Tschechien – Polen

19.04.2012 - 13.05.2012

Der erste Schritt

Gerade mal 40 Km sind wir am heutigen, vorfrühlingshaften Tag gefahren. Immerhin haben wir es bis nach Tschechien geschafft! In der Abenddämmerung sitze ich am Lagerfeuer, blicke in die Glut, ein kleiner Bach rauscht, ein Vogel zwitschert. Bei einem Glas Rotwein hänge ich meinen Gedanken nach:

>>Nun hat also unsere große Reise begonnen. Wie viele Lagerfeuer werden wir in den nächsten Jahren entzünden, an welchen Plätzen, bei welchen Stimmungen?<<

Am nächsten Morgen hat es Minusgrade, doch bei uns im WoMo ist es schön warm. Heute machen wir einen etwas größeren Schritt und fahren nach Prag, wo wir in einem zum Campingplatz umgestalteten Garten unser Lager aufschlagen. Ein beschaulicher Platz betreut von der netten Besitzerin.

Gar nicht beschaulich geht es im historischen Zentrum von Prag zu. Auf den Plätzen und Straßen wimmelt es nur so von Touristen. Japaner stellen sich zu einem Gruppenfoto auf, chinesische Reiseführer winken mit Fähnchen, lautstark diskutiert eine Busladung Italiener. Wenn uns auf einem Gehweg eine Reisegruppe entgegen strömt, so versuchen wir schnell auf die andere Seite auszuweichen. Die Gruppe nimmt uns als Einzelperson nicht wahr, so dass ständig eine Kollision droht.

Trotz dieses Rummels können auch wir uns der Faszination von Prag nicht entziehen. Obwohl wir einige der Top-Sehenswürdigkeiten wegen überzogener Eintrittspreise einfach auslassen, wird es uns keineswegs langweilig. Wir genießen Bier und gutes Essen in einem Kellergewölbe, fahren mit der Straßenbahn in die Außenbezirke, betrachten den beleuchteten Hradschin bei Nacht und besuchen (sozusagen als Einstimmung) das weitläufige Afrikagehege des Zoos.


Prag: Touristen und …

… Kitsch

Das Böhmische Paradies liegt zu Füßen des Riesengebirges im nördlichen Tschechien. Bei rekordverdächtigen, hochsommerlichen Temperaturen drängt das frische Grün aus jeder Knospe, überall blühen die Kirsch- und Apfelbäume. Die idyllischen Dörfer in der sanften Hügellandschaft wirken deshalb  fast schon kitschig. Wir nutzen das herrliche Wetter für Radtouren und unternehmen Wanderungen inmitten bizarrer Felsformationen. Eine tolle Gegend, in der wir länger als geplant bleiben!

Polen

Die noch schneebedeckten Gipfel des Riesengebirges liegen hinter uns, das erste Ziel in Polen ist die 650.000 Einwohner zählende Stadt Breslau.

>>Solch große Einkaufszentren hab ich noch nirgends gesehen!<<

Staunend fahren wir durch die überaus modernen Außenbezirke dieser Großstadt. Weder an den Straßen noch an den Gebäuden oder Autos ist zu erahnen, dass auch hier einmal der Sozialismus geherrscht hat.


Feiern an der Oder

Zentrum von Breslau

Von unserem etwas außerhalb liegenden Campingplatz fahren wir mit der Straßenbahn ins Zentrum. Es ist Sonntag, der Maifeiertag steht bevor und noch immer ist es sommerlich heiß. In Breslau herrscht Stimmung pur: Aus den Freiluftkneipen tönt laute Musik, im Stadtpark wird gegrillt und auch in den Cafes am Stadtplatz ist kaum mehr ein Platz zu bekommen. Im Gegensatz zu Prag gehört diese Stadt noch den Einheimischen und die verstehen zu feiern! Neben der großen Uhr, welche die Minuten bis zum Anpfiff der Fußball-EM zählt, genießen wir bei einem Bier die sommerliche Stimmung. Auch in den nächsten Tagen ist immer was los, wie zum Beispiel beim Gitarrenfestival. Hunderte von Musikern versammeln sich mit ihrer Gitarre vor einer Bühne am Rathausplatz, wo sie am Nachmittag ihren großen, gemeinsamen Auftritt haben.


Masurischer See

Zwei Fahrtage über holprige, aber gut befahrbare Landstraßen bringen uns dann in den Nordosten Polens. In den Masuren, die durch die vielen Seen bekannt sind, wollen wir wieder längere Zeit bleiben und eine mehrtägige Fahrradtour unternehmen. Als erstes suchen wir einen Campingplatz, auf dem wir unser Fahrzeug ein paar Tage abstellen können. Wir finden einen Platz direkt am See. Frösche quaken, Vögel singen, die Sonne scheint, ein Kajak steht zur Erkundung des Sees bereit. Hier gefällt uns so gut, dass wir die Fahrradtour ein wenig nach hinten verschieben.

Beim Abwasch spricht mich Franz-Josef an. Er kommt aus Deutschland und ist mit einem Wohnwagen der Marke Fendt unterwegs.

>>Ich habe dein Wohnmobil gesehen, ist das so eine Art SUV?<<

>>Nein, das ist ein Allradlaster, mit dem wir die nächsten Jahre unterwegs sind.<<

Neugierig geworden lädt uns Franz-Josef auf ein Bier ein. Auch er ist so eine Art Aussteiger, der sich gerade vorzeitig von seiner Gruppe getrennt hat, mit der er knapp eine Woche unterwegs war.

>>600 Euro haben wir pro Person bezahlt, damit wir mit der Fendt Wohnwagengruppe unterwegs sein durften.<<

Wir erfahren, daß Fendt nicht nur Traktoren baut, sonder eben auch Wohnwagen. Für deren Käufer werden regelmäßig exklusive Reisen veranstaltet, wie eben diese einwöchige Polentour, die Franz Josef mit seiner Frau gebucht hat.

>>Es wird streng darauf geachtet, daß kein Fremdfabrikat mitfährt. In unserer Gruppe war zwar einer mit einer anderen Marke dabei, aber der hat seinen Kaufvertrag vorgelegt und somit bewiesen, dass er ab Juli ebenfalls Fendt Wohnwagenbesitzer ist.<<

Franz Josef erzählt von der strengen Hierarchie, die in dieser Gruppe geherrscht. Die besten Stellplätze sind den langjährigen Teilnehmern vorbehalten, die auch sonst einige Privilegien genießen. Er hat nun die Fendt-Gruppe freiwillig vorzeitig verlassen, da er unter anderem mit der Routenplanung nicht so ganz einverstanden war.

>>Auch hat sich unser übergewichtiger Guide nur ganz ungern aus seinem Wohnmobil herausbewegt.<<

Interessant, wie man in solch organisierten Gruppen reist, denen wir ja immer wieder mal begegnen!


Aufbruch zur Fahrradtour

Pension in Nowe Guty

Unsere Fahrräder sind fertig bepackt, das Wohnmobil sicher abgestellt. Trotz einiger Regenschauer, einem Temperatursturz, der uns klamme Finger beschert und ein paar Stürzen auf sandigen Waldwegen ist die Radtour ein unvergessliches Erlebnis.
Wir übernachten in Pensionen, essen deftige polnische Kost und genießen die Sonnenuntergänge an den Seen. Wir filmen Störche beim Nestbau und beobachten ein Rudel Hirsche. Erfreulicherweise hält sich die Stechmückenplage in Grenzen.
Bei der Wolfsschanze stoßen wir auf ein unerfreuliches Kapitel deutscher Geschichte.Hier war das Hauptquartier von Adolf Hitler während des Zweiten Weltkriegs. Wir besichtigen die Überreste der mächtigen Bunkeranlage, die von der Wehrmacht auf der Flucht zerstört wurde. Mit vielen Tonnen Sprengstoff wurden die 6 – 8 Meter dicken Decken und Betonwände zum Einsturz gebracht.

Die Masuren sind nicht ganz so ursprünglich, wie von uns erwartet. Trotz teils intensiver landwirtschaftlicher Nutzung dominiert aber noch vielerorts die Natur. Auch wegen der vielen kleinen, wenn auch manchmal schlechten Straßen und der sanften Hügel ist diese Seenlandschaft gut zum Radeln geeignet.

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