Mankei Tour - Las Vegas, LA, San Diego
07.November - 19. November 2005
Poker in Las Vegas
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Der vierspurige Highway 15 bringt uns
Las Vegas näher. Es geht bergab. Je mehr wir an Höhe verlieren, desto wärmer wir es. In der kargen, wüstenhaften Landschaft wachsen Yuccapalmen.
Dazwischen überraschen uns grüne Oasen. Wir sind an der Grenze zu Nevada
. Das in Amerika sonst so verpönte Glücksspiel ist hier legal. Spielcasinos haben die sie umgebenden Parkanlagen tropisch bepflanzt. Dank Bewässerung wächst sogar ein makelloser Rasen. Erst sehen wir den Dunst, dann die Silhouetten der Wolkenkratzer und schließlich sind wir im Herzen von Las Vegas, der Metropole des Vergnügens.
Wo können wir übernachten? Es gibt den KOA-Campingplatz, der mehr kostet als ein Zimmer im Hotel "Circus Circus". Auf der Rückseite dieses Hotels befindet sich ein großer, kostenloser Parkplatz, der uns sicher genug erscheint. So stehen wir ruhig und sind doch mitten im Geschehen. Um halb fünf Uhr nachmittags beginnt es, dunkel zu werden. Der 'Strip',
die Hauptstrasse der Casinos erwacht zum Leben, wenn die ersten Lichter angehen.
Verloren scheint der Mond. Er hat hier keine Chance sich gegen die vielen bunten Lichter durchzusetzen. Welch ein Kontrast zu den beschaulichen Abenden, die wir in der Wildnis verbracht haben! Staunend schlendern wir den Strip entlang.
Vor dem Treasure Island liefern sich zwei Piratenschiffe
ein Gefecht. Pro Aufführung verfeuern sie vierzig Liter Propangas. Vor dem Mirage bricht alle halbe Stunde ein Vulkan
aus. Jedes der gigantischen Kasinos hat ein Thema und mindestens eine Attraktion um Touristen in ihre Spielsäle und Shops zu locken. Weiße Tiger, Achterbahnen, der Eiffelturm, Gondeln in Venedig, Märchen aus 1001 Nacht
und vieles mehr. Alles ist perfekt gemacht und strahlt Flair aus. Zu Fuß und mit futuristischen Shuttlebahnen bewegen wir uns durch diese Phantasiewelt. Immer wieder werden wir in die Spielsäle der Hotels geleitet.
In den labyrinthartigen Gängen und Hallen des Hotels Mirage begegnen uns Hunderte leicht angetrunkener Menschen,
bei denen irgend etwas anders ist. Nach einer Weile finden wir es heraus: Jeder trägt ein Namensschild mit einer roten Peperoni
darauf. Auch auf Tafeln und an Türen, überall ist diese Peperoni zu sehen. "Zutritt nur für Peperonis". Wir fühlen uns ohne Peperonischild nicht mehr wohl. Anscheinend sind wir mitten in den Betriebsausflug eines großen Nahrungsmittelkonzerns geraten. Wo geht's hier wieder raus? Wir fragen einen Hotelangestellten nach dem Ausgang und atmen auf, als wir diesen endlich finden.
Auf unserem Parkplatz hinter dem Hotel bekommen wir am nächsten Tag Nachbarn. Silvia hat an der Hauptstrasse ein Wohnmobil mit Münchner Kennzeichen gesehen
und das Ehepaar angesprochen. Jetzt stehen sie neben uns und wir wundern uns über den Zufall innerhalb weniger Tage gleich zwei Münchner Fahrzeuge zu sehen! |
Nach Sonnenuntergang erwacht Las Vegas langsam zum Leben
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Zwei für $99
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Gondelfahrt beim Venezia
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Show
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Einen Abend in Las Vegas haben wir uns für das Glückspiel
reserviert. Ich setze mich an einen Pokerautomaten und beginne die Dollarscheine einzuschieben (die Zeit der Quarters ist vorbei). Viel Hoffnungen auf einen Millionen Jackpot
habe ich mir nicht gemacht, aber dass es so schnell geht, 50 Dollar (das ist mein persönliches Limit) zu verspielen, da bin ich überrascht. Viel früher als geplant sind wir an diesem Abend beim WoMo zurück.
Von unserem Stellplatz aus blicken wir auf den Stratosphere Tower,
der am Ende des Strips liegt. Heute wollen wir auf den 300m hohen Vergnügungsturm hinauf.
Nach einem Sicherheitscheck wie am Flughafen, bringt uns ein Aufzug über hundert Stockwerke
nach oben. Wir treten auf die Aussichtsplattform und sind verzaubert von der Aussicht: Ein Lichtermeer,
aus dem sich die großen Kasinos als farbige Punkte abheben. Der Himmel ist vom Sonnenuntergang noch rot. Hubschrauber und Flugzeuge fliegen unter uns.
Wem dies noch nicht reicht, kann in ein Fahrgeschäft steigen. Die Achterbahn bietet den besten Ausblick, während das außerhalb des Turms schwebende Kettenkarussell wohl den größten Nervenkitzel bietet (jedenfalls kreischen dort die Fahrgäste hier am meisten). Wir geniessen nur die Aussicht und fahren dann mit einem der neuen Doppeldeckerbussen den Strip hinunter, um uns an einem Buffet zu stärken. |
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Der Jackpot steht auf 1.220.000$
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Nach vier Tagen Las Vegas sehnen wir uns nach einer ruhigeren Umgebung und verlassen die Stadt. Der Campingplatz in Shoshone
ist wirklich so schön, wie von den Münchnern beschrieben. Das angenehm warme Thermalbecken liegt unter Palmen.
Ein äußerst erholsamer Platz nach der Hektik von Las Vegas.
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Von Shoshone fahren wir eine kleine Nebenstrasse in den Death Valley Nationalpark.
Hier ist der heißeste, trockenste und tiefste Platz Nordamerikas. Mit -90 m unten am Salzsee sind wir am absoluten 'Tiefpunkt' unserer Reise angelangt.
Hier sind die Campingplätze während der Sommermonate wegen der unerträglichen Hitze geschlossen. Doch jetzt sind die Temperaturen angenehm und so steuern wir einen dieser Plätze an. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir mindestens 1000 Wohnmobile auf einem riesigen Platz sehen. So haben wir uns die Einsamkeit der Wüste nicht vorgestellt!
Wegen einer Feier, die an die ersten Trecks von 1849 erinnert, ist der riesige Platz völlig ausgebucht. |
Tausende Wohnmobile in der Wüste
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Wir flüchten in die Berge.
Die steile Strasse zum Mahogany Flat Campingplatz ist nur anfangs asphaltiert. Das letzte Stück ist nur für Fahrzeuge mit viel Bodenfreiheit zu befahren. Für Jammerl kein Problem. Mit der Allrad meistern wir auch die Stellen mit Schnee souverän.
Hoch über dem Death Valley ragt der schneebedeckte, 3368 m hohe Gipfel des Telescope Peak.
Von unserem fast 2500 hoch gelegenem Campingplatz aus scheint er nah zu sein. Kein Problem ihn zu besteigen. Doch wir täuschen uns, der Aufstieg zum Gipfel erweist sich als anstrengende 7-stündige Bergtour.
Herrlich ist der Rundblick: Im Osten, tief unter uns, leuchten die Salzseen des Death Valley. Im Westen ragen die Gipfel der Sierra Nevada auf. Und ganz im Süden, ist das vielleicht schon Mexiko? Mit diesem Berg haben wir auch den bisherigen 'Höhepunkt' unserer Reise erreicht.
Los Angeles
Auch außerhalb des Death Valley Nationalparks setzt sich die wüstenhafte Landschaft fort. Für Abwechslung sorgt jetzt eine hässliche Mineralienfabrik sowie ein riesiges eingezäuntes Gelände der US-Airforce. Auf vielen Autos sind patriotische Aufkleber angebracht.
"Mein Sohn ist in der US Army", ist auf einem Pickup zu lesen. Der Highway nach Los Angeles wird vierspurig.
Wir übernachten im Red Rock Canyon
auf einem ungewöhnlich weitläufig angelegten Campingplatz mit interessanten Felsformationen. Nachdenklich sitzen wir ums Lagerfeuer. Der Mond scheint hell, in der Ferne heulen Kojoten.
Dies könnte der letzte Abend in der amerikanischen Wildnis sein. |
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Letztes Camp in der nordamerikanischen Wildnis:
Red Rock Canyon
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Highways bei Los Angeles
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Los Angeles ist nicht mehr weit.
Die Highways werden zahlreicher und immer breiter, manche haben zehn Spuren. Auf hundert Kilometer Länge und siebzig Kilometer Breite reiht sich Großstadt an Großstadt. Beverly Hills, Hollywood, Santa Monica und Los Angeles
gehören zu den bekanntesten Städten dieses Großraums.
Wir entscheiden uns erst mal an die Küste nach Venice Beach
zu fahren. Es ist warm, doch vom Meer her ziehen Nebelschwaden. Manche der Palmen an der Uferpromenade sind nur schemenhaft zu sehen.
Silvia: "Wo wollen wir heute übernachten?"
Christoph: "Ich bin für einen Campingplatz"
Silvia: "Nein, der ist zu teuer. Wir stellen uns einfach in ein Wohngebiet!"
Christoph: "Wir kennen die Gegend nicht, dies ist zu unsicher."
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Wie schon einige Male vorher, hätten wir diese Frage einfach ausdiskutieren können, doch heute sind zu viele Emotionen im Spiel. Gestresst durch den ungewohnten Großstadtverkehr kommt es zum Streit. Zu Hause wären wir uns einfach für eine Weile aus dem Weg gegangen und hätten das Problem später in Ruhe geklärt. Dies ist mitten in Los Angeles nicht möglich. Das Ergebnis: erst stehen wir in einem Wohngebiet, später auf dem teueren Campingplatz (49.- $) in Long Beach. Der Tag ist gründlich verdorben, wir unternehmen nichts.
Am nächsten Morgen verschwindet der Nebel
und unsere Stimmung hellt sich auf. Wir beschließen in Longbeach
zu bleiben und erkunden zu Fuß unsere Umgebung. Der Campingplatz ist an einem ruhigen Hafen gelegen. Palmen und viele bunt blühende Blumen gedeihen hier. Pelikane und die warme Luft verstärken den tropischen, relaxten Eindruck.
Etwas weiter, im Zentrum von Longbeach stehen einige Wolkenkratzer. Auch hier ist es ruhig und wir stöbern in den Geschäften. Nach Sonnenuntergang weht ein kräftiger Wind, doch es bleibt sehr warm. Bei 25 Grad promenieren wir zum Yachthafen. Bunte Lichter spiegeln sich im Wasser, zwischen Wolkenkratzern erscheint der Vollmond. In nett gemachten Kneipen treffen sich adrette Büroangestellte zu einem Feierabendbier.
In diesem Ambiente genehmigen wir uns an einer Theke im Freien einen Margarita. |
Long Beach
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Über verstopfte Autobahnen fahren wir nach Anaheim und parken auf einem Campingplatz, der in Fußweite zu Disneyland
liegt. Kaum angekommen, sind wir auch schon unterwegs zu diesem weltberühmten Freizeitpark und lösen eine Eintrittskarte für 56 Dollar. Das großes Freigelände ist in mehrere Themenbereiche unterteilt. Abenteuerland, Zukunftsland, New Orleans und Phantasieland gehören dazu. Achterbahnen, Wasserrutschen, Boote, Flugsimulatoren und vieles mehr sind in eine Scheinwelt integriert. So kann man mit einem Geländewagen durch die Kulisse von Indiana Jones rasen oder mit dem Motorboot auf Safari nach Afrika gehen.
Es wurde kein Aufwand gescheut, alles möglichst echt wirken zu lassen.
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Expeditionsmobil in Afrika
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italienisches Eis
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Achterbahn am Matterhorn
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Uns bereiten die zahlreichen Attraktionen viel Spaß. Eins beeindruckt uns besonders: Ohne genau zu wissen was uns erwartet, betreten wir ein Kino und setzen eine 3D-Brille auf. Das Licht geht aus und der Film beginnt.
Plastisch bewegen sich die Personen auf der Leinwand. Plötzlich fährt ein kleines Raumschiff von der Leinwand her direkt auf mich
zu und schwebt wenige Meter vor meinem Platz. Es fährt gegen eine Scheibe, die geräuschvoll splittert. Zum Schutz halte ich die Hände vor mein Gesicht,
doch nichts passiert. Das Raumschiff verschwindet, doch jetzt bewegen sich Mäuse in meine Richtung. Sie laufen am Boden und ich spüre an meinen Füssen, wie sie über mich hinweghuschen. Kaum ist dies überstanden, bin ich geschrumpft. Riesen bewegen sich vor mir. Ich sehe sie nicht nur, sondern fühle zudem deutlich den Boden vibrieren. Einige Gefahren dieser Art müssen wir überstehen, bevor ein knuffeliger Hund die Schlussszene einleitet. Die Schnauze direkt vor meinem Gesicht, niest er und ich kann spüren wie die Wassertropen auf mich niedergehen. Das Licht geht an und wir sind sprachlos, wie real diese Vorführung gewirkt hat.
San Diego, Grenzstadt zu Mexico
San Diego
ist eine Millionenstadt, die sich direkt an Los Angeles anzuschließen scheint, aber über hundert Kilometer davon entfernt ist. Hier wollen wir den Grenzübertritt nach Mexiko vorbereiten.
Zunächst einmal kümmern wir uns um eine Fahrzeugversicherung
und steuern den nächst gelegenen AAA (ADAC) an. Eine verbindliche Auskunft über Versicherungen kann uns die nette Dame nicht erteilen. Dafür gibt sie uns ein paar Warnungen mit auf den Weg: "Achtung, Mexiko ist ein dritte Welt Land. Am besten nur auf den großen Autobahnen fahren und niemals Nachts." Kein Wunder, dass die Amerikaner in Mexiko nicht sonderlich beliebt sind. Wir versuchen es in einem anderen AAA-Büro. "Kein Problem!" meint die Angestellte zuversichtlich und beginnt mit dem Eintippen unserer Daten in den Computer. Sie scheitert bei der Eingabe des Landes:
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Downtown San Diego
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Das Programm bietet nur Staaten aus Kanada und USA an. Germany kann nicht eingegeben werden. Nach längerem Suchen und Fragen gibt sie auf. "Sorry". Einen Tag später haben wir die Versicherung völlig problemlos in einer der zahlreichen Versicherungsagenturen direkt an der Grenze bekommen.
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San Diego erweist sich als nette Stadt für einen Bummel.
Unweit der verspiegelten Wolkenkratzer befindet sich eine Shoppingmall, die sich durch die mexikanisch angehauchte Architektur etwas von den üblichen abhebt. Sehr gut gefallen uns die historischen Strassen der Gas Lamp Viertels. Originelle Kneipen wechseln sich mit edlen Geschäften ab.
Ich gebe es gerne zu, der Aufenthalt in den Supermärkten gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.
Es dauert mir einfach zu lange, bis Silvia all die Lebensmittel ausgesucht und die Preise verglichen hat. Da vergehen schon mal ein paar Stunden bis ein Grosseinkauf erledigt ist. Doch heute bin ich beim Besuch des großen Supermarkts beinahe etwas wehmütig. Es wird mir bewusst: Die nordamerikanische Zeit mit dem üppigen Warenangebot geht nun zu Ende.
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Silvia verstaut den Einkauf
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Die zwei deutschen Toyotafahrer Petra und Harald
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www.toddle-unterwegs.de.vu ) hatten wir vor einem Monat im Arches Nationalpark getroffen. Damals hatten wir vereinbart, uns in Mexiko wiederzutreffen. Seit ein paar Tagen stehen wir mit den beiden in Email Kontakt.
Sie parken auf einem Campingplatz bei San Diego (Chula Vista). Gemeinsam wollen wir die Grenze nach Mexiko passieren und anschließend einige Tage zusammen fahren. Wir freuen uns Petra und Harald wie vereinbart anzutreffen.
Es gibt viel zu ratschen und wir planen den morgigen Grenzübertritt.
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Gut bewacht: Grenzzaun zu Mexiko
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Im Konvoi nähern wir uns der Grenze und ehe wir uns versehen, betreten wir
Mexiko. Es findet keinerlei Kontrolle statt. Die USA wollen niemanden daran hindern, aus ihrem Territorium auszureisen.
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