Portugal

14.11.2010 - 10.12.2010

Portugal

Wäre das kleine Hinweisschild nicht gewesen, so hätten wir den Grenzübertritt von Spanien nach Portugal nicht bemerkt, denn landschaftlich bleibt zunächst alles beim Alten: Der tosende Atlantik trifft auf zerklüftete Felsformationen oder weite Sandstrände, das Hinterland ist grün. Zunächst freuen wir uns, dass wir die portugiesischen Texte recht gut lesen können. Als uns aber beim Einkaufen die Verkäuferin anspricht ist sofort klar, dass wir Portugiesisch weder sprechen noch verstehen werden.

Porto

In der Großstadt Porto nächtigen wir aus Sicherheitsgründen lieber auf einem Campingplatz, obwohl dieser in den Außenbezirken liegt. Ein Radweg macht es einfach, am Meer und dem Fluss Douro entlang ins Zentrum zu gelangen. An diesem strahlenden Sonntagmorgen sorgt ein Stadtmarathon für eine ganz besondere Stimmung. Die Straßen sind für Autos gesperrt, doch wir dürfen mit den Fahrrädern passieren. Die Anfeuerungsrufe gelten nicht uns, sondern den schwitzenden Läufern, die wir vorsichtig überholen. Aus improvisierten Buden am Straßenrand tönt Musik und Schwärme von lärmenden Möwen betrachten sich das Spektakel aus der Luft.
Stimmungsvoller hätte die Stadtbesichtigung nicht beginnen können!

Wir ketten die Räder an einen Laternenpfahl, um die hügelige Stadt zu Fuß zu erkunden. Heute und auch an den folgenden Tagen streifen wir durch die engen Gassen des historischen Stadtzentrums. Liebevoll restaurierte Gebäude mit Fliesendekor stehen direkt neben zerfallenden Häusern, bei denen bereits die Decke durchgebrochen ist. Überall hängt Wäsche zum Trocknen vor den Fenstern.
Der obligatorische Besuch eines Portweinkellers verläuft eher enttäuschend. In wenigen Minuten werden wir in einer größeren Gruppe durch die Hallen geführt. Die spärlichen Erklärungen unseres Führers sind immerhin auf englisch. Danach gibt es genau zwei Gläser Portwein (der billigen Sorte) zum Verkosten und die Möglichkeit den Wein zu überhöhten Preisen zu kaufen. Ein Tipp des Führers war die Besichtigung aber dann doch wert: Die Sorte „Ruby“ passt hervorragend zu Schokolade. In der nächsten LIDL Filiale kaufen wir beides preisgünstig ein und lassen uns dieses Dessert nach dem Abendessen schmecken.

Burgen, Strände, Oliven

Auf unserem Weg in den Süden Portugals besuchen wir die Städte Coimbra, Tomar und Obidos. Burgen, Kathedralen, Aquädukte, enge Gassen und eine römische Ausgrabungstätte sind ein willkommener Kontrast zu den Aufenthalten an den Stränden am Atlantik. Je weiter südlicher wir gelangen, desto subtropischer wird die Vegetation. Oliven, Palmen, Orangen, Zitronen, Korkeichen, Wein. Wegen der winterbedingten Regenfälle sprießt überall das Gras in frischem Grün.

Ende November ist die Saison nun endgültig zu Ende. Niemand, bis auf vereinzelten Angler, ist an den Stränden, die Campingplätze sind, falls überhaupt geöffnet, meist leer. Dies ist durchaus angenehm, allerdings auch ein wenig einsam. Im Gegensatz zu früheren Reisen können wir kaum Kontakte zu anderen Touristen knüpfen. Wegen der fehlenden Sprachkenntnisse ist auch der Kontakt zu den Ein- heimischen schwierig.
Um so mehr freuen wir uns, dass wir uns jetzt mit zwei Globetrottern treffen. Genau wie wir, verbringen Isolde und Karl-Heinz die Wintermonate in Spanien und Portugal. Per SMS haben wir uns verabredet und gemeinsam erleben wir ein paar schöne Tage. Die beiden machen ihr Versprechen wahr und laden uns zu einem Fischessen ein. Vielen Dank!

Lissabon

Portugals Hauptstadt Lissabon: Die Busse in der Innenstadt wirbeln Wasser auf, ganze Gehsteige sind überschwemmt. Wir stapfen durch den Regen, bis die Schuhe völlig durchnässt sind. Mit triefenden Schirmen betreten wir ein uriges Essenslokal und bestellen Fisch und Wein zum Mittagessen. Vorübergehend bessert sich unsere Stimmung, die ziemlich am Tiefpunkt angekommen ist, ein wenig. Noch gestern hatte es Spaß gemacht, durch die Gassen mit den vielen kleinen Geschäften zu spazieren oder die beeindruckende Kathedrale Sé zu besichtigen. Heute jedoch, trotz des guten Mittagsessens, gefällt uns Lissabon nicht: Es regnet weiterhin, ewig warten wir auf Busse und Trambahnen (ein Streik beginnt) und auch das Kutschenmuseum enttäuscht eher.
Aber das wussten wir vorher: Auch auf Reisen kann nicht jeder Tag ein Highlight sein, insbesondere wenn der Urlaub allmählich zum (meistens ja doch angenehmen) Alltag wird.


Lokale im Fliesendesign…

… oder mit Stuckdecke

Weihnachtszeit

Ende November beginnt auch Portugal weihnachtlich zu werden. Überall werden Sterne und Lampen montiert, die Supermärkte spielen „Last Christmas“. Leider ist auch südlich von Lissabon das Wetter eher winterlich: Zwölf Grad Höchsttemperatur, ein eisiger Wind und der Wetterbericht verspricht keine Besserung. Doch die Fluchtmöglichkeiten sind begrenzt: Noch 200 km, dann sind wir ganz unten in Europa. In Afrika, Marokko, da geht’s noch südlicher, aber das wird eine andere Geschichte…

Der Wetterbericht behält recht: Es bleibt kühl und regnerisch. Besonders schlimm war es heute Nacht, da hat es geblitzt und gedonnert. Innen im WoMo hat es heftig gewackelt und gepfiffen, da wir ‚im Wind‘ geparkt haben. Doch nicht nur das hat uns unruhig schlafen lassen, sondern auch die Tatsache, dass Silvias Vater im Krankenhaus ist und wir möglicherweise schon bald nach Hause fliegen müssen.
Wir sind im Süden Portugals angekommen, wo wegen des milden Klimas und der ansprechenden Steilküstenlandschaft viele Rentner mit teils riesigen Wohnmobilen überwintern. Leider hat dies zur Folge, dass freies Übernachten nicht mehr überall gestattet ist und wir auf den erlaubten Plätzen viel Gesellschaft haben.
Neugierig wird unser exotisches Expeditionsmobil betrachtet:

>>Wollt ihr mit diesem Fahrzeug in die Wüste?<<

fragt uns ein etwas gelangweilter Holländer.

>>Ja, nach Marokko und später auch durch Afrika<<

antwortet Silvia. Nun versucht er zu kontern:

>>Wir sind schon seit November unterwegs und haben noch den ganzen Winter Zeit<<

Doch als wir auch damit nicht zu beeindrucken sind ist das Gespräch schnell beendet. Es fehlen einfach die Themen.


Pech gehabt…

… das Huhn landet in unserem Backofen

An der Südküste Portugals fahren wir Richtung Lagos, um in der Nähe eines Flughafens zu sein. So können wir kurzfristig nach München fliegen, falls es der Gesundheitszustand von Silvias Vater erfordern würde. Glücklicherweise ist das jedoch nicht notwendig, so dass wir Kurs auf Spanien nehmen können. In Manta Rota parken auf einem riesigen Parkplatz mindestens 50 Wohnmobile. Hier verbringen wir die letzten Tage in Portugal, das Wetter erlaubt sogar mal wieder eine Radtour entlang der Küste. So schön könnte es sein!

Mehr...

Zu diesem Bericht gibt es »Bilder

Route, Länder, Karte zur Etappe »Mit dem Wohnmobil in Europas Westen

Reiseberichte zur Etappe: Mit dem Wohnmobil in Europas Westen


03.10.2010 - 11.10.2010
Es geht los zur Winterreise


Ein euphorisches Gefühl an diesem leuchtenden Herbsttag: Gerade sind wir zu unserer Winterreise in den Süden aufgebrochen.


12.10.2010 - 14.11.2010
Spanien


Wir verlassen Frankreich und fahren durch den Tunel de Viella auf die südliche Seite der Pyrenäen, nach Spanien. Entlang der Atlantikküste geht es weiter Richtung Portugal.


14.11.2010 - 10.12.2010
Portugal


In Portugal trifft der Atlantik auf schroffe Felsformationen und weite Sandstrände, das Hinterland ist grün. Die Städte Porto und Lissabon bilden hierzu einen schönen Gegensatz.


10.12.2010 - 18.12.2010
Weihnachten 2010


Wir sind zurück in Spanien. Über das vorweihnachtliche Sevilla fahren wir nach Torremolinos, wo wir unser Wohnmobil für die Weihnachtspause abstellen.


14.01.2011 - 09.02.2011
Marokko - Atlantik


Bei Nieselwetter reisen wir nach Marokko ein. Zügig fahren wir den Atlantik entlang Richtung Süden, wo wir im Landesinneren einsames Wüstenfeeling erleben.


10.02.2011 - 10.03.2011
Marokko - Süden


Unterhalb des Atlasgebirges liegt der Südosten Marokkos. Wir erkunden die kahlen Berge des Antiatlas und die Wüste Sahara mit ihren Pisten und Sanddünen.


11.03.2011 - 25.03.2011
Marokko - Norden


Von den Ausläufern der Sahara hinauf in den Hohen Atlas. Über Midelt und Azrou gelangen wir in die Königsstadt Fes, bevor wir Marokko wieder verlassen.


26.03.2011 - 17.04.2011
Heimreise 2011


Fast drei Monate haben wir uns für die Anreise nach Marokko Zeit gelassen. Die Heimreise soll nun wesentlich schneller, in „nur“ drei Wochen gehen.