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Namibia

23.01.2019 - 19.02.2019

Anreise

Vor ein paar Wochen haben wir uns entschieden: Wir fahren nicht über Afrikas Westroute heim, sondern verschiffen unser Reisefahrzeug von Südafrika aus nach Europa. Der Grund ist mein (Christophs) pflegebedürftiger Vater, um den wir uns kümmern müssen. Deswegen wird diese Etappe auch eher kurz ausfallen. Noch ist unklar, wann wir auf ein RoRo-Schiff verladen können, doch länger als zwei Monate werden wir nicht unterwegs sein. Doch jetzt geht es erst mal los mit drei (kleineren) Sorgen…

Unsere erste Sorge zerstreut sich schon am Abfahrtstag zu Hause. Zwar ist heute ein bitterkalter, frostiger Wintertag, doch es schneit nicht, weshalb unser Zug zum Flughafen nach Frankfurt pünktlich ist.

Wird Air Namibia beim Einquecken ein Rückflugticket verlangen, wie bei unserem Flug vor zwei Jahren? Damals stand der Rückflugtermin schon fest, weshalb wir ein Ticket hatten. Doch diesmal wissen wir noch nicht, wann und von wo wir zurückfliegen und haben deswegen keines. Während am Nachbarschalter genau über dieses Thema diskutiert wird, kriegen wir unserer Bordkarte ohne weitere Fragen. Damit sind wir auch Sorge Nummer zwei los und genehmigen uns das traditionelle Abschiedsbier vor dem Abflug.

Zwölf Stunden später sind wir dann erst mal sorgenfrei. Nach einem reibungslosen Flug holt uns der Fahrer Bartholomäus vom Flughafen in Windhoek ab und bringt uns zu unserem Expeditionsmobil Benito, das unsere neunmonatige Abwesenheit einwandfrei überstanden hat.

Gleich neben unserem Abstellplatz liegt die Seniorenresidenz Sonnleiten, wo wir die Reiselegenden Wibke und Dieter besuchen. Die beiden sind mit ihrem Toyota Landcruiser von Deutschland aus über die Ostroute nach Namibia gefahren und haben ihr Fahrzeug dann sozusagen vor dem „Altersheim“ geparkt! Von wegen Altersheim, die Seniorenresidenz erweist sich als gepflegte Anlage mit Häusern und Gärten. Nur dass man bei Bedarf Dienstleistungen dazu buchen kann.

Auf der Terrasse von Wibke und Dieter werden wir perfekt verköstigt, während wir auf eine weite Buschlandschaft blicken. Hier ist auch die Hitze von immerhin 38 Grad gut auszuhalten. Abends beim Wein verstummen langsam die Vögel, die Schakale beginnen zu heulen. Wir sind wieder zurück in Afrika!

Bei den Reiselegenden Wibke und Dieter

 

Vorbereitungen in Windhoek

Nachdem wir die erste Nacht in Afrika auf dem Parkplatz von Wibke und Dieter verbracht haben, ziehen wir um auf die Farm Elisenheim, ein paar Kilometer nördlich von Windhoek. Auf diesem Platz treffen wir andere Overlander und unternehmen trotz der Hitze eine Wanderung in die umliegenden Berge. Unsere Hauptaufgabe ist es aber Benito herzurichten, wofür wir vor allem die kühlen Morgenstunden nutzen. Geweckt werden schon vor der Morgendämmerung von den laut krähenden Frankolin Hühnern.


Wanderung auf der Farm Elisenheim

Am Ende bekommt unser Wohnmobil noch eine kleine Inspektion bei einer Mercedes Werkstatt in Windhoek. Die Wartezeit nutzen wir um durch das Zentrum Windhoeks zu bummeln.

Jetzt sind wir eigentlich bereit zum Aufbruch, doch wir gönnen uns noch einen Tag im Urban Camp, das in Fußweite zu Joes Beerhouse liegt. Zusammen mit den Globetrottern Conny und Hitten verbringen wir in dieser Kneipe einen schönen Abend und lassen uns die superleckeren Spieße mit Zebra-, Springbock- und Kudufleisch schmecken.


Leckere Spieße in Joes Beerhouse

 

Unfall auf dem Weg nach Swakopmund

>> Die Trockenheit ist schlimm. Seit Dezember sollte Regenzeit sein, doch bisher hat es noch keine Niederschläge gegeben. Da der Wetterbericht auch für die nächste Zeit keinen Regen angekündigt hat, beginne ich nun meine Rinder zu verkaufen. <<

Der nette Farmer, bei dem wir auf halbem Weg zwischen Windhoek und Namib-Naukluft Park übernachten, beantwortet so unsere Frage was denn die Rinder hier noch fressen können? Trockenheit ist immer ein großes Thema in Namibia, doch heuer scheint es besonders schlimm zu sein.


Wovon ernähren sich hier die Rinder?

Auf der Piste, die über den Bosua Pass führt, ziehen wir  lange Staubfahnen hinter uns her. Wir kommen gut voran und freuen uns schon auf eine erste Nacht im Namib Naukluft Nationalpark. Da sehen wir am Straßenrand ein Auto auf dem Dach liegen, das sich wohl überschlagen hat. Ist da noch jemand drin? Wir sehen drei Leute unter einer Akazie sitzen. Sie laufen aufgeregt auf uns zu und wir hören schwäbischen Dialekt:

>> Bitte helft, wir haben uns überschlagen. Seit Stunden warten wir auf ein Fahrzeug, aber niemand kommt. Und Handyempfang hat es auch nicht. <<

Glücklicherweise scheint niemand verletzt zu sein, doch aus dem stark demolierten PKW läuft Benzin. Deshalb haben die drei ungllücklichen Touristen ihr Gepäck schon mal unter einer schattenspendenden Akazie in Sicherheit gebracht.

>> Falls das Fahrzeug explodiert. <<

>> Natürlich, klar helfen wir euch, kommt erst mal zur Ruhe. <<

Mit unserem Satellitentelefon rufen wir den Autovermieter an. Der verspricht sich um die Situation zu kümmern und will Hilfe schicken. Extrem viele Fahrzeuge, vor allem von Touristen, überschlagen sich jedes Jahr auf Namibias Pisten. Auch wir nehmen uns vor, wieder ein wenig vorsichtiger zu fahren.


Überschlag auf der Piste

Bei Kaffee und selbstgebackenen Bärentatzen (vielen Dank, die haben gut geschmeckt) warten wir längere Zeit, bis schließlich ein Geländewagen hält. Das erste Fahrzeug seit Stunden! Ein Mann mit Krawatte, der sich  als Vertreter der Autovermietung vorstellt, steigt aus. Es macht ein paar Fotos, holt das Gepäck unter der Akazie und  fährt dann zusammen mit den verunfallten Touris wieder ab.

Große Stille tritt ein. Nur das überschlagene Fahrzeug, das immer noch auf dem Dach liegt, gibt seltsame Geräusche von sich. Ab und zu beginnt es zu blinken. Wir beschließen gleich hier zu übernachten, denn für unser gebuchtes Camp im Namib-Naukluft Park ist es nun zu spät. Es ist schon lange dunkel, als ein Abschleppwagen eintrifft und das havarierte Fahrzeug abtransportiert.

Das Permit für den Namib-Naukluft Park muss vorab in Windhoek oder Swakopmund besorgt werden. Wegen des Unfalls können wir deshalb nur einen Tag bei der Blutkoppe mit ihren bizarren Felsformationen bleiben. Hier gefällt es uns so gut, dass wir beschließen in ein paar Tagen mit einem neuen Permit nochmal hierher zurückzukommen. Zunächst geht es aber erst mal nach Swakopmund.


Bizarre Felsen an der Blutkoppe

 

Swakopmund

Wegen des kalten Benguelastroms sind Nebel und kühle Temperaturen typisch für Namibias Küste. Tagelang kann es hier grau sein und nieseln. Deshalb freut es uns besonders, dass in Swakopmund die Sonne scheint. Die milde Seeluft ist nach der Trockenheit der letzten Tage angenehm.

Swakopmund ist eine moderne Stadt mit 50.000 Einwohnern. Auf dem Tiger Reef Campsite finden wir eine nette Bleibe für die nächsten Tage. Zentral gelegen können wir die Überbleibsel der deutschen Kolonialzeit besichtigen oder in einem der Restaurants leckere Fischgerichte mit Blick auf gelbe Dünen speisen.


Häuser aus der deutschen Kolonialzeit

Zufällig entdecken wir, dass eine Schraube unserer Kabinenhalterung nicht mehr hält. Möglicherweise ist ein Teil des Holzbodens der Kabine beschädigt. Nicht allzu tragisch, doch wir werden bis zur Reparatur zu Hause Strecken mit vielen Verwindungen meiden.

Namib Naukluft Wüste

Nachdem uns der Tag an der Blutkoppe so begeistert hat, besorgen wir uns in Swakopmund ein weiteres Permit. Vier Tage dürfen wir nun in der Wüste bleiben. Über holprige Pisten lernen wir nun andere Teile des Parks kennen. Wer noch nicht in der Wüste war, wird sich fragen, was wir so lange in dieser Ödnis machen. Doch wir lieben die Einsamkeit und Kargheit dieser Landschaft. Uns begeistern die Sonnenuntergänge am Abend, wenn die Schakale zu heulen beginnen. Mit einem Bier in der Hand und einem Steak auf dem Lagerfeuer genießen wir diese Traumplätze. In dieser Gegend handelt übrigens das Buch „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ von Henno Martin.


Camp im Namib Naukluft Park

Erstaunlich, wie viele Tiere hier irgendwie überleben können! Im Ganab Camp können wir sogar Giraffen aus nächster Nähe beobachten. Etwas weiter, in der flirrenden Hitze, ziehen Oryx, Springböcke und Gnus zu den wenigen Wasserstellen.


Giraffen als Nachbar

 

Nordwärts in den Etosha Park

Zur Versorgung kehren wir noch einmal zurück nach Swakopmund und fahren dann über Salzpisten nördlich. Am Strand, ein wenig abseits der Piste, treffen wir uns mit den Globetrottern Ana Laura und Hubert. Die haben wir bei unserem ersten Aufenthalt in Swakopmund kennengelernt. Mit ihrem selbst ausgebauten IVECO reisen sie seit 2007 um die Welt. Da geht natürlich der Gesprächsstoff nicht so schnell aus. Als es Abends zu kühl wird, ratschen wir in ihrem „Raumwunder“ weiter.


Mit Ana Laura und Hubert am Strand

Cape Cross gehört zum Pflichtprogramm für  Touristen, die es an Namibias Küste verschlägt. Der Grund ist eine große Robbenkolonie, die uns auch wir nicht entgehen lassen. Tausende Tiere lärmen und verbreiten einen fürchterlichen Gestank. Empfindliche Touris halten sich ein Tuch vor die Nase. Die Robben jagen im Meer und kehren dann hierher zurück um ihre Jungen zu säugen oder einfach zu schlafen. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, immer ist irgendwo ein Gerangel.


Robben am Cape Cross

Den Robben kommt man über einen Steg besonders nahe, doch der Eingang wird von zwei Tieren blockiert. Als ich näher komme, geht mich eine Robbe an, so dass ich mich mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit bringen muss. Schließlich gelingt es mir dann doch, die Tiere zu verscheuchen. Nicht ganz ungefährlich, wie uns ein Tourguide bestätigt:

>>Ich habe schon so viele Touristen gesehen, die von den Robben gebissen wurden. Erst neulich wurde einer Touristin die Kniescheibe herausgerissen. <<

Am nächsten Tag verlassen wir Cape Cross und fahren über die Salzpad wieder südlich. Es nieselt und die sonst so angenehm zu befahrende Straße wird feucht und wir sauen uns total ein. Eine Salzschicht liegt auf Benito. Wir nehmen nun eine Piste ins Landesinnere und schlagartig enden die Wolken und wir fahren wieder unter strahlend blauem Himmel. Es wird wärmer, ohne aber unangenehm heiß zu werden. Im kleinen Örtchen Uis finden wir einen Autowäscher, der mit seinem Hochdruckreiniger Benitos Salzschicht abspült.

Am Ugab-River, nahe der White Lady am Brandberg finden wir ein stimmungsvolles Buschcamp mit einem Wüstenelefanten als Nachbar. Der Elefant bricht laut krachend Äste von den Akazien, um an die Rinde und Blätter zu kommen. Uns ignoriert er völlig, so dass wir ihn ungestört beobachten können.


Wüstenelefant als Nachbar

Über die Gästefarm Bambatsi fahren für drei Tage in den Etosha Nationalpark. Eigentlich sollte hier nun alles grün sein, was die Tiersichtungen erschwert hätte. Doch auch hier ist die Regenzeit bisher ausgefallen, so dass wir an den Wasserlöchern viele interessante Begegnungen mit Elefanten, Löwen, Leoparden, Antilopen & Co. haben.



Etoscha Nationalpark

Der Etoscha Park ist der nördlichste Punkt dieser Etappe. Von nun an geht es allmählich runter nach Südafrika. Bis zum Ziel Durban haben wir noch vier Wochen Zeit. Jedenfalls, wenn sich am vorläufig zugesagte Verschiffungstermin nichts mehr ändert.

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23.01.2019 - 19.02.2019
Namibia


Aufbruch zur letzten Etappe in Afrika. Ankunft in Windhoek und Wiederinbetriebnahme des Fahrzeugs. Touris mit einem überschlagenem Fahrzeug brauchen unsere Hilfe. Wir überleben bissige Robben und einen Wüstenelefanten als Nachbar. Fahrt vom Atlantik in den Etoscha Nationalpark.