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Von Sambia nach Namibia

03.11.2016 - 22.11.2106

Werkstattbesuch in Lusaka

Benito unser tapferes Expeditionsmobil weist viele „Kampfspuren“ auf: Unzählige Kratzer an Lack und Fenstern, kleine Dellen von Ästen, diverse neue Schweißnähte. Die Truma Gasheizung ist defekt, der Bremsschutz klappert, das Badfenster ist gebrochen. Diese und weitere „Kleinigkeiten“ sind nicht wirklich schlimm. Doch zwei andere Dinge machen uns Sorgen. Da ist zum einen das Reifenproblem: Zwei unserer drei Reservereifen haben wir unlängst zerstört und die übrigen Reifen nutzen sich schneller als erwartet ab. Problem Nummer zwei betrifft die Motorelektronik. Bisher -glücklicherweise nur ein paar mal- leuchtet beim Starten die Warnleuchte „EDC“ auf und der Motor läuft nur im Notprogramm. Starten wir nochmal, ist sofort alles wieder ok. Unsere Befürchtung ist, dass sich da ein ernster Schaden ankündigt. In Lusaka, der Hauptstadt Sambias, betreibt der deutsche Carsten Krüger eine Werkstatt. Er hat bei Travellern einen guten Ruf und kennt sich vor allem mit Mercedes aus. Bei ihm erhoffen wir uns Hilfe.


Der passt so ungefähr.

Der alte Reifen ist nicht mehr zu retten

Carsten hört sich unsere Probleme an:

>>Bei den Reifen werden wir schon eine Lösung finden, auch wenn es eure Größe hier nicht gibt. Und bei dem EDC-Elektronikproblem schauen wir gleich mal nach, ich kann ja den Fehlerspeicher auslesen.<<

Benito wird an einen Computer angeschlossen, der auch gleich Zugriff auf die Elektronik hat. Doch leider (oder Gott sei Dank?) ist der Fehlerspeicher leer und so kann uns Carsten nicht weiterhelfen. Es bleibt die Hoffnung, dass das Elektronikproblem auch künftig nur sehr sporadisch auftritt.

Während Carstens Mechaniker ein paar Schweißarbeiten erledigen, bringt er uns zu einem Reifenflicker, der es sich tatsächlich zutraut den Reifen mit der aufgerissenen Flanke zu reparieren. Das Ergebnis sieht gar nicht so schlecht aus, doch ohne Not werden wir diesen Reifen sicher nicht mehr benutzen.
Anschließend fahren weiter zu einem Händler, der in einer riesigen Halle Gebrauchtreifen verkauft. Auch er hat unsere Reifengröße nicht, doch er führt uns zielsicher zu einem gut erhaltenen, japanischen Winterreifen.

>>Den könnt ihr nehmen, der passt auch<<

Er rollt den Reifen raus und wir halten ihn neben unser Original. Naja, ein wenig höher und breiter ist er schon, doch auch Carsten meint, das würde schon gehen. Beim deutschen TÜV dürften wir so nicht auftauchen, aber wir sind ja in Afrika!

Nach einem Tag in der Werkstatt verabschieden wir uns von Carsten, der uns noch den deutschen Metzger Josef gleich nebenan empfiehlt. Bei ihm kaufen wir richtigen Schinken, würzige Knacker und leckere Schweinswürstel. Unser kulinarisches Heimweh nach Deutschland ist somit erst mal gestillt.

Über eine gute Teerstraße verlassen wir Lusaka in Richtung des Flusses Sambesi.

Benitos Grenzen an der Leopard Hill Road

Mehrere Leute in Lusaka haben uns versichert, dass sich die „Leopard Hill Road“ hinunter zum Sambesi problemlos befahren lässt. Landschaftlich wäre es da viel schöner als auf der Hauptstraße. Anfangs sind wir angenehm überrascht, denn die Straße ist sogar geteert. Die bewaldeten Berge sind wirklich sehr reizvoll und Einsamkeit lieben wir ja auch. Doch dann endet der Teerbelag abrupt und nach ein paar Kilometern finden wir uns auf einer Piste wieder, die unser Fahrzeug hart an seine Grenzen bringt. Die Auswaschungen sind tief, das Differenzial kratzt immer wieder an herausstehenden Felsen oder im Dreck. Einmal müssen wir sogar Steine unterlegen. Manche Passagen sind so steil, dass wir nur mit Hilfe aller Sperren gerade mal so hochkommen. Bergab ist es nicht besser, da rutschen wir auf losem Untergrund schon mal ein Stück. Seitliche Schräglagen stellen unsere Nerven auf eine harte Probe. Dabei haben wir noch Glück, dass es trocken ist, denn sonst hätte selbst Mathias’s Unimog keine Chance gehabt. Doch schließlich ist es geschafft, die Piste wird nach 25km wieder besser und wir sehen unten den Sambesi fließen. Bald werden wir entspannt bei einem „Castle Lager“ sitzen.


Extreme Steigungen…

… doch dann ist es geschafft: Vor uns liegt der Sambesi.

Mehrtägige Kanutour auf dem Sambesi

Rückblick: Vor vielen Jahren habe ich auf dem Sambesi eine spannende, unvergessliche Kanutour unternommen. Mehrere Tage waren wir damals mit Zelten unterwegs und hatten unzählige Tiersichtungen. Oft trennten uns nur wenige Meter von den Flusspferden.

Jetzt, über 20 Jahre später, stehe ich wieder vor beladenen Kanus. Erneut wollen wir vier Tage auf dem Sambesi paddeln, der hier die Grenze zwischen Simbabwe und Sambia bildet. Kann man das Erlebnis von damals wiederholen? Gibt es die vielen Tiere immer noch oder haben Wilderer den Bestand dezimiert?

Erwartungsvoll paddeln wir los. Unser Guide „T.K.“ fährt voraus, bei ihm vorne sitzt Mathias. Silvia und ich folgen dahinter, im letzten Boot sitzen zwei Deutsche aus Leipzig. Die Organisation der Tour haben wir der Firma „Seahorse Safaris“ überlassen, bei der alles perfekt geklappt hat.

>>Look, Elefants!<<

„T.K.“ deutet auf das Ufer, wo eine Gruppe Elefanten friedlich im Gras steht. Das geht ja gut los! Wir steigen aus den Booten und beobachten die Tiere eine Weile. Sie lassen sich durch uns nicht stören.


Die ersten Paddelschläge…

… vorbei an Hippos und Elefanten

Um die Mittagszeit wird die Hitze unerträglich, auch wenn wir uns ständig mit kühlem Flusswasser übergießen. Deshalb legen wir am Ufer an und setzen bzw. legen uns unter einen schattigen Baum. „T.K.“ bereitet ein leichtes Lunch, das wir mit Blick auf Flusspferde und Elefanten essen.

Als die Hitze nachlässt, sind wir wieder auf dem Fluss und paddeln an einigen Krokodilen vorbei. Die Strömung des etwa 100m breiten Sambesi ist hier so stark, dass wir uns entspannt treiben lassen können. Ohne allzu große Anstrengung erreichen wir so eine Sandbank, auf der wir die Nacht verbringen. Während „T.K.“ unser Abendessen kocht, bauen wir noch etwas unbeholfen die Zelte auf. Dann zeigt uns „T.K.“ einen Platz am Flussufer:

>>Hier könnt ihr euch waschen. Aber geht nicht in der Nacht dorthin, denn das ist wegen der Krokodile zu gefährlich.<<

Bei einem beeindruckenden Frosch-/Grillenkonzert geht rot die Sonne unter. Die Temperaturen sind jetzt erträglich, wir freuen uns auf das Abendessen.


„T.K.“ entlädt die Kanus

Das erste Camp auf einer Sandbank

In der Morgendämmerung hören wir „T.K.“ mit dem Geschirr klappern. Er bereitet uns Kaffee. Auch wir stehen auf, bauen die Zelte ab und sind nach kurzer Zeit abfahrbereit. Es gilt die kühlen Morgenstunden zu nutzen. „T.K.“ kennt die schönsten Plätze am Sambesiufer. Auf der Simbabweseite legen wir mitten im Naturschutzgebiet an und unternehmen vor dem Frühstück einen kleinen Spaziergang.

>>Eigentlich ist das illegal, doch hier sind keine Ranger. Wichtig ist es, dass wir immer als Gruppe zusammenbleiben, so sind wir sicher vor Löwen.<<

Gemeinsam marschieren wir ein kleines Flusstal entlang und sichten ein paar Antilopen. Viele Tierspuren kreuzen unseren Weg, darunter auch die frische Fährte eines großen Löwen.

Ohne die beiden Leipziger, die eine kürzere Tour gebucht haben, paddeln wir gemächlich weiter flussabwärts. Erneut übernachten wir auf einer Sandbank, die wir diesmal mit einer Elefantenherde teilen. Während die Elefanten ganz in unserer Nähe grasen, blitzt und donnert es aus zwei Himmelsrichtungen. Die untergehende Sonne strahlt unwirklich in die dunklen Wolken. Welch biblische Atmosphäre, Afrika zaubert mal wieder!


Jetzt bloß nicht aus dem Kanu fallen

Das zweite Camp auf der Elefanteninsel

Wir sind gerade mit dem Abendessen fertig, da beginnt es zu regnen. Es sind hier die ersten Regentropfen nach der langen Trockenzeit. Als wir schon in den Zelten liegen, kommt heftiger Sturm auf. Sand weht uns durch die Moskitonetze in die Augen. Wir haben Angst, dass unser Zelt unter dieser Belastung zusammenbricht. Doch es hält und nach zwei Stunden beruhigt sich die Lage langsam wieder.

Am nächsten Morgen ist es bewölkt. Die Hitze hat nachgelassen, doch nun macht starker Gegenwind das paddeln so richtig anstrengend.

Für den letzten Abschnitt erwarten wir das große Finale, waren doch „damals“ gerade hier unzählige Büffel, Antilopen und Flusspferde zu sehen. Diesmal werden wir enttäuscht. Auf der Sambia Seite reiht sich Lodge an Lodge, hier ist kein Platz für Tiere mehr. Auf der Simbabwe Seite wäre vielleicht mehr zu sehen, doch dort achten Ranger und Lodgebesitzer streng darauf, dass Gruppen aus Sambia nicht zu nahe kommen. Das Wildnisfeeling wird auch durch zahlreiche laute Motorboote getrübt. Ich frage „T.K.“ wo denn all die Tiere geblieben sind.

>>Der Milzbrand hat hier gewütet und viele Tiere, vor allem Flusspferde, sind gestorben. Wir haben vielleicht noch 10- 20% des Bestands von früher.<<

Naja, ich vermute der Schwund hat andere Ursachen, zum Beispiel die Wilderei.

So erreichen wir ziemlich unspektakulär gegen Mittag des vierten Tages unser Ziel. Wir laden die Boote auf einen Hänger und werden mit einem Landcruiser zurück zum Ausgangspunkt gebracht, wo wir unsere Wohnmobile unversehrt vorfinden.


Auf Landexkursion

Die Kanus werden auf den Hänger geladen

Fazit: Die Sambesitour war ein tolles Erlebnis und Vergleiche mit der „alten guten Zeit“ sollte man ohnehin vermeiden.

Die ausgetrockneten Victoriafälle

Auch bei den weltberühmten Victoriafällen bildet der Sambesi die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe. Wie schon bei unserer Kanutour, wäre Simbabwe hier die bessere Seite. Doch um dorthin zu kommen hätten wir in hohe Visakosten investieren müssen.

Mehrfach sind wir darauf hingewiesen worden, dass die weltberühmten Victoriafälle auf der Sambiaseite um diese Jahreszeit kein Wasser führen. Uns so ist es dann auch. Dort, wo während der Regenzeit auf hunderten von Metern die Wassermassen herabstürzen, blicken wir auf eine trockene Felswand. Nur ganz hinten, schon in Simbabwe, sehen wir Gischt mit einem Regenbogen darüber. Der Besuch hat sich aber trotzdem gelohnt. Auf einem schönen Weg wandern wir die Schlucht hinunter und beobachten wie die großen Schlauchboote für die Sambesi Rafting Tour gerüstet werden.


Die Victoriafälle sind trocken…

… der Spaziergang ist trotzdem schön

Wir verlassen die Stadt Livingstone mit den Victoriafällen. Gut möglich, dass wir die Fälle zu einem späteren Zeitpunkt von der anderen Seite besuchen werden. Auf teils sehr löchriger Teerstraße nähern wir uns, einen Tag vor Ablauf des Visums, der namibischen Grenze.

Elefantentreffen in Namibia

Die Grenzstadt Katima Mulilo in Namibia verursacht bei uns fast einen Kulturschock. Hier sieht es ja aus wie in Europa! Neben der Hauptstraße sind Bürgersteige, die auch benutzt werden. Ampeln regeln den Verkehr. Es gibt Shopping Malls mit Supermärkten. Die meisten Leute sind modern gekleidet und beachten uns kaum. Der Rasen  des gepflegten Campingplatzes am Sambesi wird, wir können es kaum glauben, mit einem Motormäher gekürzt.


Angekommen in Namibia

Gepflegtes Camp mit korrektem Rasenschnitt

Außerhalb von Katima Mulilo sind wir dann doch wieder in Afrika. Neben der Straße sind viele Rundhütten aus Lehm und Stroh. Die Bewohner winken uns zu und machen mit theatralischen Gesten deutlich, dass sie gerne etwas hätten. Was fehlt, sind die obligatorischen Holzkohleverkäufer am Straßenrand.
Wir durchqueren nun das Caprivi, wo Namibia nur ein schmaler Streifen zwischen Angola und Botswana ist.

Für die beiden Nationalparks Mamili und Mudumu wird nur ein geringes Eintrittsgeld verlangt. Erfreulich, das war in den anderen Ländern Afrikas bisher nicht so. In diesem ursprünglichen, nicht eingezäunten Parks sehen wir einiges an Tieren. Die tiefsandigen Pisten vermitteln zudem richtiges Afrikafeeling.

Ein absolutes Highlight ist das Camp 3 im Mudumu Park. Zwischen hohen Termitenhügeln stehen wir in totaler Einsamkeit an einem Altwasser des Flusses Kwando. Es ist alles da, was ein Camp in Afrika so einzigartig macht: Tiere, die zum Trinken ans Wasser kommen, Löwengebrüll, ein lautes Frosch- und Grillenkonzert, szenische Sonnenuntergänge. Es gefällt uns so gut, dass wir gleich drei Nächte bleiben. Am letzten Abend findet ein großes Elefantentreffen statt. In Familienverbänden kommt Gruppe um Gruppe zum Trinken und Baden. Es sind hunderte Elefanten! Die Tiere bleiben auch in der Nacht, an viel Schlaf ist deshalb nicht zu denken. Tiefes Grollen und lautstarkes Trompeten schreckt uns immer wieder auf. Es raschelt und knackt, wenn die Elefanten an den Büschen neben unserem Wohnmobil fressen. Da wir wegen der Wärme die Fenster geöffnet haben, wären wir nicht überrascht, wenn plötzlich ein Rüssel in der Kabine erscheinen würde. Auch als wir am nächsten Morgen aufstehen, sind noch immer dutzende Elefanten in der Nähe.


Der Caprivi Streifen überrascht mit tollen Nationalparks

Im Mudumu Park

Eines der schönsten Camps dieser Reise…

… mit Hunderten von Elefanten

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