Zentralaethiopien

20.05.2015 - 09.06.2015

Von Bahar Dar nach Addis Abeba

Erst über eine Piste, dann über eine gute Teerstrasse fahren wir von Lalibela nochmal zum Tanasee. Auch auf dieser Strecke bleiben wir vor den gefürchteten Steinewerfern verschont. Diesmal sind wir am Südufer, in der Stadt Bahar Dar. Dort tritt der Blaue Nil aus dem Tanasee. Diesen Fluss haben wir in Khartoum im Sudan mit dem Weißen Nil zusammenfließen sehen. Auch hier ist er nicht blau, sondern eher grün-braun. An seinen Ufern werden Autos und LKW’s geschwaschen. Als ich ein Photo von der Brücke aus schießen will, werde ich von einem Polizisten zurechtgewiesen. Strategisch wichtige Objekte wie Brücken sind auch hier in Äthiopien gut bewacht und dürfen nicht fotografiert werden!
Schön ist es am Ufer des Tanasees unter schattigen Bäumen spazieren zu gehen. Entspannt sitzen wir in einer der Uferkneipen und beobachten Webervögel beim Nestbau in den Papyrusstauden.

Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens liegt zwei Tagesreisen südlich von Bahar Dar. Auf der Fahrt durch das landwirtschaftlich intensiv genutzte Gebiet weichen wir unzähligen Rindern, Eseln und Fußgängern aus. Bei der Ortschaft Debre Libanos finden wir einen netten Übernachtungsplatz bei einer Lodge. Von dort schauen wir in tiefe Schluchten und können sogar nochmal Dscheladas beobachten. Diese grasfressende Pavianart hat hier zwischen all den Feldern und Dörfern eines ihrer letzten Rückzuggebiete gefunden.


Schöne Ausblicke bei Debre Libanos

Addis Abeba

Addis Abeba ist eine afrikanische Großstadt ohne touristischen Reiz. Außerdem regnet es nun fast jeden Tag. Die Seitenstraßen weichen auf, so dass der Matsch an den Schuhen kleben bleibt. Obwohl uns die Stadt eigentlich nicht gefällt, bleiben doch wir ein paar Tage, da wir auf unser Kenia Visum warten müssen. Diese Zeit nutzen wir für Spaziergänge, den Besuch des Nationalmuseums und um unsere Lebensmittelvorräte zu ergänzen. Einen „richtigen“ Supermarkt scheint es selbst hier in der Hauptstadt Äthiopiens nicht zu geben! Frischmilch und Käse (außer teurem Streichkäse) suchen wir vergebens, doch immerhin werden wir bei Joghurt fündig. Obwohl wir beim Hotel Taitu einen angenehmen Stellplatz mit leckerem vegetarischem Buffet haben, sind wir nicht traurig, die Stadt nach ein paar Tagen wieder zu verlassen.

Awash Nationalpark

Der Awash Nationalpark, auf halben Weg zwischen Addis Abeba und Harar gelegen, ist unser erster „Savannenpark“ in Afrika. Er ist ein sehr sanfter Einstieg mit großem Steigerungspotential. Früher soll es hier mal Zebras und Löwen gegeben haben, heute sieht man außer vielen Haustieren noch ein paar Oryx-Antilopen. Landschaftlich ist er allerdings ansprechend mit Akazienwäldern, Wasserfall und Vulkanbergen. Außer den Viehhirten und einem Touristen-Bus sind keine Leute zu sehen.

Auch auf dem einfachen Campingplatz sind wir die einzigen Gäste. Wir parken unter großen Bäumen in denen zahlreiche bunte Vögel in allen Größen leben. Im Awash Fluss sonnen sich einige Nilkrokodile. So kommt schon ein wenig Buschfeeling auf, auch wenn auf der anderen Seite des Flusses Menschen mit ihren Haustieren leben. Besuch bekommen wir gelegentlich von Pavianen oder Vervet Affen. Besonders die possierlichen Vervet-Affen sind sehr an unserem Essen interessiert. Sie freuen sich, wenn man ihnen ein Stück Obstschale zuwirft. Unterschätzen sollte man die Tiere aber nicht. Sie versuchen unbemerkt von hinten durch ein Fenster ins Fahrzeug zu klettern und nutzen einen Moment unserer Unachtsamkeit um eine Plastiktüte mit Brot zu stehlen.


„Gamedrive“ im Awash NP

Diebische Affen

Beim Verlassen des Parks nehmen wir einen Ranger mit zum Hauptgate. Er spricht englisch, so dass wir ihn fragen können, warum so viele Kamele, Ziegen und Rinder im Park sind.

>>Dies ist ein großes Problem. Die Nomaden treiben gerade zum Ende der Trockenzeit ihre großen Herden in den Park. Den Wildtieren bleibt so kaum mehr Nahrung. Wir Ranger können nichts dagegen tun, da die Hirten bewaffnet sind und ihre Herden verteidigen. Da müsste die Regierung Soldaten schicken, aber die hat Angst vor einem Konflikt.<<

Harar

Die Stadt Harar soll etwas ganz Besonderes sein. Obwohl sie nicht direkt auf unserer Reiseroute liegt, beschließen wir deshalb dorthin zu fahren. Wir sollen es nicht bereuen. Die Stadt ist ein muslimisches Zentrum und war in früheren Zeiten ein wichtiger Handelsplatz, auch für Sklaven. Erst alleine, dann mit einem Führer besichtigen wir das historische Zentrum hinter der Stadtmauer mit den fünf Toren. Bunt und lebendig ist unser erster Eindruck. Zahlreiche Märkte und Moscheen sind über die Altstadt mit den engen Gassen verteilt. Vieles, auch die weiß und farbig getünchten Häuser und Mauern, erinnern uns an den Orient.


Sogar Ziegen kauen Khat Blätter

Stadttor in Harar

Ohne die Genußdroge Khat wäre ein Leben für die Bewohners Harars wohl undenkbar. Schon bei der Anfahrt haben wir überall Felder mit den Khatpflanzen gesehen. Die Blätter dieses Strauchs werden gekaut und wirken anregend stimulierend. Auf den Märkten werden sie aus großen Säcken verkauft und in kleinen Tüten davongetragen. In Äthiopien ist der Genuss völlig legal. Auch unser Führer ist ein großer Fan dieser Pflanze:

>>Jeder hier kaut Khat. Egal ob Frau oder Mann. Er gibt uns viel Kraft und schafft Selbstbewusstsein. Je nach Qualität macht er müde oder wach. Wir sind stolz hier in Harar den besten Khat der Welt anzubauen.<<

 

Am letzten Abend unseres Aufenthalts wird es spannend, denn wir wollen den „Hyena-Man“ aufsuchen. Mit einem Tuk-Tuk lassen wir uns nach Sonnenuntergang zu seinem Haus am Stadtrand bringen. Eine Weile warten wir auf einer Bank, dann erscheint er:

>>I’m Hyena Man. Please come<<

Wir folgen ihm und einem Mann, der einen Korb mit Fleisch trägt, noch weiter aus der Stadt hinaus. An einer Wiese halten wir an. Der Fleischträger verschwindet und der Hyena-Man fängt an zu pfeifen und Namen zu rufen. Mittlerweile ist es fast dunkel geworden, am Horizont zucken Blitze aus dicken Wolken. Plötzlich ein Heulen und eine schattenhafte Bewegung. Die erste Hyäne erscheint. Der Hyena-Man wirft ihr ein Stück Fleisch hin, das sie sofort verschlingt. Mehr und mehr Hyänen erscheinen aus der Dunkelheit. Der Hyena-Man hält der größten Hyäne ein Stück Fleisch auf einem Stöckchen hin. Vorsichtig nimmt sie das angebotene Fressen. Unglaublich diese gefährlichen Tiere (sie können Löwen vom Riss vertreiben) so zahm zu sehen. Schon seit Generationen werden hier in Harar die Hyänen von ausgewählten Männern gefüttert. Passiert ist angeblich nur selten etwas. Es kommen nun weitere Touristen um dieses besondere Schauspiel zu sehen. Die ganz mutigen (wie Silvia) dürfen nun der großen Hyäne ein Stück Fleisch am Stock reichen.

Äthiopische Gefahren

Auf der Rückfahrt von Harar ist die Straße gesperrt. Ein schrecklicher Unfall hat sich ereignet. Ein Fernreisebus mit 60 Personen ist 200m in den Abgrund gestürzt. Angeblich sind alle tot. Über der Unfallstelle parken ein paar Toyota-Landcruiser Ambulanzfahrzeuge, die aus den umliegenden Orten zuzammengezogen wurden. Wo bei uns Hubschrauber im Einsatz wären, ist hier nur eine Minimalversorgung möglich. Das nächste Krankenhaus ist weit.

Dieser Unfall verdeutlicht es wieder mal: Die größte Gefahr in Ländern wie Äthiopien ist nicht die überfallen zu werden, sondern einen Verkehrsunfall im Fahrzeug oder als Fußgänger zu erleiden. Wir sind froh, im eigenen Gefährt unterwegs zu sein und uns nicht den verrückten Busfahrern anvertrauen zu müssen. Die fahren am Limit. Praktisch alle Leitplanken (sofern vorhanden) sind durchbrochen und ständig sehen wir Autowracks oder überfahrene Tiere am Straßenrand.

Der Straßenverkehr verlangt höchste Konzentration. Bei einem Überholmanöver muss man nicht nur auf den Gegenverkehr achten, sondern zusätzlich auf Schlaglöcher in der Fahrbahn, Eselskarren oder Pferdekutschen, Tiere oder Menschen am Straßenrand oder auf der Straße. Obwohl ich so vorsichtig wie möglich fahre, musste ich hier in Äthiopien bereits mehrfach eine Vollbremsung wegen unberechenbaren Menschen und Tieren hinlegen. Wenigstens ist der Autoverkehr gering und die Teerstrassen meistens gut.

Bale Mountains Nationalpark

Endlich wieder mal ein Lagerfeuer, auf dem wir unser Fleisch grillen können! Kein Mensch stört uns hier auf dem einfachen Campingplatz bei Dinsho im Bale Nationalpark. Wir befinden uns auf 3200m Höhe. Es ist frisch, die wärmenden Flammen tun gut. Schon am Nachmittag, als wir hier angekommen sind, waren wir begeistert. Wir konnten Warzenschweine, Paviane und mehrere Antilopenarten aus nächster Nähe beobachten. Das hätten wir so gar nicht erwartet.

Dieser sehr positive Eindruck relativiert sich leider am nächsten Tag wieder. Anscheinend befanden wir uns in einer Art Freigehege mit halbzahmen Tieren. An anderen Stellen des Parks dominieren doch wieder Menschen und Haustiere.


Warzenschein im „Freigehege“

Hütten, Felder und Haustiere im Nationalpark

Der Hauptgrund für uns den Bale Mountains Park zu besuchen, ist der vom Aussterben bedrohte Äthiopische Wolf. Um ihn zu sehen müssen wir an eine andere Stelle des Parks auf das Sanetti-Plateau, das sich auf einer Höhe von über 4000m befindet. Hier oben weht ein kalter Wind über die karge, tundraartige Ebene. In Schlangenlinien kurven wir um die wassergefüllten Schlaglöcher, immer auf der Suche nach dem Äthiopischen Wolf. Doch das hier häufig zu sehende Tier will sich nicht zeigen. Gerade als wir aufgeben, läuft doch noch einer über die Straße. Die Auswertung der Photos ergibt jedoch später, dass es sich um einen Hund gehandelt hat :-(.

Nach einer stürmischen, regnerischen Nacht auf dem Plateau, in der wir in Benito richtig durchgeschüttelt werden, geht die Suche weiter. Direkt beim geschlossenen Campingplatz sehen wir gleich drei Wölfe. Einen können wir beobachten, wie er eine fette Grasratte jagt. Er gräbt so lange in die Höhle der Ratte, bis diese die Nerven verliert und rausläuft. Blitzschnell schnappt er nach seinem Opfer, beißt ihm den Kopf ab und verschlingt es in einem Stück. So hat sich der Besuch in diesem ansonsten eher enttäuschenden Park doch noch gelohnt.


Raues Klima auf über 4000m

Äthiopischer Wolf

 

 

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