Von Malawi nach Sambia

29.09.2016 - 01.11.2015

Malawi

Das kleine, langgezogene Land Malawi gehört zu den ärmsten der Welt. Der Tourismus ist hier eine wichtige Einnahmequelle. Auch wir treffen hier auf die ersten Reisenden seit Sansibar. Wir sind im „touristischen“ südlichen Afrika angelangt. Wobei touristisch hier relativ ist und nicht mit europäischen Urlaubsländern zu vergleichen. Die Einreise erfolgt unkompliziert. Außer für die an der Grenze erhältlichen Visa müssen wir nichts bezahlen.

Tse Tse Fliegen bei 40 Grad

Unsere Befürchtung, dass in einem so dicht besiedelten Land kein Platz mehr für Tiere ist, erweist sich als unbegründet. Im Liwonde Nationalpark können wir unzählige Antilopen und Elefanten beobachten. Wir nächtigen sehr stimmungsvoll an der Parkgrenze im „Bushmans Baobob“ Camp. Da das Camp nahe am Fluss liegt, halten sich auch hier viele Tiere auf. Erfreulicherweise gibt es dieses Wildniserlebnis zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Weniger erfreulich sind die Hitze und die vielen TseTse Fliegen. Vor allem die Kombination von beiden. Teilweise müssen wir auf unseren Gamedrives mit geschlossenen Fenstern fahren und bei über 40° in der Kabine schmoren.


Camp im Bushmans Baobab

Ausgetrocknete Savanne im Liwonde Nationalpark

Holztransporte auf zwei Rädern

Nur 50 Kilometer weiter und 1000m höher sitzen wir mit dicken Fließjacken leicht fröstelnd am Lagerfeuer. Es riecht würzig nach Wald, ein klarer Bach plätschert neben uns. Unglaublich, welch angenehmes Klima hier oben auf dem Zomba Plateau herrscht! Das Gelände einer ehemaligen Forellenfarm ist nicht nur ein toller Lagerplatz, sondern eignet sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für Wanderungen. Alleine und mit einem Führer marschieren wir durch Kiefernwälder zu Seen und Aussichtspunkten. Entlang der Flusstäler gibt es Wasserfälle und sehr schöne Urwaldreste. Ansonsten wird intensive Holzwirtschaft betrieben. Ganze Baumstämme werden auf den Schultern der Männer über weite Strecken getragen. Ein beliebter Holztransporter ist auch das Fahrrad (siehe Bild). Es bleibt uns ein Rätsel, wie es diese Männer schaffen, über die steilen Straßen heil ins Tal zu gelangen. Umgerechnet sechs Euro bekommt man pro Fuhre. Doch davon muss er auch noch die Lizenz fürs Holzschlagen bezahlen. Eher untypisch für Afrika wird nicht nur Holz abtransportiert, sondern auch aufgeforstet.


Flusstal auf dem Zomba Plateau

Holztransport auf zwei Rädern

Urlaub im ‚Fat Monkeys‘

Der Malawi See ist ein beliebtes Urlaubsziel. An den schönen Buchten gibt es deshalb Camps und Ressorts aller Kategorien. Wir entscheiden uns für Cape Maclear am Südufer des Sees. Das „Eagles Nest“ ist bei Overlandern bekannt als schöner, ruhiger Campsite. Leider sind die guten Plätze bereits durch zwei italienische und ein deutsches Expeditionsmobil belegt.
Im „Fat Monkeys“ finden wir eine tolle Alternative. Unter riesigen Mangobäumen ist nun eine Woche „Urlaub“ angesagt. Das Baden im Malawisee ist problematisch, weil es gerade hier im Süden Bilharziose gibt. Diese Krankheit wird durch Schnecken als Zwischenwirt an den Menschen übertragen und führt unbehandelt zu schweren Organschädigungen. Auch wenn es die Möglichkeit gäbe, ein Medikament „auf Verdacht“ nach Ende des Badeaufenthalts zu nehmen, verzichten wir trotzdem auf ein Bad in Ufernähe. Doch mit Mathias Schlauchboot können wir zu einer vorgelagerten Insel paddeln, wo es keine Bilharzariose geben soll. Gut, dass wir unsere Schnorchelausrüstung dabei haben! Tausende kleiner, bunter Fische geben uns das Gefühl durch ein Aquarium zu schwimmen. Tatsächlich stammen viele unserer Aquarienfische von hier.


Im Fat Monkeys unter riesigen Mangobäumen

Mit Mathias Boot zum Schnorcheln

Jeden Morgen, gleich nachdem es hell geworden ist, unternehme ich mit Silvia einen ausgedehnten Spaziergang am Strand. In diesen kühlen Morgenstunden herrscht hier unglaubliches Leben: Frauen waschen Geschirr, Fischer entladen ihre Boote, Männer schäumen sich mit Seife ein, auf Feuern brodeln Töpfe, Fische trocknen auf Holzgestellen. Zwischen all den Menschen watscheln Enten und Hunde knurren uns fremde Eindringlinge an. Überall wird fröhlich palavert. Touristen beäugt man neugierig, aber unaufdringlich. Ein Mann mit einem beladenen Fahrrad spricht uns in gutem Englisch an:

>>Dies ist mein mobiler Shop. Ich verkaufe Kekse, kühles Wasser und allerlei Kleinkram<<

Ob denn die Geschäfte gut laufen, fragen wir ihn.

>>Ja, die Leute kaufen gerne bei mir, so verdiene ich etwas Geld dazu.<<

Wir treffen Mr. Vision jeden Tag, er wartet schon und freut sich, uns zu sehen. Als ich ihm am letzten Tag ein kleines Schweizer Taschenmesser schenke,  ist er ganz gerührt.


Morgens am Malawi See

Unser Freund Mr. Vision

Gerne wären wir noch länger am Strand von Cape Maclear geblieben, doch so langsam kommt die Regenzeit näher und bis dahin erwarten uns noch einige Offroadstrecken, für die wir trockenes Wetter brauchen.

Malawis Hauptstadt Lilongwe ist eine typisch afrikanische Großstadt ohne Besonderheiten. Wir nutzen die guten Einkaufsmöglichkeiten in den Supermärkten und treffen unsere Bekannten Ulla und Theo. Die beiden haben etwas außerhalb ihren Toyota BJ-45 abgestellt und sind seit Jahren immer wieder hier, um das Fahrzeug endlich einsatzfähig zu kriegen. Wir hoffen mit ihnen, dass es diesmal mit dem Einbau einer neuen Hinterachse endlich klappt.


In Malawis Hauptstadt Lilongwe

Viel Glück Ulla und Theo

Sambia

Malawi hat uns gut gefallen, doch nun sind wir nun auf das nächste Reiseland gespannt: Sambia. Der Grenzübertritt ist nervig und langwierig. Erst knöpfen uns die aufdringlichen Wechsler mit einem Trick Geld ab. Dann warten wir ewig bis der Bankangestelle von seiner Mittagspause zurückkehrt und schließlich funktioniert der Computer zur Berechnung der Strassensteuer nicht richtig. Das System lässt die Eingabe „Klein-LKW mit zwei Achsen“ nicht zu. Der Beamte besteht nun darauf, die viel höhere Steuer für LKW mit drei Achsen zu berechnen. Dies führt zu langwierigen Diskussionen. Am Ende bezahlen wir nur für eine kurze Fahrtstrecke und hoffen, dass die Bescheinigung später nicht mehr kontrolliert wird.

Trauernde Elefanten im South Luangwa

Zum Ende der Trockenzeit ist das Land im Nordosten Sambias ausgebrannt. Das Gras ist braun, die Bäume haben keine Blätter, die meisten Flüsse sind ausgetrocknet. Die Natur lechzt nach Regen. Für uns ist gerade noch Zeit, die Luangwa Nationalparks zu besuchen. Schon bald werden Regenfälle die meisten Pisten unpassierbar machen. Jetzt ist es ideal Tiere zu sichten, weil sich diese an den wenigen Wasserstellen versammeln.


Ausgebranntes Land…

… die Tiere müssen ans Wasser kommen

Die Lodges in und auch außerhalb des South Luangwa Parks sind hochpreisig. Eine Übernachtung startet bei 400€ pro Person und hört bei 1000€ noch lange nicht auf. Doch der Campingplatz des Wildlife Camp bietet eine günstige Alternative, die nicht weniger stimmungsvoll ist. Wir parken direkt am Ufer des Luangwa Flusses und können von hier aus die Tiere im Liegestuhl mit einem Bier in der Hand beobachten. Elefantenherden schreiten durch das Wasser, Flusspferde grunzen, Antilopen kommen ans Ufer. Im Camp werden wir ständig von Affen beobachtet, die jede Gelegenheit nutzen, etwas Essbares zu klauen. Wir wehren uns erfolgreich mit unserer Steinschleuder. Mein Volltreffer auf ein Affenmännchen spricht sich schnell herum. Von nun an reicht es, die Schleuder nur zu zeigen und schon stieben die Affen davon. Auch nach Einbruch der Dunkelheit ist die Show noch nicht zu Ende. Im Schein unserer starken Taschenlampe sehen wir drei Löwen mit großen Sätzen den Fluss überqueren. Ein vierter Löwe wird von Flusspferden attackiert und muss den Rückzug antreten.


Beobachtung vom Logenplatz

Diebische Affen

Auf zwei Gamedrives besuchen wir das Innere des Parks und können einen Leoparden mit Riss im besten Morgenlicht auf einem Baum beobachten. Sogar die seltenen Wilddogs kriegen wir zu sehen. Am nächsten Morgen sehen wir viele Geier in den Bäumen, das deutet auf einen Kadaver hin, bei dem auch Raubkatzen sein könnten. Nicht ganz legal machen wir uns Offroad auf die Suche und stoßen auf einen verendeten Elefanten. Der Rest der Herde steht um den schon ziemlich aufgefressenen Kadaver und trauert. Eine bewegende Szene. Erst später erfahren wir, dass der Elefant von einem Ranger erschossen wurde, da er auf einer Walking Safari Touristen angegriffen hat.


Leopard am Morgen

Geier am Elefantenkadaver

Ein paar Tage bleiben wir in der großartigen Wildnis und beneiden die Touristen in den Luxuslodges eigentlich nur um ihre Klimaanlage. Es ist fürchterlich heiß, das Thermometer steigt Mittags auf 40 Grad. Da hilft es nur noch träge im Schatten zu liegen, selbst Denken ist dann zu anstrengend. Gegen Abend bei nur noch 36° erwachen dann langsam die Lebensgeister wieder. Dennoch wickeln wir uns zum Einschlafen in ein feuchtes Leintuch und lassen den Ventilator auf uns blasen. In den Morgenstunden, der schönsten Zeit des Tages, ist es mit gut zwanzig Grad angenehm kühl.

Die erste Reifenpanne

Die Fahrt auf kleinen Pisten in den North Luangwa Park ist abenteuerlich. Es gibt kein Mobilfunknetz, keinen Strom, keine Werkstätten. Hätten wir jetzt ein Problem, dann müssten wir trotz Satellitentelefon lange auf Hilfe warten. Andererseits ist so ursprüngliches Afrika selten geworden: In kleinen Dörfern beobachten wir die Bewohner bei der Mangoernte, nächtigen neben Hunderten von Flusspferden und begegnen nur ganz selten anderen Fahrzeugen.


Eine Nacht neben Hunderten von Flusspferden

Dorfbewohner bei der Mangoernte

Oben im Norden müssen wir den Fluss Luangwa queren. Das sollte bei dem niedrigen Wasserstand kein Problem sein. Silvia geht die etwa 30 cm tiefe Furt zu Fuß ab, ich folge mit Benito. Alles klappt prima, doch auf der anderen Seite ist tiefer, weicher Sand. Also Luft ablassen. So können wir problemlos weiterfahren, doch die Reifenflanken sind nun empfindlich gegen spitze Gegenstände. Und so passiert es, dass ein spitzer Ast unseren neuwertigen, gerade erst gewechselten Reifen an der Seite komplett aufschlitzt. So unglaublich es klingt, doch es ist die erste Reifenpanne meines Lebens (nach vielen hundertausenden von Kilometern auf Motorrädern, PKW’s und LKW’s). Der Reifenwechsel ist zwar bei der Hitze im Weichsand anstrengend, doch ansonsten nicht weiter tragisch, denn wir haben ja noch zwei weitere Reservereifen. Wir ahnen noch nicht, dass nur wenige Tage später ein weiterer Reifen auf der Teerstrasse mit lautem Knall zerreißen wird.


Die Furt über den Luangwa…

… führt zur ersten Reifenpanne

Das Treffen der Flughunde

Wir setzen die Fahrt durch den North Luangwa Park fort. Offensichtlich wird dort viel gewildert, denn die wenigen Tiere sind sehr scheu und flüchten sofort vor uns. Über steile Anstiege fahren wir aus dem Luangwa Tal das Escarpment hoch. Wir genießen die angenehmen Temperaturen auf 1200m. Die Bäume haben gerade frisches Laub ausgetrieben.

Auf dem Weg nach Sambias Hauptstadt Lusaka erholen wir uns einige Tage an einem kleinen See und besuchen dann nochmals einen Nationalpark. Hier erwartet uns ein besonderes Spektakel: Jedes Jahr ab November versammeln sich im Kaskanka Park Millionen Flughunde aus dem Kongo. Sie hängen tagsüber in den Bäumen und steigen abends gemeinsam in die Luft. Begleitet von einem Ranger gehen wir pünktlich zur Dämmerung auf eine große Wiese. Da heute der erste kräftige Regenschauer dieser Saison niedergegangen ist, erleben wir eine besondere Stimmung. Insekten schwirren, es riecht intensiv nach Erde. Erst sind es nur ganz wenige, dann fliegen Tausende oder Millionen Flughunde am Abendhimmel. Nach einer halben Stunde wird es dunkel und das beeindruckende Naturerlebnis geht zu Ende.


Relaxen am Lake Waka Waka

Unzählige Flughunde am Abendhimmel

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29.09.2016 - 01.11.2015
Von Malawi nach Sambia


Malawi: Tse Tse Fliegen bei 40 Grad. Holztransporte auf zwei Rädern. Urlaub im ‚Fat Monkeys‘.
Sambia: Trauernde Elefanten im South Luangwa. Die erste Reifenpanne. Das Treffen der Flughunde.


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28.11.2016 - 29.12.2016
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