Tag, wenn es um sechs Uhr morgens  dämmert,  dann beginnt ein Spektakel ganz besonderer Art. 100 Heißluftballone, jeder mit ungefähr zwanzig Touristen beladen, steigen auf, um über den Tälern Kappadokiens zu schweben. Manchmal fliegen die Ballone nur wenige Meter an uns vorbei, die Passagiere winken uns dann zu. Gemütlich, beim Frühstück beobachten wir die Landung der Ballone mit der anschließenden Champagner-Feier. All dies ist sehr interessant dies zu beobachten, selber fliegen wir aber dann doch nicht. Das Ganze ist uns einfach zu kommerziell, wir bleiben lieber bei unseren Wanderungen.


Die Ballonflüge sind schön zu beobachten…

… aber für uns zu kommerziell und eng

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