Marokko – Norden

11.03.2011 - 25.03.2011

Marokko – Norden

Diese Etappe der Winterreise führt von den Ausläufern der Sahara bei Erfoud hinauf in den Hohen Atlas. Über die Orte Midelt und Azrou gelangen wir in die Königsstadt Fes, die einen längeren Aufenthalt wert ist. Dann geht’s nochmals kurz an die Atlantikküste, bevor wir bei Ceuta das Land verlassen.

Teppiche, Schluchten, Affen

>>Auch wenn wir uns nicht einig werden, wir bleiben immer Freunde!<<

Mohammed, der zusammen mit seinem Vater ein kleines Geschäft betreibt, ist ein gewiefter Geschäftsmann. Wir sind auf dem Campingplatz bei der blauen Quelle in Meski. Gleich bei unserer Ankunft hat Mohammed einen Teppich vor unserem Wohnmobil ausgerollt und uns den Platz gezeigt.  Er hat uns erklärt, dass die Fische in den klaren Becken heilig sind und uns dann auf einen Tee eingeladen. Wir haben es gleich gemerkt, dass er uns in sein Geschäft locken will. Doch irgendwie ist er der Typ bei dem wir es akzeptieren, ein wenig übers Ohr gehauen zu werden. Da wir ohnehin einen Teppich kaufen wollen haben wir gesagt:

>>Ja, wir kommen auf einen Tee<<

Den Preis haben wir weit herunter gehandelt, doch nun sind die Verhandlungen ins Stocken geraten und wir ziehen unseren letzten Trumpf:

>>Ich würde noch eine fast volle Flasche Brandy drauflegen<<

Mohammed kommt zu uns ins Wohnmobil, schaut kurz nach oben, probiert ein Gläschen und murmelt dabei:

>>Allah schaut nicht her<<

Jetzt sind wir uns fast einig, müssen noch eine Flasche Wein drauflegen, dann ist der Handel perfekt. Natürlich hat Mohammed immer noch gut verdient, doch uns gefällt der Teppich, um den wir so „hart“ gehandelt haben.

Wir lassen die Sahara hinter uns und fahren eine sehr gute Teerstraße hinauf in den hohen Atlas.  In der fast vegetationslosen Gebirgslandschaft beeindrucken rote Felsformationen, Schluchten und der Blick auf die schneebedeckten Gipfel der über 4000m hohen Giganten. Marokko ist schon ein sehr vielseitiges Land!

Bei Midelt verlassen wir die Teerstraße um ein Stück auf dem Cirque de Jaffer, einer Piste, die durch den hohen Atlas führt, zu fahren. Ein schlammbespritzter Landrover mit deutschem Kennzeichen kommt uns entgegen. Er warnt uns davor, ganz hinauf zu fahren, das wäre derzeit kaum zu schaffen. Da können wir ihn beruhigen, das haben wir gar nicht vor, wir wollen nur bis zum Eingang einer engen Schlucht. Dorthin führt ein Sträßchen steil bergab und wir parken auf einer Wiese. Hier sind wir vor dem eisigen Wind geschützt und der Platz eignet sich sogar zum Übernachten. Obwohl der Canyon auch mit Geländefahrzeugen befahrbar ist, schnüren wir lieber unsere Wanderstiefel. Eine gute Entscheidung, denn es ist hier sehr eng und steinig und die hallenden Laute von Vögeln hätten wir im Fahrzeug auch nicht gehört. Nach etwa drei Kilometern weitet sich die Schlucht, wir sind nun fast an der Schneegrenze angelangt. Der Wind weht kalt, es regnet ein wenig, wir kehren ins warme WoMo zurück. Der Wetterbericht hat weitere Niederschläge und einen Temperaturrückgang angekündigt.

>>Wenn es hier schneit, kommen wir die steile Straße niemals hoch, sitzen tagelang fest<<

Wir starten Benito und fahren in sicherere Gefilde, dort haben wir auch noch eine geniale Aussicht.

Der Schnee erwischt uns dann zwei Tage später in Azrou auf nur 1500m Höhe.

>>Nicht ungewöhnlich, auch wenn die Störche schon nisten, der Winter ist noch längst nicht vorbei<<

meint Hassan, der lange Zeit in Deutschland gearbeitet hat und hier einen Campingplatz betreibt. Lange bleibt die weiße Pracht allerdings nicht liegen, die Sonne hat bereits viel Kraft.


Vom Füttern gut genährt

Hoffentlich noch nicht geschoren

Wir wandern durch den Nationalpark, in dem nicht nur die riesigen Zedern, sondern auch wildlebende Affen geschützt werden. Die scheuen Tiere bekommen wir zunächst nicht zu Gesicht, aber manchmal glauben wir sie zu hören. Bei den Souvenirständen, neben dem Informationszentrum, werden die Affen gefüttert. Das macht sie nicht nur zahm, sondern auch aggressiv. Eines der Tiere fletscht die Zähne, springt Silvia an und krallt sich an ihrer Jacke fest. Mit Hilfe eines vorsorglich mitgenommenen Stocks kann ich den Angriff abwehren, nur die Jacke ist dreckig geworden.


Medina von Fes

Die Königsstadt Fes ist einer der Touristenmagnete Marokkos. Vor allem die Altstadt, die aus einem unentwirrbaren Knoten von Gassen und Sträßchen besteht, wird von Touristen aus aller Welt besucht. In dieser Medina befinden sich unzählige kleine Handwerksbetriebe und Geschäfte. Ein buntes Treiben wie aus 1001 Nacht soll dort herrschen. Das scheint genau nach unserem Geschmack zu sein, deshalb haben wir für Fes einige Tage eingeplant.  Auf einem etwas außerhalb liegenden Campingplatz finden wir eine sichere Basis, von der aus wir mit dem Taxi in die Innenstadt fahren können. Wegen einer Schlechtwetterphase bleiben wir jedoch zunächst am Platz und lernen dort Karl-Heinz kennen, der mit seinem MAN-Expeditionsmobil schon seit fast einem halben Jahr in Marokko unterwegs ist. Da gibt es natürlich mehr als genug Gesprächsthemen, auch weil wir gemeinsame Bekannte (z. B. die Pistenkuh) haben.
Über die Campingplatzrezeption haben wir eine Stadtbesichtigung organisiert. Safi wird uns morgen mit seinem blauen Auto abholen und sich dann den ganzen Tag für uns Zeit nehmen.


Handwerker

Transportwesen in der Medina

Nun, Safi ist am nächsten Tag nicht da, er ist leider verhindert. Statt dessen begrüßt uns Wifi, der auch noch anderen Touristen die Stadt zeigen möchte. Günstiger wird es deswegen nicht, denn – so argumentiert Wifi – schließlich musser nun einen Kleinbus mit Fahrer bezahlen. Verärgert überlegen wir, ob wir unter diesen Umständen überhaupt mitfahren sollen. Aber was soll’s! Immerhin spricht Wifi deutsch und so erleben wir mal eine „typische“ Stadtführung. Tatsächlich wirkt Fes wie aus einem Märchen: Laut rufend zieht ein Eselstreiber mit seinen bepackten Tieren an uns vorbei. In den engen Gassen sind Esel und Handkarren die einzig mögliche Transporthilfe. So können die vielen Läden beliefert werden, die Waren aller Art dekorativ anbieten. Egal ob Schuhe, Teppiche, Hochzeitsbedarf oder Gemüse, für jede Warengruppe ist eine eigene Straße oder Gasse reserviert. Ebenso ist es bei den Handwerkern: Die Schneider, Schmiede, Tischler und Gerber haben ihre Werkstätten in jeweils eigenen Vierteln. Musik und Gerüche unterstreichen diese exotische Atmosphäre.
Am liebsten würden wir uns einfach treiben lassen, doch Wifi treibt uns immer wieder zur Eile. Er ist natürlich daran interessiert, uns in möglichst viele Geschäfte zu lotsen, da er dort eine Provision verdient, falls einer aus unserer Gruppe etwas kauft. Gerade an diesen touristischen Plätzen wirkt vieles inszeniert. Zwei hübsche Mädchen knacken Argannüsse mit einem Stein, ein Mann sitzt fotogen am Handwebstuhl, ein Schmuckverkäufer präsentiert sich in Tuaregkleidung. Dem Touristen soll so eine Ursprünglichkeit vorgegaukelt werden, die es längst nicht mehr gibt. Dafür sind alle gewohnt fotografiert zu werden und es gelingen einige schöne Aufnahmen.
Als wir an einem der folgenden Tage nochmals auf eigene Faust durch die Medina schlendern, weichen wir ein wenig von den Touristenwegen ab. Sofort ändert sich die Szenerie: Die Lehmbauten wirken grau und baufällig, ein modriger Geruch liegt in den engen Gassen und den Handwerkern sieht man es an, wie hart sie ums Überleben kämpfen müssen.

Der Kreis schließt sich

Auf dem Weg von Fes an die nördliche Atlantikküste fahren wir durch ein frühlingshaft grüne Landschaft, die uns ein wenig an die Toskana erinnert. Die letzten Tage in Marokko verbringen wir entspannt am Meer, an uns bereits bekannten Orten wie Moulay Bousselham und Martil. Hier sind wir vor gut zwei Monaten zu unserem Marokkoabenteuer gestartet.
Das Land hat uns vor allem wegen seiner Vielfältigkeit begeistert: Meer, Wüsten, Hochgebirge, Wälder und Seen, ursprüngliche Dörfer und moderne Städte, gute Teerstraßen und abenteuerliche Pisten, Supermärkte und traditionelle Souks. Alles liegt nah zusammen und kann so einfach bereist werden. Nie haben wir uns unsicher gefühlt, auch von der arabischen Revolution haben wir nichts bemerkt. Besonders Silvia freut es, dass vieles recht günstig ist, insbesondere Diesel und Lebensmittel. Das Land weist für Wohnmobile eine gute Infrastruktur auf. Es ist nicht ganz einfach, den französischen Rentnern zu entfliehen, doch abseits der geteerten Straßen gelingt auch dies. Gerade dort findet man tolle freie Übernachtungsplätze.

In Martil weckt uns zum letzten Mal der Ruf des Muezzin, dann machen wir uns auf den Weg zur spanischen Grenze nach Ceuta. Genauso unkompliziert wie die ganze Reise gestaltet sich auch der Grenzübertritt. In nur wenigen Minuten sind wir in Europa eingereist.

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Route, Länder, Karte zur Etappe »Mit dem Wohnmobil in Europas Westen

Reiseberichte zur Etappe: Mit dem Wohnmobil in Europas Westen


03.10.2010 - 11.10.2010
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12.10.2010 - 14.11.2010
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14.11.2010 - 10.12.2010
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10.12.2010 - 18.12.2010
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10.02.2011 - 10.03.2011
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11.03.2011 - 25.03.2011
Marokko - Norden


Von den Ausläufern der Sahara hinauf in den Hohen Atlas. Über Midelt und Azrou gelangen wir in die Königsstadt Fes, bevor wir Marokko wieder verlassen.


26.03.2011 - 17.04.2011
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