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Nordkapp – Norwegen – Schweden

06.07.2012 - 15.08.2012

Mitternachtssonne am Nordkapp

Für fast alle Touristen ist das Nordkapp das Ziel einer langen Reise. Nördlicher kann man auf dem europäischem Festland nicht fahren. Silvia und ich dagegen, wir haben gerade den Ausgangspunkt unserer Kapp zu Kap Tour erreicht.
Schwer beladende Motorradfahrer, Radler auf großer Europareise, Wohnmobilisten und Pauschalreisende mit Bussen. Alle treffen sich hier um… ja was eigentlich? Viel gibt es am Nordkap nicht zu sehen. Ein großer Parkplatz, die Nordkaphalle mit dem Souvenirshop und den teuren Restaurants. Vom Meer und den Felsklippen ist meist eh nichts zu sehen, da sich das Kap gerne in dichten Nebel hüllt. Man ist eben hier, weil es alle sind und außerdem lockt der Superlativ am nördlichsten Punkt des europäischen Festlands zu sein.
Immerhin, heute ist das Wetter für Kappverhältnisse ausgesprochen gut. Zwar ist es kalt, doch die Sicht ist klar. Das kann sich jedoch schnell ändern, deswegen gehen wir gleich zum Klippenrand und blicken hinunter in die Barentsee. Es ist schön hier, sogar die Zahl der Touristen hält sich in Grenzen. Zusammen mit Uschi und Sigi, die wir hier wieder getroffen haben, stoßen wir mit einem Glas Sekt auf unsere Reiseträume an.  Eine Windbö erfasst Silvias abgestelltes Sektglas, es zerspringt in tausend Scherben. Ein gutes Omen!
Die Eile vor an die Klippe zu gelangen, war unnötig, denn das gute Wetter hält. Vielleicht erleben wir ja sogar die Mitternachtssonne?
Bei einer steifen Brise und fünf Grad Außentemperatur sitzen wir, zusammen mit Uschi und Sigi, im Wohnmobil und essen Risotto. Immer wieder blicken wir aus dem Fenster, um zu sehen, ob das gute Wetter hält. Währenddessen kommt auf dem großen Parkplatz ein Reisebus nach dem anderen an. Als wir später nach draußen an den Klippenrand gehen, warten Hunderte von Menschen auf das große Ereignis. Eine Gruppe Italiener zählt die Sekunden bis zwölf Uhr. Dann erleben wir alle zusammen die Mitternachtssonne, die noch erstaunlich hoch über dem Horizont steht. Trotz des Trubels irgendwie schon etwas Besonderes.


Prost, auf die Reiseträume

Mankei bei „Freunden“ im Souvenirshop

Wir bleiben noch einen weiteren Tag am Kap, denn wir wollen die Startlinie noch nicht verlassen. Lieber malen wir es uns schon mal aus, wie es am Kap der Guten Hoffnung sein könnte. Auch unser Mankei ist voller Vorfreude, es ahnt wohl nicht, welche Strapazen und Gefahren ihm in Afrika bevorstehen könnten.

Und es geht noch ein wenig mehr: Wir wandern zum wirklich nördlichsten Punkt des europäischen Festlands (seit der Tunnel fertig ist, ist das Nordkap ja keine Insel mehr). Das Wetter kann man schon als sensationell bezeichnen. Es ist fast wolkenlos und so warm geworden, dass ein T-Shirt als Bekleidung ausreicht. In der Ferne sehen wir den Nordkapfelsen mit der Halle, auf dem Meer fliegen Papageientaucher. Hier ist es so ruhig und abgeschieden, wie man sich das Ende Europas eigentlich vorstellt.

Aufbruch zur großen Reise in den Süden

Die große Reise in den Süden beginnt mit einer ganz unangenehmen Sache. In Finnland haben wir unseren 210 Liter Dieseltank randvoll gefüllt, doch nun geht die Reservelampe an. Fest entschlossen, tapfer zu sein, fahre ich eine Tankstelle an, greife zur Zapfpistole und lasse den Diesel laufen. Am Ende zeigt die Anzeige der Säule umgerechnet etwa 350 Euro an. Das ist mehr als der Tank gekostet hat, für diesen Preis würden wir auch einen neuen Laptop bekommen. Das tut weh und stimmt ziemlich nachdenklich. Auch wenn der norwegische Dieselpreis deutlich höher ist als in den meisten andern Ländern, so stellt sich doch die Frage, ob wir nicht heute schon in die Zukunft geschaut haben. Wie lange wird es noch möglich sein, mit einem Wohnmobil wie unserem zu reisen?


Spontane Wandertouren

Gletscher am Jockerfjord

Wir wischen diese Sorgen erst mal beiseite und erleben auf der E6 tolle Fjordlandschaften. Immer wieder stoppen wir für Wanderungen. Mal geht es spontan einen Berg hoch, mal wandern wir zu einem Gletscher aus dem Reiseführer oder wir besuchen spektakuläre Wasserfälle. Die Stellplatzsuche ist ein wenig schwieriger geworden, doch wir finden immer noch schöne Stellen zum Übernachten.

Ich sitze im trockenen Wohnmobil, der Regen prasselt an die Scheiben, Wolken verdecken die Berge. Ein idealer Tag um diesen Internetbericht zu schreiben. Wir sind in Nesland, einem kleinen Weiler auf den Lofoten. Die Lofoten sind eine Inselgruppe im arktischen Norwegen und ein Touristenmagnet. Die Kombination von Fjorden, schroffen Bergen, Seevögeln und erstaunlich üppiger Vegetation ist einzigartig. Damit all dies zur Geltung kommt, ist natürlich gutes Wetter die Voraussetzung und das herrscht hier recht selten. Doch die letzten drei Tage, da hatten wir nochmals großes Glück und durften die ganze Schönheit dieser Landschaft auf ausgiebigen Wanderungen erleben. Unsere Zweifel, ob sich der weite Weg hierher lohnt, waren schon am ersten Tag ausgeräumt. Wir sind über Felsen geklettert, durch Sümpfe gewatet, haben die frische Seeluft geatmet und tolle Panoramen genossen.

Mit dem Zelt im schwedischen Fjäll

Die unwetterartigen Regenfälle auf den Lofoten halten viele Stunden an. Sturmböen treiben den Regen waagrecht. Obwohl wir „im Wind“ parken, wackelt unser Wohnmobil. Durch diese extremen Bedingungen dringt sogar etwas Wasser durch Fenster und Klappen ins Innere!

>>Es ist so kalt und naß, man kann keinen Schritt nach draußen tun und der Wetterbericht verheißt keine Besserung. Ich möchte noch ein wenig von diesem Sommer haben, lass uns in Richtung Süden reisen.<<

Wir beginnen zu rechnen: Es ist nun Ende Juli, wenn wir ein paar Tage für Wanderungen im Fjäll einplanen und dann zügig nach Süden fahren, dann wären wir Mitte August zu Hause. Mit etwas Glück erleben wir dann heuer doch noch sommerliche Temperaturen.

Nach dem Entschluss nun die Heimreise anzutreten, verlassen wir die Lofoten. Die Grenze zwischen Norwegen und Schweden verläuft entlang eines Gebirgszugs mit über 2000m hohen Bergen. Die Atlantikwolken regnen sich auf der norwegischen Seite ab, in Schweden scheint dann häufig die Sonne. Genau so erleben wir es heute, als wir bei Abisko die Grenze nach Schweden überschreiten. Der Dauerregen hört auf und erstmals seit Tagen sehen wir ein Stück blauen Himmel. Wie schön, denn die nächste Unternehmung steht und fällt wieder mal mit dem Wetter: Wir wollen hier im Fjäll, der großen arktischen Wildnislandschaft, eine Mehrtageswanderung unternehmen.


Beginn des Kungsleden

Der Kungsleden startet hier in Abisko und ist wohl der bekannteste Fernwanderweg, für dessen ersten Teil man sieben Tage unterwegs ist. Trotz mehrerer Überzeugungsversuche bleibt Silvia skeptisch, denn sie ist besorgt, dass sie das nicht schafft. Nun haben wir uns auf einen Kompromiss geeinigt: Wir werden nur die erste Etappe des Kungsleden gehen, das Zelt aufbauen und von dieser Basis aus eine Tageswanderung unternehmen. Auf gleicher Strecke soll es dann wieder zurückgehen.
Ein Holzbohlenweg erleichtert die Durchquerung des Hochmoors. Nach 15 Kilometern mit den schweren Rucksäcken sind die Schritte nun etwas schwer geworden. Doch der Blick in diese Wildnis, mit den Bergen im Sonnenlicht, entschädigt uns reichlich für die Strapazen. An einem Flußlauf schlagen wir unser Zelt auf. Hier außerhalb des Abisko Nationalparks gilt das sogenannte Jedermannsrecht. Man darf an jeder beliebigen Stelle campen, solange man nicht einem Privatgebäude zu nahe kommt. Hungrig erwärmen wir nun das „Cremige Curry“, das für ein Fertiggericht gar nicht mal so schlecht schmeckt. Wir freuen uns hier zu sein!

>>Ein würdiger Abschluss dieses gelungenen Wandertags!<<


Mehrtagestour…

… Kungsleden

Auf der Tageswanderung am nächsten Tag verlassen wir den Kungsleden und folgen einem kleinen Pfad, der erst über Rentierweiden führt und sich dann in eine Quad-Spur verwandelt. Wieso ist es hier so unwegsam? In unserem Führer ist doch ein Rundweg beschrieben! Trotz GPS sind wir vom richtigen Weg abgekommen. Da jedoch die Grobrichtung stimmt und eine Umkehr viel Zeit kosten würde, versuchen wir uns eben so durch zu schlagen. Als Hauptschwierigkeit erweisen sich die vielen Nassstellen, bei denen ein falscher Schritt genügt, um knöcheltief im Morast einzusinken. Wir hätten wohl schon aufgegeben, wenn uns nicht eine frische Quad-Spur den Weg weisen würde. Ein wenig geschafft kommen wir nach einigen Stunden beim Zelt an und sind froh, daß uns das Durchwaten eines Flusses erspart geblieben ist. Das Wetter würde es erlauben, uns zur Erholung vor das Zelt zu legen, doch Schwärme von Steckmücken haben etwas dagegen. Gestern noch, am selben Platz, war es viel besser mit den Tieren. Wir bleiben deshalb drin und gehen nur zum Kochen und Essen raus. Früh kriechen wir in unsere Schlafsäcke, wir wollen zeitig aufstehen, da der Wetterbericht für den morgigen Tag schon wieder schlechtes Wetter angekündigt hat. Dies erweist sich als eine gute Idee, denn so können wir das Zelt noch trocken abbauen. Kurz nach unserem Abmarsch beginnt es dann schon zu regnen. In voller Regenmontour wandern wir bis Abisko, wo unser trockenes Wohnmobil auf uns wartet.

Heimreise


Südwärts

Bei Storfosen befinden wir uns schon ein wenig südlich vom Polarkreis. Noch einmal finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz direkt am See, wo als letzter Gruß des Nordens ein weißes Rentier an unserem Fahrzeug vorbei trabt. Direkt bei den spektakulären Wasserfällen von Storfosen herrscht dagegen schon recht reger Betrieb und als wir dann die E6 in Richtung Süden nehmen hat uns die Zivilisation endgültig wieder.

In wenigen Etappen fahren wir südlich bis Stockholm, der Hauptstadt Schwedens, wo wir noch einmal einen längeren Aufenthalt eingeplant haben. Es ist warm geworden, überall wachsen große Bäume und Nachts wird es wieder richtig dunkel. Das Besondere an der ca. 750.000 Einwohner zählenden Stadt Stockholm ist die Lage am See Mälaren, der durch eine Schleuse mit der Ostsee verbunden ist. Egal wo man sich befindet, bis zum Wasser ist es nie weit. Uns begeistert die Mischung aus Hafenatmosphäre, historischer Altstadt, modernem Großstadtleben und den fröhlichen Leuten.


Stockholm:

Pride

Diese gute Stimmung liegt aber nicht nur am schönen Wetter, sondern auch an der „Stockholm Pride„, einem großen Treffen von Schwulen und Lesben, ähnlich der Love Parade. Rein zufällig sind wir mitten in diese Veranstaltung geraten und mit lauter Musik zieht die Parade an uns vorbei. Skurrile Typen lassen Luftballons steigen, tanzen und lachen oder verteilen Kondome. Was in Deutschland nicht möglich wäre: An der Parade nehmen auch Polizisten und Militärs in Uniform teil!

Ganz besonders hervorheben möchten wir noch den Besuch des Vasamuseums in Stockholm: Hier dreht sich alles um ein gut erhaltenes Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das 1961 aus der Ostsee geborgen wurde. Die Vasa, der ganze Stolz der schwedischen Marine ist nach dem Stapellauf nach nur wenigen Metern auf See gesunken. Eine Katastrophe, nicht nur für die Ehre des Königs, sondern auch für zahlreiche Seeleute, die ums Leben kamen. Die Statik des Schiffes wurde schlicht falsch berechnet. Als wir das riesige Segelschiff aus Holz von allen Seiten betrachten, wundert es uns eigentlich nicht ….

Britt und Inge wohnen in der Nähe von Trelleborg, von wo aus wir morgen auf die Insel Rügen verschiffen wollen. Wir haben die beiden Globetrotter über das Internet kennengelernt. Spontan haben sie uns eingeladen, als sie von unserer Skandinavienreise gelesen haben. Es klappt mit dem Treffen und so lernen wir die interessanten Leute in ihrem schönen Haus kennen und erfahren noch einiges über Schweden, was nicht im Reiseführer steht. Vielen Dank für die leckere Verpflegung und den schönen Abend und alles Gute für die nächste Südamerikareise!

Nach vier Stunden auf der Fähre Trelleborg – Sassnitz erscheinen die Kreidefelsen von Rügen und kurz darauf betreten wir deutschen Boden. Wie erhofft herrscht richtig sommerliches Wetter, was natürlich auch zahlreiche Urlauber lockt. Wir verbringen einige schöne Tage auf Rügen, schlendern durch das Ostseebad Binz und besuchen den Nationalpark Jasmund mit dem (Leih-)Fahrrad.

Vorbei an Berlin besuchen wir Dresden, bleiben dort zwei Tage um dann über Prag nach Hause zu fahren. Die erste Etappe unserer Tour vom Nord- zum Südkap ist zu Ende. Doch in einer Buchhandlung in Dresden haben wir bereits in Reiseführen für die Türkei, Iran, Oman und Tansania geblättert. Die Vorbereitung für die zweite, sicherlich spannende Etappe, beginnt in Kürze. Vielen Dank fürs Mitreisen, wir halten Euch auf dem Laufenden.

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Route, Länder, Karte zur Etappe »Mit dem Wohnmobil in Europas Norden

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Der große Reiseabschnitt beginnt in Tschechien und Polen.


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Der Via Karelia entlang durch Finnland und Norwegen


06.07.2012 - 15.08.2012
Nordkapp - Norwegen - Schweden


Vom Nordkapp durch Norwegen und Schweden zurück nach Hause.